Innovativ sein will gelernt sein. Und am besten lernt sich eine solche Grundeinstellung im Miteinander. Davon ist nicht nur Hendrik Montag-Schwappacher beim Verein In no vations-Zentrum Region Kronach überzeugt. Er nimmt seit 2. Januar 2014 als Geschäftsführer eine zentrale Rolle dabei ein, die Offenheit für das Thema "Innovation" im Frankenwald noch stärker zu wecken und die Beteiligten an einen Tisch zu bekommen. Im Interview beschreibt er, was ihn an dieser Herausforderung reizt.

Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?
Hendrik Montag-Schwappacher: Meine Arbeitsbiografie hatte teils sehr gegensätzliche Elemente. Ich habe beispielsweise Germanistik studiert und währenddessen als Programmierer gearbeitet. Daher kann ich mit dem Unkonkreten der Geisteswissenschaften umgehen, aber ich kenne auch die technologische Seite.

Wie kamen Sie dann zu ihrem Posten ausgerechnet in Kronach?
Meine Frau und ich sind nach einem fünfjährigen Kalifornien-Aufenthalt in den Landkreis Kronach gekommen. Hier ist meine Frau geboren. Wir haben so den Blick von außen mitgebracht. Dieser Blick und dazu der Umgang mit Technologie sowie die Arbeit mit Text und Kommunikation - ich glaube, darum geht's bei diesem Job. Ich selbst habe im Frankenwald einen Ort gefunden, an dem ich mich wohlfühle. Wichtig war auch: Wir sind erst hierher gezogen, dann habe ich mir Arbeit gesucht.

Was ist das Reizvolle an diesem Job?
Mich reizt an der Aufgabe, dass sie im Entstehen geformt wird. Es gibt ein Leitbild, einen Drei-Stufen-Plan: Unternehmen vernetzen, einen Studiengang einrichten und eine Aufbruchstimmung herbeiführen. Aus dieser Gemengelage heraus sollen neue Firmen, Dienstleistungen und Produkte entstehen. Das IZK tritt dabei als Impulsgeber auf. Aber unser Wirken geschieht ohne ein Vorbild. Ich finde es interessant, etwas Neues zu gestalten. Es geht darum, für Unternehmen begleitend tätig zu sein, wenn diese sich auf die Zukunft einstellen. Man kann unsere Aktivitäten mit einer Reise vergleichen; die Firmen reisen in die Zukunft, und das IZK hilft beim Gepäck, bei den Wegweisern und Werkzeugen. Sprich: Wir kennen die Trends, und die versuchen wir bewusst zu machen.

Wie gut stehen die Unternehmen in der Region heute da - gerade in Sachen Innovation?
Wir haben hier sehr gut aufgestellte Unternehmen und eine wirtschaftlich starke Region - das alles müssen wir bewahren. Wir haben jetzt die fetten Jahre und müssen uns auf das einstellen, was danach kommt. Wir müssen mehr voneinander wissen und lernen, und das geht sehr gut über den persönlichen Kontakt. Wir wollen die Unternehmen untereinander und mit den Forschungszentren vernetzen, einen Studiengang mit dem Thema "Innovationsmanagement" nach Kronach bringen und somit letztlich eine ideale Umgebung für die Neuansiedelung schaffen.

Wie bekommen Sie ihre Vorstellungen in die Köpfe der Chefs?
Firmenchef-Köpfe sind eine begrenzte Ressource. Bei manchen Chefs sind wir schon auf dem Radar, bei anderen geht es zeitlich zu eng zu. Aber wir sind auch auf anderen Ebenen tätig, nicht nur bei Chefs. Bis zu einer gewissen Größenordnung ist natürlich der Chef Ansprechpartner und Innovationsantreiber, aber ab einer gewissen Dimension gibt es auch andere Kontaktpersonen. Wir wollen daher für jede Firma das zu ihr passende Angebot zuschneiden. Wir wollen den Innovationsprozess auf der ganzen Strecke begleiten, von der Ideenentwicklung bis zur Vermarktung.

Wie innovativ müssen sie selbst für diese Aufgabe sein?
Ich habe mich schon mehrfach in meinem Leben selbst neu erfunden. Man muss für so eine Tätigkeit im Kopf beweglich bleiben. Man muss in den Gesprächen genau hinhören können, wie die Fragen sind, und darauf passende Lösungen suchen. Das bedeutet, man muss für alles offen bleiben. Die Vereinstätigkeit zielt darauf ab, Menschen zusammenzubringen. Daher braucht man ein Gespür für die Leute und das, was sie umtreibt.

Was bedeutet Innovation in diesem Sinne überhaupt?
Innovation muss nicht immer eine neue Produktionsmethode sein. Es kann auch eine neue Denkweise sein, auf deren Basis eine Firma neu strukturiert wird.

Haben sich der Verein und Sie persönlich konkrete Ziele gesteckt?
Wir wollen die dritte Stufe unseres Plans erreichen. Es wäre aber vermessen, dafür jetzt einen Zeitpunkt festzulegen. Wir streben einen Studiengang und eine Art Denkfabrik an, wo Leute zusammenkommen und sich Gedanken über die Zukunft machen. Daraus soll sich Neues für die Region entwickeln.