Ein bisschen schüchtern schauen Piara und Alberta noch durch ihre großen Kulleraugen. Auf fremde Personen in ihrem Gehege reagieren die beiden Alpaka Stuten erst einmal verhalten. Schnell drängen sie sich in die Ecke des umzäunten Geländes. Ihre Nüstern beben vor Aufregung. "Wenn man einem Alpaka in die Augen schaut, verliebt man sich sofort", sagt Margit Seiferth-Hoderlein. Über einen Monat ist es nun schon her, dass sie und ihr Mann Andi Hoderlein die beiden Tiere von einer Züchterin aus dem Erzgebirge geholt haben.


Lehrgang ist vorgeschrieben

Davor mussten die Hoderleins einen Sachkundelehrgang belegen. Den braucht die Familie, sonst dürfen sie die Tiere nicht halten. "Dass so etwas vorgeschrieben ist, finde ich gut", sagt Seiferth-Hoderlein. Außerdem muss das Gehege groß genug sein und ein Unterstand muss vorhanden sein, um die Tiere zu schützen. Ebenso dürfen keine giftigen Pflanzen wie Efeu oder Orleander auf dem Gelände stehen. "Wir haben alle Ziersträucher raus gerissen", erzählt die Alpaka-Halterin.



Gefüttert bekommen die Alpakas vor allem Heu und Gras sowie Mineralien in Form von Pulver. Später kommen vielleicht noch Karottenwürfel auf den Speiseplan. Brot gibt es nicht, das sei gefährlich. "Zum Verzehr sind die Tiere in Deutschland übrigens nicht geeignet. Darauf wurde ich schon öfter angesprochen", sagt Seiferth-Hoderlein und verzieht den Mund. Für sie ein unvorstellbarer Gedanke.

Einmal im Jahr werden die Alpakas geimpft, im Frühling und Herbst entwurmt. Das kann natürlich nicht jeder Tierarzt, Alpakas sind schließlich eine Seltenheit in Deutschland. "Wir haben schon einen Arzt gefunden", sagt die Lauensteinerin.


Fell wird jedes Frühjahr geschoren

Das Fell der beiden Alpakas ist kurz geschnitten. Nur die Haare auf ihrem Kopf sind noch flauschig lang. Laut Seiferth-Hoderlein muss das Fell jedes Frühjahr geschoren werden, sonst überhitzen die Tiere. Für das Vlies, so nennen Alpakazüchter das Fell der Tiere, haben die Hoderleins schon Pläne: Daraus sollen Produkte aus Alpakawolle verarbeitet werden, beispielsweise Mützen und Socken. Laut Seiferth-Hoderlein ist die Alpakawolle besonders atmungsaktiv und wärmt gut. Außerdem sei die Wolle für Allergiker geeignet. Ab dem Spätsommer wollen die Hoderleins einen Hofladen eröffnen, in dem sie die Produkte aus Alpakawolle verkaufen.


Bis zu 50 Alpakas sind geplant

Mit ihren zwei Alpakas haben die Hoderleins noch Großes vor. Sie planen eine Alpakazucht mit bis zu 50 Tieren. Eine Genehmigung für ein viel größeres Grundstück haben sie schon. Nächstes Jahr im Mai reisen die Hoderleins mit einer Stute ins Erzgebirge. Dort soll sie von einem Hengst, der aus Neuseeland stammt, gedeckt werden. Für Alpaka Stuten sei es normal, dass sie nach der Geburt gleich wieder gedeckt werden. "Die Zuchtstuten sind quasi dauerhaft schwanger", sagt die angehende Alpaka-Züchterin. Elf Monate sind die Stuten schwanger.


Tiere spucken nur zur Abwehr

Wenn die Stuten trächtig sind, kann es schon mal passieren, dass sie den Hengst, der sie schon wieder begatten will, anspucken. "Alpakas spucken weniger als Lamas. Das machen sie nur, wenn sie geärgert werden", sagt Seiferth-Hoderlein. Auch wenn sich die Herde zu nahe kommt, kann es passieren, dass sich die Tiere mit dem Spucken mehr Platz verschaffen.

Sonst sind Alpakas sehr friedliche und ruhige Tiere, wie Margit Seiferth-Hoderlein erzählt. "Alpakas verzaubern durch ihre freundliche und zurückhaltende Art", sagt sie. Deshalb seien die Tiere besonders gut für Therapiezwecke geeignet. Auf ältere oder behinderte Menschen wirken die Tiere besonders beruhigend. "Einmal habe ich beobachtet, wie ein krankes Kind im Alpaka-Gehege war. Und obwohl die Tiere schüchtern sind, ist das Alpaka sofort auf das kranke Kind zugegangen", sagt Vanessa Lang. Sie ist die Freundin von Margit Seiferth-Hoderleins Sohn und voll in die Alpakapflege eingebunden. "Man kann es nicht beschreiben, was für ein Gefühl das ist", schwärmt Seiferth-Hoderlein.

Weil die Alpakas so friedvolle Tiere sind, plant die Familie Wanderungen für Erwachsene und Kinder. Im Sommer soll es ein Ferienprogramm für Kinder geben.