Kaffee, Cola und vielleicht eine Kiste Bier - Standard-Ausstattung im Bus für Dieter Martin, als er vor über 30 Jahren seinen Dienst im Familienunternehmen Martin-Reisen in Pressig antrat. Doch diese Waren standen keineswegs den Fahrgästen im Bus zur Verfügung, sie dienten als kleine "Gastgeschenke", sollte es an den Grenzen mal wieder etwas länger dauern.

Dass man vor allem an den osteuropäischen Grenzen dem Wohlwollen (und dem Durst) der Grenzbeamten ausgeliefert war, ist heute kaum vorstellbar. Das Schengen-Abkommen von 1985, das zehn Jahre später in Kraft trat, ermöglicht Bürgern, ohne lange Staus an den Grenzen und zeitintensive Passkontrollen innerhalb des Schengen-Raums zu reisen. Im Gespräch erinnert sich Dieter Martin an die Zeiten vor Schengen - und erzählt, was an der heutigen Situation besonders schätzt.

Hintergrund: Ein Europa (fast) ohne Grenzkontrollen

Abkommen Das Schengen-Abkommen ist ein zentraler Baustein des vereinten Europas: Die Mitgliedsstaaten erlauben ihren Bürgern das freie Reisen durch große Teile des Kontinents, ohne dass sie wie früher an den Grenzen ihre Pässe zeigen müssen.

Name Das Abkommen wurde nach dem Unterzeichnungsort benannt: die kleine Gemeinde Schengen in Luxemburg. Das erste Abkommen wurde 1985 unterschrieben, um den europäischen Binnenmarkt voranzutreiben, seither wurde es mehrfach modifiziert. 1995 trat es in Kraft.

Mitglieder Insgesamt sind 26 Staaten Teil des sogenannten "Schengen-Raums." Von den EU-Mitgliedern haben sich nur Großbritannien und Irland gegen einen Beitritt entschieden. Mit Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz gehören auch vier Nicht-EU-Mitglieder dazu.

Ausnahmen Ein Schengen-Land kann bei "einer schwerwiegenden Bedrohung der öffentlichen Ordnung oder inneren Sicherheit" Passkontrollen an den Grenzen zu anderen Schengen-Staaten vorübergehend wieder einführen. Deutschland kontrolliert seine Grenze zu Österreich seit Herbst 2015. Seit der Flüchtlingswelle in den Jahren 2015 und 2016 debattiert die EU über eine Reform der Schengen-Regeln.