Beziehen die beiden Ortsteile weiterhin ihr Wasser vom Zweckverband Frankenwaldgruppe (FWG) und zahlt die Stadt Teuschnitz ihre Investitionsumlage zur Sanierung des Wasserleitungsnetzes, kauft sie sich raus oder klagt sie? "Der neue Stadtrat steht in der Pflicht, das Thema zu lösen. Wir werden das anpacken und eine Lösung finden", betonte Bürgermeister Frank Jakob (FW). Da die Hälfte der Gremiumsmitglieder neu sei, sollten sie diese Informationen aus erster Hand erhalten, um ihre Entscheidung "guten Gewissens" treffen zu können. Dafür hatte er Vorsitzenden Jürgen Baumgärtner und Geschäftsleiter Gerhard Woller vom Zweckverband zur Sitzung eingeladen.

"Wenn Teuschnitz die FWG verlassen will, ist das legitim. Das ist die Entscheidung des Stadtrats. Ich habe nichts dagegen - jedoch nur unter der Voraussetzung, dass dies mit keinen Nachteilen für die anderen beteiligten Gemeinden und Haushalte verbunden ist", stellte Baumgärtner klar. Die Situation des Zweckverbands habe er nicht zu verantworten. Er habe sich auch nicht um die Übernahme des Amts geprügelt. Vielmehr habe sich 2015 aufgrund der desaströsen Situation mit einem Sanierungsstau von 65 Millionen Euro kein anderer gefunden. "Die FWG war der Zweckverband in Bayern mit der größten Schieflage", prangerte er an, dass die vorherige Führung trotz zugesicherter Zuwendungen von 3,5 Millionen Euro für die Sanierung keinen Förderantrag gestellt habe.

Der Investitionsstau von 65 Millionen Euro hätte für jeden der betroffenen rund 3200 Haushalte eine Belastung von 20 312 Euro bedeutet. Heute würden die Haushalte mit einer Gebühr von 98,50 Euro pro Jahr auf 25 Jahre, insgesamt mit 2468 Euro, belastet. Dies sei keineswegs allein sein Verdienst, sondern auch eine Gemeinschaftsleistung der Bürgermeister und des Ministeriums. Der Regierung könne man für die Zuschüsse in Millionenhöhe nicht dankbar genug sein. Großer Dank gebühre insbesondere Landrat Klaus Löffler, der ihn von Anfang an unterstützt habe.

"Haßlach ist von allen in unserer Verantwortung stehenden Netzen das schlechteste", verdeutlichte er einen akuten Handlungsbedarf mit einem Investitionsstau von rund 1,4 Millionen Euro. Diese Summe müsse bezahlt werden, entweder von der FGW oder - bei einem Austritt - von der Stadt Teuschnitz. Für diese gebe es drei Möglichkeiten: der Verbleib in der FWG, der Austritt oder die Klage.

Die Alternativen

Bei einem Verbleib komme auf Teuschnitz bei einer 20-jährigen Laufzeit eine Investitionsumlage von 377 422 Euro sowie für die Haushalte in Rappoltengrün und Haßlach die zusätzliche Grundgebühr von knapp 100 Euro jährlich zu. Bei einem Austritt müsste die Stadt - neben dem Anteil der Sanierung von rund 770 000 Euro - das Ortsnetz für rund 430 000 Euro ablösen, sprich: für das Ausscheiden rund 1, 2 Millionen Euro zahlen. Zuzüglich der Sanierungskosten für das Ortsnetz Haßlach von 1,4 Millionen Euro ergäbe sich ein Gesamtaufwand von rund 2,6 Millionen Euro. Bei einem Austritt müssten die Wasserpreise neu berechnet und mit Sicherheit für Wickendorf und Teuschnitz erhöht werden. Die dritte Möglichkeit wäre die Klage. Beim Durchlaufen aller Instanzen sei mit einem knapp zehnjährigen Verfahren zu rechnen. So lange könne die Sanierung des Ortsnetzes aber nicht warten.

Was die Förderung angeht, sei eine Verlängerung der RZWas bis 2028 in trockenen Tüchern. Darüber hinaus sei er skeptisch.

"Wie ihr euch entscheidet, interessiert mich nicht. Meine Aufgabe ist es, aufzupassen, dass niemand benachteiligt wird", verdeutlichte er. Einer 1954 aus der Not heraus gegründeten Solidargemeinschaft beizutreten und Jahrzehnte später auszutreten, ohne zu zahlen - das gehe nicht. Klar stellte Baumgärtner auch, nicht in ein schwebendes Verfahren zu investieren.

"Die FWG ist für mich kein Stress mehr. Ich bin jetzt tiefenentspannt", bekundete er. Sobald der "Laden" komplett aufgeräumt sei, übernehme ein Bürgermeister. Darauf freue er sich. Wenn ein Großteil des Wassersystems saniert und in gutem Zustand sei, vielleicht um das Jahr 2031 herum, könne man die FWG eventuell auflösen. Auch ein einheitlicher Wasserpreis wäre als Grundlage für den Frieden in der kommunalen Familie wünschenswert.

Zu dieser Thematik wird der Stadtrat Teuschnitz eine intensive Arbeitssitzung abhalten. Danach wird das Thema nochmals in der Öffentlichkeit dargelegt. "Transparenz heißt das Zauberwort", sagte der Bürgermeister.

Der Bürgermeister gab einen detaillierten Überblick über den aktuellen Stand laufender und kürzlich abgeschlossener Baumaßnahmen. Dabei prangerte er die mangelnde Parkmoral an.

Der zweite Bauabschnitt des Umbaus der Teuschnitzer Stadtmitte ist bis auf Kleinigkeiten abgeschlossen. Abnahme war am 13. November; die Restarbeiten werden im Laufe dieser Woche erledigt. Die Beleuchtung für den Kirchturm erfolgte in Abstimmung mit Pfarrer Detlef Pötzl und Kirchenpfleger Rainer Tautz. Die Abnahme der Beleuchtung findet voraussichtlich kommende Woche statt, während die Überarbeitung der Nepomuk-Statue und des Gefallenendenkmals erst im Frühjahr 2021 angegangen wird. Das Parkkonzept wird mit Gewerbetreibenden besprochen und umgesetzt.

Vogelwildes Parken in Stadtmitte

"Leider wird momentan vogelwild geparkt", prangerte Jakob an. Dass teilweise die Fußgänger auf die Straße ausweichen müssten, sei gefährlich und ein absolutes No-Go. Die Falschparker werde man mit Handzetteln auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen und versuchen, sie zu erziehen. Sollte keine Besserung erfolgen, müsse man eine Absperrung vornehmen.

Auch über eine Reihe weiterer gut vorangehender und kürzlich abgeschlossener Baumaßnahmen konnte er sich freuen. Die ebenfalls abgeschlossene Baumaßnahme Garten- und Weidenstraße wurde am 5. Oktober abgenommen. Von den Anliegern wurden keine Mängel gemeldet. Die Abrechnung wird erstellt.

Für das "Schwarze Kreuz" musste die erste Ausschreibung grundlegend überarbeitet werden, da die Kosten um das Dreifache überschritten wurden. Die Aufträge für die Konsolidierung des Mauerwerks und der Betonarbeiten wurden an die Firma Dechant vergeben und laufen bereits. Bis Juli/August 2021 sollen die Mauerwerks-, Beton- sowie Dachdecker-Arbeiten abgeschlossen werden.

Beim Hallenbad der Schule läuft aktuell der Gebäude-Anbau mit der Firma Mühlherr. Im Innenbereich werden die Verputzerarbeiten ausgeführt. Die Fliesenarbeiten und der Estrich werden diese Woche vergeben, während die Ausschreibung der Fensterelemente läuft. Diese Woche erfolgt die Abstimmung für den Aufsichtsraum und das Zutrittssystem mit der DLRG. Das Gestaltungskonzept wurde in Zusammenarbeit mit der Schulleitung und der DLRG erstellt. Der Einbau der Aufbereitungstechnik ist ab Januar vorgesehen.

Aus den Stadtteilen

Auch in den Stadtteilen tut sich einiges. Für die Gemeindeverbindungsstraße Teuschnitz-Wickendorf sind auf die Ausschreibung neun Angebote eingegangen. Diese werden aktuell vom Planungsbüro ITS geprüft. Die Arbeiten sollen noch heuer beginnen. Für das alte Schulhaus in Wickendorf steht im Innenbereich der Einbau der Treppe an. Die Trockenbauarbeiten sind weit fortgeschritten. Die Heizung wurde eingebaut und läuft. Das Gewerk Fenster und Türen wurde ebenso abgeschlossen wie das Dach und die Fassade. Die Arbeiten für Außenanlagen wurden vergeben. Das alte Gebäude Dorfplatz 7 wurde abgebrochen, die Freifläche für die Neugestaltung vorbereitet. Die Umgestaltung der Fläche erfolgt ab Frühjahr 2021.

Für die Dorferneuerung in Haßlach erfolgt aktuell der Planungsentwurf durch das Büro Freiraumpioniere als Diskussionsgrundlage. Ein großer Dank des Bürgermeisters galt dem Landkreis für die Entschärfung der Situation am Ortseingang und die Beseitigung der Problemstellen im Asphalt.