Eigentlich war das Ziel erreicht. Mit Einkaufstüten voller Lebensmittel schlenderten die Kunden fröhlich aus dem Supermarkt. Das Problem: nur kurze Zeit später auch aus dem schweizer Einkaufszentrum in dem sich das Geschäft befindet - marktwirtschaftlich wohl eher suboptimal. "Um weiter einkaufen zu können, müssen sie die Hände frei haben. Doch die Kunden wussten nicht, wo sie ihre Taschen unterstellen sollten", erklärt Katja Müller-Detsch, Pressesprecherin der Firma Sitec. Die hitzeanfälligen Lebensmittel waren ein weiterer Grund, die Heimreise ohne einen Umweg durch weitere Geschäfte anzutreten.


Kühle Brise für Lebensmittel

2007 fragten die Eidgenossen bei dem Hummendorfer Unternehmen an, ob dieses nicht eine Lösung für das Problem hat. Hatte es nicht. Noch nicht. Die auf Sicherheitstechnik spezialisierte Firma produziert über ihr Tochterunternehmen LockTec auch Schließfächer, wie sie etwa an Bahnhöfen zu finden sind. Gekühlte Boxen waren im Sortiment aber nicht zu finden, doch die Schweizer hatten die Entwickler des Unternehmens auf eine Idee gebracht.

Erste Testphasen und einige Monate später umwehte die Lebensmittel im Einkaufszentrum eine kühle Brise, während dessen Besitzer noch einmal in einem anderen Laden ihre Geldbörse zücken durften. "Wir sind auf diesem Gebiet Vorreiter und haben mehrere Patente", sagt Müller-Detsch.

Inzwischen wird in Hummendorf bereits die dritte Generation gekühlter Schließfächer gebaut. Gerade an der Kühltechnologie habe sich einiges getan. "Die ist sehr ausgeklügelt und innovativ", sagt die Sitec-Pressesprecherin. Mit den ersten Geräten seien die aktuellen fast schon nicht mehr vergleichbar. "Auch das ganze Äußere sieht witziger und flotter aus."


Vier Gerätetypen

Vier Gerätetypen bieten die Hummendorfer ihren Kunden an: ungekühlt, gekühlt (2 bis 10 Grad Celsius), tiefgekühlt (-2 bis -20) oder mit einer Gebläsefunktion, die je nach Jahreszeit heizen oder kühlen kann. "Das ist zum Beispiel für Farben wichtig, die bei einer gewissen Temperatur gelagert werden müssen, um sofort einsatzbereit zu sein", sagt Müller-Detsch.

So könne ein Handwerker etwa ein Produkt bestellen und es vom Hersteller aus einem Schließfach auf dessen Parkplatz abholen, obwohl die Öffnungszeiten längst vorbei sind. "Für einen mittelständischen Betrieb wie den Metzger um die Ecke kann das ein Wettbewerbsvorteil gegenüber einem größeren Supermarkt sein", ist die Pressesprecherin überzeugt. So könne kompensiert werden, dass etwa nicht genügend Personal zur Verfügung steht, um bis in die späten Abendstunden zu öffnen.


Kombinierbare Module

Während die doppelflügeligen Kühlschließfächer auch an verschiedenen Stellen in Frankreich und Australien zu finden sind, tauchten sie ausgerechnet in Deutschland noch nicht auf. Bis jetzt. Ein Metzger aus Rheinland-Pfalz wagte den Versuch und bietet seinen Kunden den Service an, Fleisch- und Wurstwaren abzuholen, wenn es in deren Terminkalender am besten passt. "Viele haben auch gar nicht den Platz, größere Mengen Fleisch bei sich im Kühlschrank aufzubewahren und holen es zum Beispiel einfach erst an dem Tag ab, an dem sie grillen möchten", sagt Müller-Detsch. Rund 25 000 Euro koste eine Anlage, "die sich lohnt". Aber der Preis hänge natürlich auch von der Art des Auftrags ab - welche der Kühloptionen gewählt wird. Miteinander kombinierbar seien sie alle, da es sich um unterschiedliche Module handele.

Ein Standard-Schrank mit zehn Fächern ist rund 1,3 Meter breit, zwei Meter hoch und 77 Zentimeter tief. Die Fächer kommen auf eine Breite von 49 Zentimetern. Platz genug, um Waren der unterschiedlichsten Art unterzubringen. LockTec setze daher nicht nur auf Supermärkte, Metzgereien oder Apotheken, sondern auch auf Online-Händler, die somit nur eine kleine Stellfläche anmieten müssten.