Die pflegenden Angehörigen sind der größte Pflegedienstleister in Deutschland. Was kann man machen, um diese zu unterstützen und um Burn-outs bei diesen Menschen zu verhindern? Denn pflegende Angehörige vollbringen eine Leistung, die sie oftmals an ihre physischen und psychischen Grenzen bringt. Um dieses Thema und um Demenz ging es am Freitagabend bei der Präsentation der ersten Ergebnisse des Forschungsprojektes "Bayerischer Demenz Survey" im historischen Rathaus.


Oberfranken besonders betroffen

Mit dabei auch die Geschäftsführer der hiesigen Pflegeorganisationen. Alle lauschten gespannt den Ausführungen des Geschäftsführenden Vorstands des Interdisziplinären Zentrums für Health Technology Assessment und Public Health der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Professor Peter Kolominsky-Rabas.
"Demenz ist die Herausforderung für das
21. Jahrhundert", sagt er. In Deutschland seien derzeit 1,5 Millionen von dieser Krankheit betroffen. Jährlich kommen 300 000 hinzu. In Bayern seien derzeit 221 000 Personen erkrankt, der Anteil der Frauen beträgt 70 Prozent.

Der Professor machte deutlich, dass künftig aufgrund der demografischen Entwicklung und der Tatsache, dass Demenz oftmals erst ab einem Alter von 65 Jahren greift, Oberfranken besonders betroffen sein wird.
Er sei sehr skeptisch, dass gegen diese Krankheit ein Medikament auf dem Markt kommen wird, da die Forschung hierfür mit immensen Kosten verbunden sei.

Auf die Ergebnisse der "Bayerischen Demenz Survey" ging die Projektleiterin Sandra Schaller ein. Sie wies darauf hin, dass bisher bereits 206 pflegende Angehörige befragt worden sind. Sie sprach von spezifischen Bedürfnissen der Pflegenden, deren Alter zwischen 23 und 89 Jahren liege. Rund ein Drittel davon sei erwerbstätig. "Pflegende Angehörige sind unsichtbare Patienten", so ihr Fazit.

Eine Umfrage hätte unter anderem ergeben, dass sich die Pflegenden mehr Informationen über die Krankheit und deren Behandlung sowie mehr Zeit für sich wünschen.

Schaller sprach von der Bedeutung einer Frühdiagnose von Demenz, da hier Medikamente die Krankheit verzögern könnten. Außerdem könnten sich die Angehörige besser darauf einstellen. Für die pflegenden Angehörigen sei es wichtig, dass sie um die vorhandenen Hilfs- und Unterstützungsangebote wissen.

Eingeladen zu dieser Vorstellung hatte MdL Jürgen Baumgärtner. Dieser stellte zu Beginn des Abends klar: "Demenz ist eine Krankheit, die uns alle treffen kann und für es noch keine Heilung gibt." Es sei ihm ein Anliegen, dass alle an Demenz erkrankten Mitbürger bestens in ihrer vertrauten, heimischen Umgebung versorgt werden können.

Er bezeichnete den "Bayerischen Demenz Survey" als eine große Chance, um zu erfahren, wie Menschen mit Demenz in Zukunft besser versorgt werden können.

Der gesundheitspolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, MdL Bernhard Seidenath, wies darauf hin, dass man diese Krankheit durch körperliche und geistige Fitness verzögern könne.

Auf Nachfrage erklärte die Chefärztin der Geriatrie in der Helios-Frankenwaldklinik. Henriette Hönings, dass die Diagnose Demenz etwas sehr Sensibles sei. Denn Gedächtnisstörungen können zahlreiche Ursachen haben.


Leistungsfähigkeit lässt nach

Ein Nachlassen der Merkfähigkeit sei deshalb nicht sofort mit einer Diagnose Demenz gleichzusetzen. Es sollte aber zum Anlass genommen werden, den Arzt aufzusuchen, um die Ursache zu klären. In einem gewissen Umfang sei es völlig normal, dass die geistige Leistungsfähigkeit mit den Jahren nachlässt.

Die Krankheit Demenz werde erst diagnostiziert, wenn alle anderen denkbaren Ursachen, wie beispielsweise Ablagerung in Blutgefäßen, Stress, Suchterkrankungen etc. ausgeschlossen werden können.


"Bayerische Demenz Survey" - Was ist das?


Projekt Dieses Forschungsprojekt soll, so Gesundheitsministerin Melanie Huml, neue Erkenntnisse zur Versorgung von Menschen mit Demenz bringen.

Studie Es handelt sich um die Ergebnisse einer Langzeitstudie von Betroffenen und deren Angehörigen in den Städten Kronach, Erlangen und Dachau.

Ziel Ihr Ziel sei es, Menschen mit Demenz und deren Angehörige zu unterstützen.

Justieren Die Ergebnisse sollen aber auch Aufschluss bringen, wo der Staat noch nachjustieren müsse.
Zeitraum Das Projekt startete 2015 und ist bis 2017 ausgelegt.

Förderung Gefördert wird die Studie mit 560 000 Euro.

Befragungen Insgesamt werden drei Befragungen bei den gleichen Personen durchgeführt. Erfasst werden Daten zum Krankheitsverlauf, dem Versorgungs- und Pflegeaufwand und der Belastung für die pflegenden Angehörigen.

Partner Kooperationspartner sind im Landkreis Kronach, der Caritas-Kreisverband, die Helios-Frankenwaldklinik, die Hausarztpraxis Dr. Wittauer. vs