Den Bürgern der vom angedachten Nationalpark direkt betroffenen Kommunen soll ein Vetorecht eingeräumt werden. Wallenfels Bürgermeister Jens Korn sagte, dass sowohl MdL Jürgen Baumgärtner als auch Landrat Klaus Löffler hinter dieser Forderung von Gerhard Wunder und ihm stehen. Wenn es also in einen der fünf vorgesehenen Orte in Steinwiesen, Wallenfels, Nordhalben, Tschirn oder Tettau keine Mehrheit gibt, wird sich der Landkreis nicht bewerben. Weiterhin habe der Landrat deutlich gemacht, dass der Kreistag nicht abschließend über den Nationalpark entscheiden werde, dies müsse durch den Bürger vor Ort geschehen, sagte Korn.

Eingangs der von Alexander Schlee organisierten Informationsveranstaltung ging der Leiter des Forstbetrieb Nordhalben, Fritz Maier, auf den ins Gespräch gebrachten Nationalpark sowie die Auswirkungen auf den Staatswald ein. Er, der seit 27 Jahren mit dem Frankenwald vertraut sei, ging auf das Zustandekommen der auf den Frankenwald erweiterten Überlegungen ein.

Demnach war zunächst der Frankenwald mit seinem großen Anteil an Fichten nicht dafür vorgesehen. "Man ging zunächst davon aus, dass man seiner Verantwortung gegenüber den Buchenwäldern gerecht wird", so Maier. Dafür haben sich auch die Naturschutzverbände ausgesprochen. Diese hielten den Steigerwald für das geeignetste Gebiet. Weiterhin waren der Spessart mit seinen großen Laubwäldern, die Rhön und die Auwälder im Gespräch. Nach massiven Widerstand aus diesen Gebieten wurde der Steigerwald aus den Rennen genommen und der Frankenwald nach einer Pressemitteilung der Umweltministerin Ulrike Scharf aufgenommen.


Fichtenanteil von rund 80 Prozent

Als Grundregel sollten dafür möglichst 10 000 Hektar zusammenhängende Fläche genutzt werden. Der Forstfachmann erklärte, dass gerade im Bereich von Wallenfels der Fichtenanteil rund 80 Prozent betrage und die Fläche nicht für einen Nationalpark geeignet sei. Die Kernzone soll aus rund 70 Prozent bestehen, dort seien jegliche Eingriffe verboten. Er zeigte sich überzeugt, dass der Borkenkäfer im trockenen Frankenwald die Fichte massiv anpacken werde. Deshalb gebe es auch die Schutzzonen, wo der Wald weiterhin bewirtschaftet wird. Bei dem vorgeschlagenen Gebiet bleibe aber nicht der geforderte Abstand von 500 Metern zum Privatwald, so Maier aufklärend. Finanziell bleibe die Wertschöpfung der Staatsforsten derzeit größtenteils in der Region.

Ein Nationalpark, der sicherlich keine großen Arbeitsplätze schaffe, würde hingegen den Steuerzahler zwischen zehn und 15 Millionen Euro im Jahr kosten. Für viele Waldbesitzer und Forstleute sei es auch nicht nachvollziehbar, dass man die positive Entwicklung der letzten Jahrzehnte einfach zunichtemachen sollte. Schließlich sei der Frankenwald nicht umsonst zum "Waldgebiet der Jahres" auserkoren worden. Es gibt ja auch einem ganz deutlichen Waldumbau von der Fichte zum Mischwald, was jedoch über Generationen hinweg geschehen müsse. "Ich bin nicht da, ja oder nein zum Nationalpark zu sagen, ich will ihre Fragen beantworten", sagte Fritz Maier vor der ausführlichen Diskussion.

Dabei ging es um die Bejagung von Rot- und Schwarzwild, welche vermutlich dann vermehrt in den benachbarten Privatwaldbereich sich aufhalten würden. Es wurden Fragen zur Flächenenteignung gestellt und wie weit die "Zwischenstücke" im Fall Wallenfels/Steinwiesen, den Reupolds- und Silberberg, welche im Privatbesitz sind, betroffen sind.

Bürgermeister Jens Korn, der gerne der Einladung gefolgt sei, kündigte "im überschaubaren Kreis der Betroffenen" eine Bürgerversammlung an, um das Pro und Kontra zu diskutieren. "Heute sind ja nur Gegner da, da kommt doch keine Diskussion auf", meinte der Bürgermeister. Daraufhin wollte einer der Teilnehmer wissen, wo denn die Befürworter überhaupt seien, in Wallenfels habe man bisher wenige erkennen können.

Sandra Kremer fragte nach dem Termin der Bürgerversammlung, welche doch vor Eintritt in die Konzeptphase sinnvoll wäre. Der Bürgermeister zeigte sich gegenüber dem Vorhaben skeptisch, meinte aber, dass man sich zum jetzigen Zeitpunkt der Konzeptphase nicht verschließen sollte. Für ihn seien die Forstdienstleister und Sägewerker sehr wichtig. Ebenso könne er die Angst der Privatwaldbesitzer, insbesondere vor dem Borkenkäfer, verstehen. Man müsse einfach der Staatsregierung deutlich machen können, dass es hier Leute gibt, die auch in 50 oder 100 Jahren noch vom Holz leben wollen. Auch musste sich der Bürgermeister teilweise kritischen Fragen stellen. So kritisierte Elisabeth Hagemann, dass es ja die Dialogphase fast nicht gegeben habe und die Konzeptphase eine rein politische Entscheidung sei. Sie vermisste auch eine klare Aussage des Landrats, welcher sich bisher sehr bedeckt zum Thema hielt. Weiterhin fragte sie, warum andere Regionen die finanziell so verlockenden Angebote nicht annähmen, zumal dort ausschlaggebende Leute in den entsprechenden Positionen sind.

Thomas Wunder wollte wissen, wie die Stadt in 15 Jahren Einfluss auf die Naturparkverwaltung nehmen kann, wenn es um Straßenverbindungen oder die Infrastruktur gehe. Weiterhin bezweifelte er, ob man "aus der Nummer" noch rauskommt, wenn man mal in der Konzeptphase sei.

Nicht beantwortet werden konnte die Frage von Werner Zeuß, welcher nach dem Ideengeber für die Aktion fragte: "War es eine Initiative von Jürgen Baumgärtner oder gab Ministerpräsident Horst Seehofer den Anstoß", wollte er wissen. Recht deutlich wurde der in Wallenfels dafür bekannte Werner Stumpf. "Die brauchen in München Ausgleichsflächen für den Flugplatz und meinen, im Frankenwald gibt es Hottentotten, mit denen man machen kann, was man will." Er nannte mit Jürgen Baumgärtner auch den Schuldigen, welcher "uns das eingebrockt hat".


"Ein K.o.-Kriterium"

Jens Korn meinte, dass man Ministerpräsidenten Horst Seehofer vertrauen kann, der immer wieder zu erkennen gebe, dass es ohne die Bürger keinen Nationalpark gibt. Vor Ende der Veranstaltung im Hinterhof der Gaststätte "Homerudl" ging Reinhard Müller-Gei sehr sachlich auf das Thema im Allgemeinen ein.

Wie der Sägewerksbetreiber sagte, sei der Frankenwald der schlechteste aller Standorte. Aufgrund der festgelegten Kriterien mit den Schutzbestimmungen komme der Frankenwald überhaupt nicht infrage. "Wenn man die vorgesehenen Abstandsflächen einhält, bestünde die Kernzone ja nur 20 Prozent, allein dies sei schon ein K.o.-Kriterium, so Müller-Gei. "Ich glaube den bisher schnell hervorgebrachten Plänen überhaupt nicht, die sind so einfach nicht umsetzbar", sagte er unter den Beifall der Anwesenden.

Auch ging er auf statistische Werte ein, wonach an pro 100 eingeschlagenen Festmetern Holz ein Arbeitsplatz hängt. Er könne deshalb nicht nachvollziehen, weshalb der Forstbetrieb Nordhalben, einer der wirtschaftlich stärksten in ganz Bayern, auf Dauer zunichtegemacht werden sollte. Rund die Hälfte der Betriebe sei in der Existenz bedroht. Es gelte deshalb die Heimat so lebenswert zu erhalten, wie sie sei. Alexander Schlee meinte, dass es ein großes Problem sei, dass die Bevölkerung wenige Informationen, dann auch noch teilweise falsche zur Verfügung habe.