Bernd Stegers Finger gleitet über den Ortsplan. "Da war auch mal eine. Und da oben waren gleich drei", sagt er und markiert die Stellen, an denen vor einigen Jahren noch reger Betrieb am Stammtisch und am Tresen geherrscht hat. Aus dem Stegreif fallen ihm acht Gastwirtschaften ein, die er im Kernort der Marktgemeinde Küps streichen muss. Dazu kommt noch eine Handvoll "kleiner Quetschen", die für drei, vier Jahre vergeblich versucht haben, die Lücken zu schließen.

Steger ist weithin bekannt. Er ist als Kommunalpolitiker (FW) landkreisweit unterwegs. Und er ist als Feuerwehrler viel auf Achse. Doch der 66-Jährige ist auch ein Privatmann, ein Küpser, der gern in seinem Ort mit Vereinskameraden und Mitbürgern zusammensitzt, ein Schwätzchen hält und sich mit ihnen von Angesicht zu Angesicht "ausdeutscht". Deshalb verfolgt er mit Argwohn, dass es in seiner Heimatgemeinde kaum noch Wirtshäuser gibt, in denen man sich einfach mal locker auf ein Bier zusammensetzen kann. Früher habe es gut 15 Gaststätten in Küps gegeben, unterstreicht er die Entwicklung.

Technik ersetzt Miteinander
"Ich bin kein altmodischer Mensch", betont Steger, der in seinem privaten Büro neben einem Computer sitzt, dessen Smartphone sich zu Wort meldet und der auch einen Facebook-Zugang hat. "Aber ich war schon immer fürs Reden. Die Begegnung ist mir das Wichtigste." Inzwischen liege die Wirtshauskultur in Küps allerdings am Boden. Es gebe zwar noch Treffpunkte für die Jüngeren und auch Speisegaststätten, doch schnell mal auf ein Bier treffen könne man sich kaum noch.

"Mancher Verein bringt nicht einmal mehr einen Preiskopf zusammen. Die moderne Kommunikation macht alles nieder", nennt er einen Aspekt, der seiner Ansicht nach zum Wirtshaussterben beiträgt. E-Mail & Co. verdrängten immer mehr das Zwischenmenschliche. Selbst bei Telefonaten nehme sich kaum mehr einer Zeit für einen kurzen Smalltalk.

Der demografische Faktor sei eine weitere Ursache, die zum Rückgang der Gaststättenzahl beitrage. Zudem bänden sich mancherorts Hinzugezogene in den Neubaugebieten nicht sehr in das gesellschaftliche Leben im Ortskern ein.

"In Bayern gibt es schon über 100 Ortschaften, die gar keine Wirtschaft mehr haben", stellt Steger fest, dass dieses Problem nicht auf Küps beschränkt ist. Doch wie kann eine Kommune dieser Entwicklung entgegenwirken. "Eigentlich gar nicht", meint das Mitglied des Küpser Marktgemeinderats. Allerdings könnten intakte Dorfgemeinschaften hier in die Bresche springen.

In Tüschnitz, Au und Oberlangenstadt funktioniere das gut. In Hain schaffe man derzeit die Grundlagen dafür. Wichtig seien nämlich gute Rahmenbedingungen und passende Räumlichkeiten, zum Beispiel ein Mehrzweckhaus.


Ausweichen auf Sportheime
Eine Alternative könnten auch die Sportheime sein. Das Küpser TSV-Sportheim sei so eine Ausweichmöglichkeit für Treffen der Vereine. Doch die Sportheime in der Region seien meistens nicht dauerhaft in Betrieb.

Neue Nutzer für die verwaisten Gaststätten zu finden, fällt ebenfalls schwer. "Die Gebäude stehen heute teilweise leer oder sind zu Wohnungen umfunktioniert. Küps ist jetzt ausgedünnt", zieht Steger eine Bilanz des Wirtshaussterbens in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten. Ob der Trend zu stoppen ist - Steger weiß es nicht. Aber er hofft, dass die Leute irgendwann wieder dazu übergehen, sich mehr zusammenzusetzen und zu reden. Denn darin sieht er ein Stück Lebensqualität.

Zweiter Bürgermeister Bernd Rebhan (CSU) kann sich noch gut an die Zeit seiner Kindheit erinnern. Damals seien die Erwachsenen von der Arbeit heimgekommen und anschließend zum Einkehren ins Wirtshaus gegangen. "Diese Wirtshauskultur hat sich insgesamt geändert", zeigt er einen Wandel auf. Das Familienleben sehe heute ganz anders aus als damals. Das bekämen auch die Gaststätten zu spüren - nicht nur in Küps.

Gerade die typischen Bierlokale, in denen sich Mitglieder von Vereinen auf ein Schwätzchen treffen oder wo die Stammtische beisammensitzen, hätten es heute schwer. Mit der Gaststätte Hanft sei auf Grund eines Todesfalls wohl die letzte Wirtschaft dieses Schlages im Kernort Küps kürzlich geschlossen worden.

In manchen Gemeindeteilen gebe es das typische Wirtshausleben allerdings noch, betont Bernd Rebhan und nennt beispielsweise Hummendorf.


Nachpächter sind rar gesäht
Für die Gemeinde selbst sei es schwierig, der Entwicklung gegenzusteuern. In vielen Fällen dränge sich niemand auf, eine fremde Gaststätte zu übernehmen, wenn diese schließen müsse. "Vor allem ist es schwierig, wenn Familienbetriebe nicht mehr weitergeführt werden", betont Rebhan. Auch er würde sich sehr freuen, wenn gelingen könnte, wieder ein Bierlokal nach Küps zu bekommen, denn "die Vereine suchen nach einem Treffpunkt. Die haben da schon Schwierigkeiten." Eine dauerhafte Bewirtung durch die Dorfgemeinschaften oder Vereine sieht Rebhan mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue ihn das Engagement, andererseits möchte er die Ehrenamtlichen nicht über Gebühr durch solche Aufgaben strapazieren. Und: "Es wäre schon wichtig, wenn ein Gaststättenbetrieb in den Ortschaften da wäre, der zum Beispiel auch Essen anbieten könnte."