Jahr für Jahr überlegen sich die Verantwortlichen der Neuseser Kirchweih, wie sie das Fest um weitere Nuancen ergänzen können. Das gelang ihnen auch heuer wieder bestens. Zwei große Höhepunkte waren - als echter Dauerbrenner der Kerwa - das beliebte Schleppertreffen mit großer Schauparade sowie ein besonderer Gast, der bei der Kerwa erstmals seine Aufwartung machte.

Alleinunterhalter Rainer Lohr gab beim Stimmungsabend gerade einen Hit nach dem anderen zum Besten, als auf einmal ein ganz besonderer Gast die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zog. Mit Spannung schaute alles auf den Mann, der sich samt Heiligenschein zur feiernden Menge gesellte und seinen Platz am Podium einnahm. Viele Jahre hatte er sich im Flößerdorf nicht mehr blicken lassen: Der "Flößer im Himmel", der einst vor über 20 Jahren alljährlich das Flößerbrunnenfest besucht hatte.


Besuch hat seine Gründe

Für seinen Besuch gebe es, so der "Hannla" (Hans Schrepfer), als er seinem Flößerkollegen Andreas Grune sein Leid klagte - eine Reihe von Gründen; insbesondere aber die Neusicher Lieblingsnachbarn, sprich die Kreisstädter. Der Weg nach Neuses sei gar nicht so einfach zu finden gewesen. Der alte Kirchweg von Kronach nach Neuses sei viel breiter geworden und auf einmal sei es dreimal im "Graas" herumgegangen. Glücklicherweise sei er von der Polizei aufgegriffen worden, die ihm erklärt habe, dass es sich dabei um einen Kreisel handele. Ein normaler Kreiselverkehr könne dies allerdings nicht sein, denn wer baue schon fünf Jahre an einem Kreisel, der dann noch immer nicht fertig sei, sinnierte der göttliche Abgesandte "Das ist eine Staatsbaustelle. Jetzt weiß ich, warum die DDR untergegangen ist", wetterte Hannla. Die Polizei habe ihn freundlicherweise am Friedhof abgesetzt, wo sich "Mordstrümmer Dreckhäufen" befänden - wohl für die Autobahn nach Lichtenfels, die so in circa 40, 50 Jahren fertig sein werde.

"Mit den Kronichern hält man es einfach nicht mehr aus", kam er schnell auf den wichtigsten Grund seines Besuches zurück. Mit dem Geld, das die Neuseser bezahlten, könnte man glatt die Gehsteigkanten in Neuses vergolden. Die Wahrheit sehe aber anders aus. Während die Kronacher ständig "neua Pföztla" hätten, sei die Frankenstraße in Neuses nur noch unter Lebensgefahr zu begehen und zu befahren. Letzthin sei sogar ein Rollatorfahrer in die Löcher gefallen. "Wir wolln unne Zeuch wieder alaa mach. Auf die Neusicher Freiheit", rief er ins Publikum.

In Neuses selbst habe sich viel verändert - zum Guten wie zum Schlechten. Einerseits wachse und gedeihe die Wirtschaft. Firmen siedelten sich an und vergrößerten sich. Andererseits sei in Neuses die "Katz gfreggt". Fast alle Wirtschaften hätten dicht gemacht oder wegen Reichtums geschlossen.


Stadträte im Wandel

Die beiden Neuseser Stadträte seien "mal su und mal su". Michael Zwingmann sei einmal so beleibt, dass er kaum auf der Straße laufen könnte, dann wieder dünn wie ein Spreißel. Winfried Lebok sei auf dem besten Weg, in sein Amt "reinzuwachsen", seine Nase sei nämlich schon deutlich größer geworden.

Die "mutwillige" Neuseser Feuerwehr sei jetzt ein vornehmer Haufen, sogar mit eigenem Kirchweih-Bier, das er natürlich sofort testete. Als er dann mit den beiden Flößern Andreas Grune und Fred Blinzler das Flößerlied anstimmte, hatten sich plötzlich wieder alle lieb. Das Publikum tobte.

Gerade ging es noch recht beschaulich auf der Kerwa in Neuses zu, bei der am Sonntagnachmittag eine Vielzahl auf Hochglanz polierter Schlepper, Motorräder sowie andere Fahrzeuge Seite an Seite in der Sonne glänzten. Doch mit dieser Ruhe war es auf einen Schlag vorbei, als die stolzen Besitzer ihre Oldies für die Schauparade durch die Straßen von Neuses vorbereiteten. Ein Motor nach dem anderen erwachte mit seinem charakteristischen Tuckern zum Leben.

Auch in diesem Jahr hatten wieder viele echte Raritäten den Weg nach Neuses gefunden, so beispielsweise ein Normag Zweitakter-Dieselmotor von Gerolf Sauerwein aus Johannisthal. "Der Schlepper ist 61 Jahre alt. Ich habe ihn 1955 gekauft. Das sind noch seine ersten Reifen", erklärte der stolze Besitzer.

Ein echtes Schmuckstück war auch der Ferguson 35 Spezial, Baujahr 1957, von Arno Schamberger. "Mein Vater hat ihn damals zum Preis von 11 000 D-Mark gekauft. Heute ist er um ein Vielfaches mehr wert", freute sich der Weißenbrunner. Der Schlepper wurde von den beiden Söhnen von Arno Schamberger von 2011 bis 2015 aufwändig renoviert.


Kerwa in Kürze

Unter dem Motto "Gemeinsam beten und feiern" begingen die Neuseser ihre 83. Kerwa. Hauptverantwortlich für die Ausrichtung zeichnete wieder die Feuerwehr Neuses mit ihrem Vorsitzenden Michael Zwingmann und seinem Stellvertreter Roland Schedel.

Im Rahmen des Kirchweihtanzes erfolgte die Ehrung der besten Teilnehmer des Neuseser Vereinsschießens. Die Gewinner sind im Mannschaftsschießen: 1. Dream Team II (Wolfgang Heller, Stefan Schedel, Hans-Werner Heller, Vivian Höll), 2. Dream Team I (Daniel Heller, Gerhard Heller, Thomas Heller, Andreas Heller), 3. SVN Fußball (Andre Türkis, Peter Seubold, Andreas Fiedler, Nils Mytzka); Königsschuss: 1. Bärbel Ruppert (Schützenkönigin), 2. Rainer Fiedler, 3. Timo Stumpf.