Beim Blick aus dem Fenster rieb sich am Mittwochmorgen so mancher die Augen. Auf der anderen Seite der Scheibe war es weiß. Nicht nur am Rennsteig, sondern sogar auf dem Kronacher Kreuzberg hatte sich eine Schneedecke über die Flur gelegt. Sollte das schon der frühe Startschuss für einen langen, heftigen Winter sein? Wahrscheinlich nicht. Zumindest noch nicht, sind sich die Leute einig, die sich täglich mit dem Wetter auseinandersetzen müssen.

"2009 waren wir am 13. Oktober zum ersten Mal im Einsatz, also noch einen Tag früher", erinnert sich Joachim Martin von der Kronacher Straßenmeisterei. Nicht nur er hat Schneefälle in der ersten Oktoberhälfte im Gedächtnis. Auch der Lauensteiner Hermann Henniger hält diese Situation im Frankenwald für nichts Ungewöhnliches. "Es hat schon öfter im Oktober geschneit", sagt der Wetterbeobachter, der seit 26 Jahren für den Deutschen Wetterdienst (DWD) im Einsatz ist. Da er die Wetterberichte verfolgt hat, wurde er von der weißen Pracht nicht überrascht. "Es hat sich angedeutet", erklärt er.

Für Henniger bedeutete der jüngste Schneefall, dass er auch die Höhe - um 7.50 Uhr waren es acht Zentimeter - und sogar das Gewicht des Schnees messen musste. "Vom 1. Oktober bis zum 30. April muss man melden, ob Schnee gefallen ist", beschreibt er die Anforderungen des DWD an die Wetterbeobachter.

Dass sich die ersten Flocken heuer schon relativ früh sehen ließen, macht Henniger nichts aus. "Mir ist das egal. Es ist doch auch schön, wenn man Schnee hat", stellt er fest. Und die Natur brauche momentan dringend Wasser. "Der Boden ist ja salztrocken."


Ein Gefahrenherd

Was für das Erdreich ein Segen ist, kann auf der Straße schnell zu einem Gefahrenherd werden. Doch die erste verschneite Nacht ist glimpflich verlaufen. Die Polizeiinspektion Ludwigsstadt sprach am Mittwochvormittag jedenfalls von einer ruhigen Verkehrslage. Wie alle Jahre seien zu dieser Zeit zwar noch Fahrzeuge mit Sommerreifen unterwegs, doch passiert sei noch nichts. Gegen 11 Uhr seien die Straßen zudem wieder weitgehend frei gewesen. Nur dort, wo wenige Fahrzeuge vorbeikämen, hätten zu diesem Zeitpunkt noch zwei bis drei Zentimeter Schnee gelegen.

Dass die Straßen schnell wieder frei und sicher waren, lag zum einen am stellenweise zügigen Abtauen der weißen Pracht, zum anderen aber auch am Einsatz der Winterdienste. Straßenmeister Joachim Martin stellt beispielsweise fest, dass seine Leute mit drei Fahrzeugen unterwegs waren, da von den Höhenlagen des Frankenwaldes Schneematsch auf den Straßen gemeldet worden war. Da es aber am Donnerstag schon wieder etwas wärmer werden soll, hält er den Schneefall vom Mittwoch für ein kurzes Intermezzo.

So sieht das auch Hermann Henniger. "Ich denke, dass der Schnee weggeht und es nochmal etwas wärmer wird", meint der Wetterbeobachter. "Ich glaube, es wird dann zwei bis drei Wochen dauern, bis es wieder schneit - aber das ist reines Bauchgefühl. Sicher sagen kann ich das nicht."