Ob als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit und der Kreisheimatpflege im Kronacher Landratsamt oder als Vorsitzender des Heimatpflege-Vereins Gehülz/Seelach/Ziegelerden - sowohl beruflich als auch ehrenamtlich hatte und hat Bernd Graf seit den frühen 1980er Jahren viel mit der Heunischenburg zu tun. Und da er auch kirchlich engagiert war und ist, stellte er eine ungewöhnliche Verbindung zwischen der vorgeschichtlichen Wehranlage und der christlichen Botschaft her: Als nämlich 1994 für die evangelische St.-Michael-Kirche in seinem Wohnort Gehülz die Anschaffung einer Weihnachtskrippe auf der Agenda stand, brachte er als heimatliche Kulisse der neuen Kirchenkrippe einen verkleinerten Nachbau der teilrekonstruierten Steinburg ins Gespräch, deren Original gut einen Kilometer westlich des Gotteshauses zu finden ist.

Die im genannten Jahr erstmals aufgebaute Heimatkrippe zeigt den Zustand des Vorgeschichtsdenkmals zwischen der Erstrekonstruktion von 1986 und der Rekonstruktionsergänzung von 2000. Somit spannt die Krippenkulisse einen zeitlichen Bogen vom Anfang des ersten vorchristlichen Jahrtausends, als die urnenfelderzeitliche Garnison in Betrieb war, bis an die Wende vom zweiten zum noch sehr jungen dritten Jahrtausend nach Christus.

Die im Zentrum der Krippenszenerie dargestellte Menschwerdung Gottes in Gestalt der Heilandsgeburt, auf der die Zeitenwende gründet, erscheint eindrücklich als Dreh- und Angelpunkt der Welt- und Menschheitsgeschichte. Die Krippenkulisse steht letztlich auch als Symbol dafür, dass die Tragweite der Weihnachtsbotschaft menschliche Vorstellungen von Zeit und Raum durchkreuzt. Ausgerechnet eine dereinst hart umkämpfte Stätte wie die Heunischenburg dient zur Verkündigung der Friedensbotschaft. Und manchem Betrachter dieser Heimatkrippe mag Martin Luthers ebenso symbolträchtiges Lied "Ein feste Burg ist unser Gott" in den Sinn kommen.


Heimatliche Figuren

Mit dem Kulissenbau hatte der Evangelische Kirchenbauverein St. Michael Gehülz, dem dieses brauchtümliche Kleinod gehört, einen der bekanntesten oberfränkischen Krippenbauer und -aussteller beauftragt: Florian Hofmann in Neuensee. Zum Figurenbestand dieser Heimatkrippe gehören heimatliche Krippenfiguren wie eine Holzholerin mit Huckelkorb und eine "Trachtenfamilie", die so eingekleidet wurde wie die "Bergmusikanten" Gehülz in ihrer Frühphase. Diese Figuren befinden sich auf dem Weg zum göttlichen Erlöser im Futtertrog.

Bei der Betreuung und Gestaltung der Heunischenburg-Heimatkrippe wurde Bernd Graf 2012 von Nadja Blinzler abgelöst. Die Krippe kann man nach wie vor in der Gehülzer Michaelskirche anlässlich der Gottesdienste in der Weihnachtszeit aufsuchen. Sie steht grundsätzlich bis zum letzten Sonntag nach Epiphanias - das ist diesmal der 21. Januar.