Es herrscht Stille im Weißen Saal des Mitwitzer Wasserschloss. Die Blicke wandern über den Bühnenbereich. Die Eingangstür wird geschlossen. Erwartung und Vorfreude ist den knapp 40 Gästen ins Gesicht geschrieben. Es kann sich nur noch um Sekunden handeln, dann wird die neue Saison unter dem Namen "Jubiläumsklänge" eröffnet.
Und schon wird auch schon die Tür aufgestoßen. Es knallt. Ein Mann mit erhobenem Haupt und steifem Gang schreitet in den Raum. Sein Instrument, weit weg vom Körper mit durchgestrecktem Arm gehalten, ragt in die Höhe empor. Dicht gefolgt von einer Frau, die eher missmutig mit ihrem Cello Platz nimmt. Sie beginnen zu spielen und die Geige gibt, zur Enttäuschung der Cellistin, den Ton an. Ein Einstieg, der für die Cellisten Joanna Sachryn ganz und gar nicht erfreulich ist.
"So war es für alle Cellisten bis Mitte des 18.
Jahrhunderts", unterbricht Walter Schreiber, der Mann mit der Geige, den schauspielerischen Einstieg in das Konzert. Und weil es dem großen Komponisten Johann Sebastian Bach zu verdanken sei, dass das Cello endlich nicht mehr im Dunkel der Begleitung und im Schatten der Violine stehe, nahm das Konzert für Joanna Sachryn die ausschlaggebende Wendung und für das Publikum einen atemberaubenden Lauf.
"Mit der Suite Nr. 3 C-Dur für Cello Solo öffnete sich ein Universum" leitete Walter Schreiber das erstes Solostück ein. "Ein fulminantes Klanggefüge, welches der Geige in keiner Weise nachstand", fügte Joanna Sachryn hinzu und versprach nicht zu viel. "Das gibt es ja nicht", platzt es aus dem Publikum von einer Besucherin heraus, die ihre Bewunderung nach dem letzten Strich nicht halten konnte. "Das ist das schönste Kompliment. Denn das gibt es", dankte die Künstlerin angetan und überließ das Wort an Walter Schreiber, der von da an zwischen den Werken mit Erzählungen aus dem Leben eines Cellos die Gäste entzückte.
Unter dem Motto "Cello auf Abwegen" zeigte die internationale Meistercellistin Joanna Sachryn im Laufe des Konzertes ihrem Publikum unerwartete Abwege und besonders gefühlvolle Melodien. Von Komponisten wie Hans Werner Henze, Gaspar Cassado, Peteris Vasks, Benjamin Britten bis zu Grazyna Basewicz wurden die Gäste mit ausgewähltem Programm verwöhnt und nahmen die Einladung an, sich voll und ganz in privater Atmosphäre dem ausdrucksvollen Cellospiel hinzugeben. Als Zugabe, kam dann auch Violinist Walter Schreiber zum Einsatz. Ein ebenbürtiges Ende der beiden Musiker auf hochprofessionellem und meisterhaftem Niveau.
"Kleine Konzertlieblinge", so versprach Kreiskulturreferentin Gisela Lang, würden in den nächsten Monaten der Mitwitzer Schlosskonzerte folgen. Dabei hofft Lang auf noch mehr Besucher: "Es ist nie ein Fehler, vorbeizukommen in diesem wunderschönen Raum mit wunderschöner Atmosphäre." Denn zwei Konzerte folgen noch in dieser Saison: "Meisterwerke des Klaviertrio" am 17. Juli sowie "America!" am 14. August.