Ein Chor, der gerade einmal 18 Mitglieder zählt, stellt ein mehr als zweistündiges Bühnenprogramm mit Sketchen, Tänzen, Vorträgen und hochklassiger Live-Musik auf die Beine! Das gibt es nicht? Doch, ist aber wohl sicher einmalig im Landkreis und wahrscheinlich noch weit darüber hinaus!

Traditionell am Altweiber-Fasching lud der evangelische Kirchenchor Kronach auch heuer zu seinem Fasching - und der ging in die 30. Runde. Seit Anbeginn an "vorderster Front" dabei ist Heidi Diller, auch heuer Initiatorin, Organisatorin, Moderatorin und Mitwirkende des närrischen Spektakels - und seit mehr als 20 Jahren "Chormama".

Witze und Sketche

"Unser Fasching war schon immer am Altweiberfasching und fand auch schon immer im evangelischen Gemeindehaus statt. Bei unserem ersten Fasching war noch Horst Kaminski unser Chorleiter", erinnert sie sich.
Auch unter dessen Nachfolgern Sigurd Knopp und - seit 2002 - Marius Popp wurde die Traditions-Veranstaltung beibehalten. "Am Anfang war unser Programm aber nicht so aufwendig wie heute. Es gab kleine Einlagen, Witze und Sketche. Das hat sich im Lauf der Zeit immer mehr gesteigert", erklärt Heidi Diller. Oftmals sei auch das Kronacher Prinzenpaar mit einer Fousanochts-Abordnung zu Gast gewesen. Die kleine Prinzengarde führte immer ihren Gardetanz auf. "Die kleinen Tanzmariechen gingen anschließend nach Hause. Aber die anderen Fousanochtler und das Prinzenpaar sind immer gerne bei uns geblieben, haben mit uns gegessen und weitergefeiert. Ich denke, das hat ihnen immer viel Spaß gemacht", meint die Chormama schmunzelnd.

Wie sie einräumt, sei der Aufwand für die Vorbereitung und Durchführung des Faschings, für den sie hauptverantwortlich ist, immens. Auch heuer machte sie beispielsweise nahezu alle Salate für das große Salatbüfett zum flambierten Schinken selbst und auch die leckere Nachspeise bereitete sie zu. Zudem schmückten sie und ihr Mann den Saal stimmungsvoll.

Hochkarätige "Stargäste"

Zum Jubiläum gab sich gleich eine ganze Reihe hochkarätiger internationaler "Stargäste" die Ehre. Den Anfang machte die Tanzgruppe der Coburger Tanzschule "Move and Dance", die bereits zum dritten Mal beim Chor-Fasching zu Gast war - und zwar auf Vermittlung von Chormitglied Susanne Popp, die auch als Tänzerin mitwirkte. Die 2008 ins Leben gerufene Gruppe entführte dieses Mal zu den Michael Jackson-Klängen von "Remember the Time" ins alte Ägypten. Für Begeisterung sorgte auch Solotanzmariechen Maria Kaiser, die - trotz Erkältung - noch einmal ihren Soloauftritt von den Kronacher Büttenabende zeigte. Sogar Besuch aus Ghana traf ein - in Person von Heidi Drescher, die schon einmal auf den im April in der Kronacher Christuskirche stattfindenden 1. Internationalen Kirchenchor-Wettbewerb einstimmte. Stilecht in afrikanischer Tracht gekleidet, hatte sie nicht nur Insider-Infos aus dem Chorleben, sondern bewies auf ihrer Schlagtrommel beeindruckendes Rhythmus-Gefühl.

Zum Höhepunkt des Abends ging es mit dem Frösche-Chor aus Mailand über, der in einem "Socken-Theater" die Oper Carmen schmetterte. Pfarrer Martin Gundermann und Susanne Popp spielten Loriots genialen Witz, bei dem ein Mann einfach nur rumsitzen will, seine Ehefrau das aber partout nicht verstehen will und ihn schließlich zur Weißglut bringt. Ein musikalisches Highlight setzten Dekanatskantor Marius Popp (Klavier) und dessen Tochter Silvie Popp (Saxofon).

Verhängnisvolle Verwechslung

Durch das Programm führte Heidi Diller. Die hatte selbst die Lacher auf ihrer Seite, als sie die Geschichte "Eine verhängnisvolle Verwechslung" zum Besten gab. Die Erzählung zeigte, was alles passieren kann, wenn man zwei Geschenke verwechselt und die Herzallerliebste - anstelle eines Paars Handschuhe - eine Unterhose bekommt. Die am fantasievollsten kostümierten Gäste bedachte Heidi Diller bei einer Maskenprämierung mit schönen Preisen. Es waren dies "Tiroler" Pfarrerin Susanne Treber, "Zigeunerin" Pfarrer Martin Gundermann, "Ghana-Frau" Heidi Drescher, "Schreiner" Rosa Vießmann sowie "Orientalin" Sabine Völker.