Triesdorf ist ein beschauliches Örtchen im Kreis Ansbach mit 101 Einwohnern. Doch die Außenstelle der Hochschule Weihenstephan bringt Leben in das Dorf: 2500 junge Leute studieren dort in Fachrichtungen wie Agrartechnik, Landwirtschaft oder Umweltsicherung. "Das zeigt, dass Forschung und Lehre auch auf dem Land möglich sind", erzählt Jens Korn, Bürgermeister von Wallenfels (CSU). Gemeinsam mit dem Vizepräsidenten der IHK Oberfranken Bayreuth, Hans Rebhan, hat sich Korn am Freitag ins Auto gesetzt und ist die 180 Kilometer in den Süden gefahren. "Triesdorf besteht eigentlich nur aus der Hochschule", sagt Hans Rebhan und lacht.

Der Ausflug nach Triesdorf hatte einen guten Grund: Korn und Rebhan trafen sich mit der Hochschulleitung. "Wir haben diskutiert, wo beim Frankenwald und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Schnittmengen liegen könnten", erklärt Korn. In den letzten Wochen, in denen intensiv über einen möglichen Nationalpark Frankenwald diskutiert wurde, brachte Jens Korn ein Frankenwaldzentrum ins Gespräch. Neben den Themen Tourismus und Weiterbildung könnte Korn sich in diesem Zusammenhang auch eine Außenstelle der Hochschule Weihenstephan im Frankenwald vorstellen.


Ansatzpunkte für eine Hochschule

Im Gespräch mit den Vertretern der Hochschule hätten sich zwei Handlungsfelder identifiziert. "Wie kann die mittelständische Wirtschaft den Waldumbau positiv für sich gestalten?", formuliert Jens Korn die erste Fragestellung. Bereits seit Jahren werde der fichtenprägende Wald umgebaut. "Doch inwiefern müssen sich Sägewerke oder Forstwirte umstellen? Und wie können wir diese begleiten?", so Korn weiter.

Der zweite Punkt wurde von Professor Markus Reinke, Vizepräsident der Hochschule, eingebracht: Wie muss der Wald der Zukunft aussehen, um mehr Touristen anzulocken? "Für mich war das eine ganz neue Sichtweise", erklärt Korn.

Am Ende des Gesprächs waren sich beide Seiten einig, dass sie sich eine Zusammenarbeit gut vorstellen könnten. Die Chemie passe einfach. "Nun sind wir an der Reihe: Wir müssen in der Region Themen definieren, die ganz spezifisch auf den Frankenwald zugeschnitten sind", erklärt Rebhan. Bis Ende September sollen weitere Handlungsfelder identifiziert werden. "Dafür sprechen wir unter anderem mit Forstwirten, den Waldbauernvereinigungen und der Wirtschaft", erklärt Korn. Die Hochschule müsse dann schauen, ob sie diese Bereiche mit ihren Kompetenzen abdecken oder eventuell auch neue erschließen kann. Und ob diese Bereiche ein Ansatzpunkt für eine Außenstelle wären.


Alleinstellungsmerkmal schaffen

Ganz wichtig ist sowohl Jens Korn als auch Hans Rebhan, dass es diese Fachrichtungen in der deutschen Hochschullandschaft noch nicht gibt. "Wir wollen etwas Besonderes und Neues schaffen", so der Wallenfelser Bürgermeister. Zudem sei es wichtig, einen Bereich zu wählen, für den man auch Studenten gewinnen kann. Laut Hans Rebhan müssten das pro Semester mindestens zwölf bis 15 Studierende sein: "Wir können nicht einfach etwas aus dem Boden stampfen, wir müssen einen sauberen Prozess durchführen."

Die beiden gingen am Freitag motiviert aus dem Gespräch mit der Hochschulleitung heraus. Ende September werden dann die Verantwortlichen der Hochschule den Weg in den Frankenwald auf sich nehmen, um sich über die definierten Bereiche zu informieren.