Er hat auf eine Freundin mit einem Schraubenzieher eingestochen, sie an den Haaren durch die Wohnung geschleift, sie geschlagen und eingesperrt. Damit nicht genug: Auch gegen zwei Festnahmen durch die Polizei hat er sich heftig gewehrt und Beamte dabei verletzt.

Die Quittung dafür erhielt ein 22-Jähriger am Mittwoch vor dem Schöffengericht Kronach: drei Jahre Haft ohne Bewährung. Mindestens 24 Monate davon wird er in einer Entziehungsanstalt untergebracht, um von Alkohol und Drogen wegzukommen, denn die Taten hatte er im Suff oder wenn er Drogen eingeworfen bzw. "Kräuter" geraucht hatte, begangen. Der Rest kann laut dem Urteil von Richterin Claudia Weilmünster und ihrer zwei Schöffinnen zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn die Therapie erfolgreich verläuft. Bereits im Alter von 13 Jahren kam der Angeklagte mit Alkohol in Kontakt, mit 17 nahm er bereits Drogen.

Seit Ende Februar saß der Angeklagte in Kronach in Untersuchungshaft, seit August war er im Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Dorthin brachten ihn zwei Beamte nach der Urteilsverkündung auch wieder zurück - und legten ihm vorsichtshalber vorher die Handschellen wieder an, die sie ihm erst im Gerichtssaal abgenommen hatten.
Staatsanwalt Philipp Karr verlas eine mehrseitige Anklageschrift. Was darin stand, war ziemlich starker Tobak: Zweimal hatte sich der Angeklagte einer Fesselung durch Polizeibeamte heftig widersetzt, nach diesen getreten und sie beleidigt, obwohl er einschlägige Erfahrungen gemacht hatte, dass es im Endeffekt nichts bringt, sich gegen mehrere Beamte zu wehren. Zweimal hatte er eine Freundin mit Schlägen verletzt, einmal sogar mit einem Schraubenzieher auf sie eingestochen.

Einschlägige Erfahrungen hatte der jungen Mann deshalb, weil er schon mehrfach wegen Körperverletzung sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt worden war. Die vier Taten, die ihm der Staatsanwalt zur Last legte, wurden dazu noch unter Bewährung begangen.


Randale bei der Polizei

Eine der Taten geschah am späten Abend des 16. Juli 2013 im Fortgang einer tätlichen Auseinandersetzung im Kronacher Landesgartenschaugelände. Von dort wurde der junge Mann in die Polizeiinspektion Kronach gebracht, wo er immer aggressiver wurde. Im Vorraum zum Dienstgruppenleiterzimmer randalierte der mit einer Hand an einer Halterung fixierte 22-Jährige und versuchte, sich zuerst mit dem T-Shirt und dann mit der Unterhose zu strangulieren. Beides nahmen ihm die Polizisten weg. Daraufhin urinierte der junge Mann in diesem Zimmer, verrichtete seine Notdurft und warf den Kot in weitere Räume der Dienststelle. Drei Beamte hatten viel Mühe, den Mann zu fesseln, weil der sich mit Leibeskräften wehrte. Weil er immer wieder Suizidgedanken äußerte, wurde der Angeklagte später in der Bezirksklinik Kutzenberg untergebracht, wo man einen Alkoholwert von 1,64 Promille feststellte.

Ähnlich aggressiv verlief eine Durchsuchung des Angeklagten im Nürnberger Bahnhof, wo er sich durch das Hantieren mit einem Tütchen "Kräutermischung" verdächtig gemacht hatte. Auch da wehrte er sich nach Leibeskräften. Einzige Ausnahme zum Kronacher Fall: Er verunreinigte die Dienststelle nicht mit seinen Fäkalien, hatte aber fast genau so viel Alkohol intus.

Dann kamen die beiden Fälle zur Sprache, bei denen eine Freundin zum Teil erheblich verletzt wurde. Am 30. Juli 2013 versetzte er ihr am LGS-Gelände einen Stoß mit dem Ellbogen und zwei Faustschläge ins Gesicht. In der Nacht zum 27. Februar 2014 schlug er die junge Frau in seiner Wohnung mit Fäusten ins Gesicht, zog sie an den Haaren durch die Wohnung, die er versperrt hatte, um sie an der Flucht zu hindern. Dann würgte er sie und stach mit einem Schraubenzieher auf sie ein. Seit dieser Tat saß er in Haft. Sachverständiger Thomas Lippert hatte weder Hinweise auf eine dauerhafte psychische Störung, noch Hirnschäden oder eine intellektuelle Minderbegabung festgestellt. Mehrfach war der Angeklagte in Kutzenberg gewesen, weil er zu viele "Kräuter" geraucht und "Stimmen im Kopf" gehört hatte.

"Es tut mir leid, was ich gemacht habe", beteuerte der Angeklagte in seinem Schlusswort. "Ich war zu besoffen und auf Drogen." Durch sein umfassendes Geständnis hatte er der Freundin die Aussage vor Gericht erspart. Das Urteil nahm er sofort an.