Der Kronacher hatte seine jüngste Verurteilung abgesessen - und das mehr oder weniger sogar freiwillig, war er doch eigentlich "nur" zu einer Geldstrafe wegen einer anderen Straftat verurteilt worden. Das Geld wollte er sich wohl sparen beziehungsweise konnte er dieses vielleicht auch nicht aufbringen. Jedenfalls hatte er den Gefängnisaufenthalt vorgezogen. Beinahe wäre es nur ein kurzes Gastspiel in der Freiheit geworden, forderte doch Staatsanwalt Thorsten Vey in seinem Plädoyer eine Haftstrafe von sechs Monaten.

"Ich kann bei Ihnen keine günstige Sozialprognose sehen. Sie haben keine Arbeit und ein unbehandeltes Drogenproblem. Von Geldstrafen haben Sie sich bislang nicht beeindrucken lassen. Ich befürchte erneute Straftaten", fand Vey deutliche Worte.

Der schon mehrfach - auch einschlägig - vorbestrafte Hartz-IV-Empfänger war von einer Bekannten bei deren eigener Vernehmung "verpfiffen" worden. Demzufolge hatte der arbeitssuchende Mann im vergangenen Herbst und Winter fünf Mal jeweils ein halbes Gramm Crystal zu je 50 Euro gekauft sowie im Februar 2012 eine kleinere Mange Marihuana zum Preis zwischen 20 und 30 Euro.

"Ich kann mich an diese Zeit nicht mehr so recht erinnern", druckste der Mann erst etwas herum, um dann doch die Straftaten einzuräumen: "Das war für den Eigenkonsum. Ich konsumiere schon seit 13 Jahren", gab er schließlich unumwunden zu.
Vor einiger Zeit habe er schon einmal eine Therapie angefangen, die Entgiftung jedoch aus persönlichen Gründen wieder abgebrochen. Die Polizeisachbearbeiterin sagte vor Gericht aus, dass der Angeklagte in der Szene bekannt, aber nur ein "kleines Licht" sei.

Bewährung im Nacken


"Ich verstehe nicht, warum ich keine Bewährung erhalten soll, ich hatte doch noch nie eine", war der ohne Verteidiger erschienene Angeklagte in seinem "Schlusswort" verwundert. Richterin Claudia Weilmünster beließ es dann auch bei einer Bewährungsstrafe. Doch auch sie hegte Zweifel, ob es nicht wieder zu einem unliebsamen "Wiedersehen" vor Gericht kommen könnte. "Ich gebe Ihnen diese Chance. Sie haben jetzt aber diese Bewährungsstrafe im Nacken", redete sie ihm ins Gewissen.

Es gab nicht nur die Bewährungsstrafe, denn der Mann muss 100 Sozialstunden innerhalb eines halben Jahres leisten. Zudem wird er einem Bewährungshelfer unterstellt. Da sowohl er als auch die Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.