Es dürfte wohl nicht häufig vorkommen, dass eine neue Legislaturperiode in einem Gremium mit einer ökumenischen Andacht beginnt. Das war am Montagabend in Neukenroth der Fall. In der Zecherhalle baten Pfarrer Michael Foltin und sein katholischer Kollege Hans-Michael Dinkel um "Gottes Beistand" für die kommenden sechs Jahre. Im Verlauf der Sitzung wurden zudem Daniel Weißerth (CSU) zum zweiten Bürgermeister und Stefan Häfner (FW) zum weiteren Stellvertreter des Bürgermeisters gewählt. Zum ersten Mal ist in Stockheim die Liste "Bürger für Stockheim" mit drei Gemeinderäten vertreten.

Corona wird Spuren hinterlassen

"Ich habe mich sehr auf diesen Tag gefreut", begrüßte Bürgermeister Rainer Detsch (FW) alle neuen und die wiedergewählten Gemeinderäte. Er sprach von Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Die vergangenen Jahre, so Detsch, seien von wirtschaftlicher Stabilität, steigenden Steuereinnahmen und einer sehr guten Finanzausstattung der Kommunen geprägt gewesen. Diese Situation habe sich geändert. "Corona wird Spuren in den kommunalen Finanzen hinterlassen!"

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass Entscheidungen im Gemeinderat ganz unmittelbar die Lebensverhältnisse der Menschen vor Ort betreffen. Umso größer wiege die Verantwortung, die ein Gremium innehabe. Dabei sei es nicht immer leicht, allen gerecht zu werden. Er hoffe auf eine weitsichtige, zukunftsorientierte Kommunalpolitik, die individuell erarbeitet und entwickelt werde. Denn: "Was in einer Gemeinde funktioniert, muss noch lange nicht in einer anderen Gemeinde funktionieren."

Er sprach von einem "gesetzten Rahmen", den es einzuhalten gelte. Dazu zählen nicht über die eigenen Verhältnisse zu leben, eine stabile Haushaltspolitik, die Fortsetzung des Schuldenabbaus, der Ausbau der Infrastruktur bei größtmöglicher Ausnutzung von Fördermitteln und eine sinnstiftende Projektentwicklung unter Einbeziehung des bürgerschaftlichen Engagements.

Pfarrer Michael Foltin appellierte an die Gemeinderäte, bei der Ausführung ihrer Ämter auf die Kraftquelle Gottes zu vertrauen. Sie sollten die Balance finden zwischen Bewahrung des Bewährten und Erneuerung, zwischen dem Allgemeinwohl und dem Verzicht. Ihr Amt werde Entscheidungen verlangen. Je mehr Alternativen es gebe, desto schwieriger können diese werden. Auf die Corona-Krise eingehend meinte Foltin, dass diese mit Chancen verbunden sein könnte. Und: "Corona ist nicht nur ein Betriebsunfall, sondern eine harte Schule." Vielleicht sei diese Krise auch mit einer Abkehr von Bestrebungen wie immer mehr Hektik, Perfektionismus oder Gewinnorientierung verbunden. Vor der Vereidigung der neuen Gemeinderäte äußerte Detsch seine Hoffnung auf eine offene und freundliche Zusammenarbeit, die von gegenseitigem Vertrauen und Respekt geprägt sein müsse.

Bei den Wahlen der Stellvertreter des Bürgermeisters wurde Daniel Weißerth (CSU) mit 20 Ja-Stimmen und einer Enthaltung das Vertrauen ausgesprochen. Bei der Wahl des dritten Bürgermeisters konnte sich Stefan Häfner (FW) gegen seine beiden Mitbewerber Daniel Wachter (Bürger für Stockheim) und Jörg Roth (SPD) mit 12:5:3 Stimmen bei einer Enthaltung durchsetzen. Die beiden Stellvertreter des Bürgermeisters bedankten sich für das Vertrauen. Beide betonten, dass sie ihre Ämter gerne ausführen werden.

Unter dem Punkt "Sonstiges" wies Geschäftsleiter Rainer Förtsch darauf hin, dass am 4. Juni um 19 Uhr im Wolferdorfer Feuerwehrgerätehaus die Wahl des Ortssprechers stattfinden wird. Hedwig Klinger (FW) bedankte sich bei den Mitarbeitern des Bauhofes, die "schnell" das Karussell im Haiger Spielplatz anbrachten.

Dürfen Fußballklubs trainieren?

Jürgen Weißerth (CSU) wies darauf hin, dass laut Bayerischem Fußballverband ein individueller Trainingsbetrieb in Kleingruppen wieder zugelassen sei. Allerdings müsse die Gemeinde die Erlaubnis erteilen. Der Bürgermeister bat um Geduld. Er sprach von der Erstellung eines Konzepts und davon, dass man sich in diesem Punkt innerhalb des Landkreises abstimmen sollte. Denn eines sei klar: "Wir wollen kein Hotspot werden!"

Joachim Ranzenberger (CSU) bat um festgesetzte Sitzungstermine und Reiner Ebert (SPD) forderte das Gremium auf, über die Einberufung eines Seniorenbeauftragten nachzudenken.

Fraktionsvorsitzende und "Neue"

Geführt werden die Fraktionen von folgenden Mitgliedern: CSU: Dirk Raupach (Vertreter: Joachim Ranzenberger), SPD: Jörg Roth; FW: Rudolf Jaros (Stefan Häfner), BFS: Daniel Wachter (Renald Steger).

Neu ins Gremium wurden gewählt: Heiko Buckreus, Renald Steger (BFS); Jürgen Weißerth, Christof Daum, Gunter Dressel (CSU); Dirk Kreul, Elisabeth Baierlein (FW).