"Das ist eines der schwersten Stücke der Chorliteratur überhaupt", sagt Dekanatskantor Marius Popp über Bachs h-Moll-Messe. Trotzdem nimmt er sich ihrer an - mit dem Dekanats-Chor Kronach, Mitgliedern des Süddeutschen Ärztechores, dem Ansbacher Kammerorchester, den Ansbacher Hoftrompetern sowie Solisten.
Am 21. März 2015 jährte sich Johann Sebastian Bachs Geburtstag zum 330. Mal - ein guter Grund, um dieses Meisterwerk aufzuführen. Der Dekanatskantor und seine Sänger sind sich der Herausforderung bewusst. Bei der Probe am vergangenen Mittwoch wurden vor allem noch einmal besonders kritische Stellen eingeübt.
"Die Messe hat technisch viele Raffinessen", weiß Popp. Im Gegensatz zu vielen anderen Oratorien Bachs liege der Schwerpunkt nicht in den Arien, sondern in den anspruchsvollen Chorsätzen. Aufgrund der vielen polyphonischen Teile müsse der Chor sehr ton- und sprungsicher sein. Die Sprünge in den rhythmischen Figuren seien schwer. Hinzu komme, dass der Chor sehr viel zu singen habe: rund zwei Drittel des gut eineinhalbstündigen Werks. Mit dem von ihm 2003 gegründeten Dekanats-Chor hat Popp schon viele klassische Werke aufgeführt. Die h-Moll-Messe war die logische Konsequenz.


Zuletzt vor 50 Jahren aufgeführt

"Wollt ihr Musik machen oder wie ein Panzer durchrauschen?", tadelt Popp seinen Chor, der seiner Meinung nach die Noten "runterschrubbt". Die Qualität ist ihm ein Herzensanliegen. Nicht zuletzt deshalb, weil diese Messe im Landkreis zuletzt vor rund 50 Jahren gesungen wurde - damals unter der Leitung von Heiner Murmann.

Bachs Messe h-Moll ist eine der populärsten Kompositionen des 18. Jahrhunderts. Sie steckt voller Rätsel, da sie nicht homogen ist. Tatsächlich hat der Komponist sie über Jahrzehnte hinweg Stück für Stück vervollständigt - mal durch eine Neukomposition, mal durch die Abwandlung eines anderen Werks. 1733 schuf Bach das Kyrie und das Gloria. Erst in seinen letzten Lebensjahren - zwischen August 1748 und Oktober 1749 - ergänzte er die Messe zu einer vollständigen, fünfteiligen Ordinariums-Vertonung. Hierbei griff er auf Sätze aus eigenen Kantaten zurück, die er umarbeitete. Bach selbst hat wahrscheinlich sein Werk als Ganzes nie gehört. Warum er sie unbedingt vollenden wollte, bleibt ungeklärt. "Vielleicht erhielt er eine Eingebung von oben - ein Signal zur Vollendung", überlegt Popp. Das Werk war zum Todeszeitpunkt von Bach am 28. Juli 1750 zwar fertiggestellt, doch fehlte eine letzte Revision für einen aufführbaren Zustand. Sein Sohn, Carl Philipp Emanuel Bach, war es, der die Handschrift nicht nur verwahrte, sondern sich aktiv um deren Verbreitung kümmerte und das Credo am 9. April 1768 in einem Benefizkonzert aufführte.

Für das musikalische Highlight konnte Popp hochklassige Solisten gewinnen. Sehr freut er sich auch über die Mitwirkung des Ansbacher Kammerorchesters sowie der Ansbacher Hoftrompeter. In der kommenden Woche wird er mit dem Chor für eine gemeinsame Orchester-Probe nach Ansbach reisen. Einen Tag vor der Aufführung findet eine Chor-Tutti-Probe statt sowie am Sonntag erstmals eine Probe mit den Solisten.