Von Gewichtsproblemen erzählt Daniel Leistner. Genauer gesagt davon, dass überflüssige Kilos mit 50 schwieriger abtrainiert sind als vielleicht noch vor zehn, 20 Jahren. Doch Kopfzerbrechen bereitet ihm das nicht, Leistner nimmt's mit Humor.

Der Intendant der Faust-Festspiele wird am Mittwoch ein halbes Jahrhundert alt. Angst mache ihm das nicht. Auch ein Problem mit dem Alter habe er nicht. "Das Einzige", was ihm bewusst werde, "ist, dass es nun hintenraus kürzer wird".

Daniel Leistner sagt nicht nur, dass er "sehr zufrieden" mit seinem Leben ist. Er wirkt auch so. Gelassen. Entspannt. Und trotzdem voller Tatendrang, wenn er mit den Fingern auf die Tischplatte tippt, wie ein Musiker der kräftig in die Tasten haut.

Gefragt nach einem Geburtstagswunsch, zeigt sich diese Mischung aus Leistners Zufriedenheit und Tatendrang: "Ich würde gerne die Faust-Fest- und die Shakespeare-Spiele weitermachen, aber habe nicht mehr den jugendlichen Anspruch, berühmt zu werden." Bei all der Aufregung, die es in den vergangenen Jahren beispielsweise um die Faust-Festspiele gegeben hat, habe er immer "das Glück gehabt, zufrieden zu sein". Und trotzdem räumt Leistner ein, dass es natürlich Dinge gegeben habe, die ihn geärgert haben. "Aber das gehört zum Leben dazu." Die Motivation hat er dadurch nicht verloren. Auch mit fast 50 nicht.

Die Schauspielerei ist sein Leben. Das merkt man, wenn er von den ersten Proben in dieser Saison im Freien auf der Festung Rosenberg erzählt und Sätze sagt wie "Ich war ganz bewegt. Gerührt, nach 20 Jahren Faust-Festspiele immer noch da oben zu stehen."

Leistner wird 50, die Faust-Festspiele 20 und Leistners-Schauspielkarriere ist schon 30 Jahre alt.1984 war es, als er an der Schule die Leidenschaft fürs Theater entdeckt hat. "Meine Kumpels haben mitgespielt. Also hab' ich gefragt, ob ich auch mitspielen darf", erinnert er sich an die Anfangszeiten. Und siehe da: Schon ein Jahr später darf er den Mephisto spielen. "Dadurch hab' ich die Schule dann doch noch mögen gelernt", flachst Leistner.

Breitschlagen lassen

Leistner studiert hinterher Literatur- und Theaterwissenschaften in Bayreuth, Regie und Schauspiel in Mainz. Viele Jahre verbringt er in Wien in verschiedenen Schauspielgruppen und verschiedenen Positionen. Einmal im Jahr kommt er nach Kronach, um mit seinen ehemaligen Schulkameraden auf der Werkbühne zu stehen. Es entsteht die Idee, "etwas auf der Festung zu machen". Leistner lässt sich mehr oder weniger "breitschlagen". Und dann werden die Faust-Festspiele 1995 "ein Riesen-Erfolg", dass auch er so "geflasht" ist und in Kronach hängen bleibt. Seitdem, gibt er zu, ist sein Alltag sehr von den Faust-Festspielen - und seit gut fünf Jahren auch von den Shakes peare-Spielen geprägt. Seine Leidenschaft fürs Comiczeichnen und Schreiben kommt seitdem etwas zu kurz: Leistner hat eigene Stücke geschrieben, zwei Comicbände veröffentlicht und für Magazine und Zeitungen gezeichnet. Einige Originale aus seinem Cranach-Comic sind derzeit in der Caricare-Ausstellung auf der Festung zu sehen.

Doch für Leistner sind die Faust-Festspiele kein Stress, wenn überhaupt, dann "kein negativer, sondern positiver".

Er wirkt kurz vor seinem 50. Geburtstag angekommen, wenngleich er noch voller Leidenschaft für die Schauspielerei steckt, sich selbst sogar ein Geschenk macht, indem er erneut "Einen Jux will er sich machen" von Johann Nepomuk Nestroy spielt. Und zwar nicht nur in Ludwigsstadt bei den Shakes peare-Spielen, sondern auch noch in seinem Ludschter Dialekt.

2001 hat er das Stück schon einmal bei den Faust-Festspielen inszeniert und die Hauptrolle gespielt. "Das war ein spitzen Stück, ich bin rumgehüpft wie ein Flummi", wird Leistners Freude an der Schauspielerei wieder deutlich.

Da ist es fast kein Wunder, dass Leistner auch am Mittwoch an seinem 50. Geburtstag nicht ohne Theater auskommt. "Wir haben Probe für den zerbrochenen Krug, den wir heuer bei den Faust-Festspielen aufführen werden und hinterher noch Probe in Ludwigsstadt und danach wird es eine große Feier geben", verrät Leistner, der gerne gesellig ist.