Die Digitalisierung ist weltweit in vollem Gange und sorgt in allen Lebensbereichen für einen tiefgreifenden Wandel. Laut Rudolf Schirmer, Schulleiter der Lorenz-Kaim-Berufsschule, hat das besonders Einfluss auf das produzierende Gewerbe. "Es werden mehr Fachkräfte gebraucht und das Berufsbild ändert sich", erklärt er. 64 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Kreis Kronach im produzierenden Gewerbe. "Deswegen wird das Veränderungspotenzial durch die Digitalisierung im Landkreis am deutlichsten sein", meint Schirmer. Auch die Berufsschule müsse sich unter diesen Bedingungen verändern.

Ein gemeinsames Projekt mit der Staatlichen Berufsschule Lichtenfels solle aufzeigen, wie diesen Herausforderungen vor Ort begegnet werden kann.


Was steht im Mittelpunkt?

Vernetzung, Digitalisierung der Prozesse und die Gestaltung intelligenter Arbeitsplätze - Themen die bei dem Projekt "Industrie 4.0" im Mittelpunkt stehen und auf alle Berufsgruppen ausgedehnt werden müsse. "Eine Vernetzung der am Prozess beteiligten Berufe ist eine wesentliche Voraussetzung und gelingt durch die enge Zusammenarbeit mit der Berufsschule in Lichtenfels", so Schirmer.

Vom Industriekaufmann, über den Werkzeugmechaniker bis hin zum Produktdesigner - das Portfolio der beiden Berufsschulen umfasse die Kernkompetenzen eines "Industrie 4.0-Prozesses". Auf der digitalen Lernplattform können Schüler und Lehrer von beiden Schulstandorten ihre Projektdaten speichern und austauschen.
Auch das Kultusministerium sah sich bei diesem Thema in der Pflicht und will 16 Modellschulen in Bayern mit insgesamt zwei Millionen Euro fördern. In drei Tagen müssen der Regierung jedoch die Konzepte vorliegen.

Während sich die Lichtenfelser Berufsschule um das Thema EDV kümmert, geht es in Kronach um die Technik. Für die Anschaffung technischer Geräte wie beispielsweise einem Industrieroboter, verschiedenen Stationen und einem Fehlersimulator brauche die Berufsschule Unterstützung vom Landkreis. Die Kosten belaufen sich auf 336 715 Euro. Der verbleibende Eigenfinanzierungsanteil liege bei 245 030 Euro (Kreis Lichtenfels, Kosten: 76 445 Euro, Eigenfinanzierungsanteil: 55 630 Euro). Jedoch könnten 40 bis 50 Prozent der Eigenfinanzierungsanteile in den nächsten Jahren über die Abrechnung der Gastschulbeiträge refinanziert werden.


Stimmen aus dem Gremium

Für Landrat Klaus Löffler (CSU) ist die "Industrie 4.0" eine riesige Chance, dem Fachkräftemangel in der Region entgegenzuwirken. Auch Jens Korn (CSU) war es wichtig zu betonen, dass die "Industrie 4.0" keine Bedrohung für den Landkreis ist, sondern eine Chance, Unternehmen im Landkreis zu halten. Petra Zenkel-Schirmer (Frauenliste) bringt ihre Zustimmung für das Projekt auf den Punkt: "Industrie 4.0 wäre wahrscheinlich eine Bedrohung, wenn wir nichts tun würden."

Stefan Wicklein (FW) ist begeistert, wie Schirmer die Schule nach vorne bringt. Hans Rebhan (CSU) lobt die Zusammenarbeit mit der Berufsschule in Lichtenfels: "Es ist wichtig, nicht in Landkreisgrenzen zu denken. Betriebe tun das ja auch nicht."

Richard Rauh (SPD) will das Projekt unterstützen, regt aber auch an, ob man daraus nicht ein Pilotprojekt machen könnte. Zudem wäre es schön, wenn sich der Freistaat Bayern mehr beteiligen würde. "Wir sind schon dabei, verschiedene Fördermöglichkeiten ausloten", so Löffler.