Der (evangelische) Weißenbrunner Tom Sauer erhielt von Erzbischof Ludwig Schick den einmal im Jahr vergebenen Preis "Arbeiter für Gerechtigkeit" verliehen. Damit wurden seine 30-jährige Arbeit als Betriebsrat, sein Engagement mit den "Kids vom Ring", das maßgebliche Wirken in der "Humanitären Hilfe für Menschen in Not" und insgesamt das engagierte Kämpfen für Gerechtigkeit und die Sorge um Arme und Bedrängte gewürdigt.
"Der Gerechtigkeit nachzujagen gehört zur Botschaft der Kirche und ist eine ökumenische Aufgabe", sagte Norbert Jungkunz von der Katholischen Betriebsseelsorge bei der Verleihung des Preises "Arbeiter für Gerechtigkeit" im Rokokosaal des Bamberger Bistumshauses St. Otto. Dieser Preis erinnert an den im vergangenen Jahr verstorbenen Stifter und ersten Betriebsseelsorger Prälat Norbert Przibillok, dem der Einsatz für mehr Solidarität, Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit in Betrieb und Gesellschaft viel bedeutete.


Schwierige Betriebsratsarbeit

"Hätte ich nicht eine solche Mama und einen solchen Papa gehabt und eine wunderbare Kindheit wäre vielleicht alles anders geworden", betonte Tom Sauer, der Teile eines Reifens mitgebracht hatte. Menschen müssten Profil haben. 1992 sei er mit Willi Pechtold erstmals in das Krisengebiet Bosnien-Herzegowina gefahren und habe Profil gezeigt.
Er wurde schließlich Betriebsrat und da wurde es schwer. Ein Satz von Albert Schweitzer ging ihm richtig tief ins Herz: "Wer sich vornimmt Gutes zu tun, braucht nicht von den anderen zu erwarten, dass sie die Steine aus dem Weg räumen." Es wurden immer mehr Steine in den Weg gelegt, erinnerte sich der Geehrte. Gerne habe er sich der Betriebsratsarbeit in den Dienst gestellt. Er sah sich im Gremium als Revoluzzer und eckte dadurch an. "Eine Betriebsratsarbeit funktioniert nur mit Menschen." Die Wertschätzung auf Augenhöhe für die Mitarbeiter fehle manchen Führungskräften. "Ihr seid Engel, die ganz viel Gutes bewirken", rief er hingegen seinen Betriebsratskollegen zu. Die humanitäre Hilfe funktioniere nur, weil "Engel" ihre Flügel ausbreiteten, keine "schmusenden" Engel, sondern mahnende Engel. "Eigentlich gehört die heute Ehrung nicht mir, sondern euch allen." Tom Sauer wünschte allen dass die für Personalentscheidungen Verantwortlichen Profil zeigen und ihnen am Tisch auf Augenhöhe begegnen.
Seine Rede eröffnete der Leiter der Arbeitnehmerpastoral im Bistum Bamberg, Manfred Böhm, mit der Moritat von Mackie Messer in der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weill: "Die einen sind im Dunkeln und die anderen sind im Licht, und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht." Die "im Dunkeln" hätten nirgendwo eine besondere Lobby, würden leicht übersehen und kämen nicht vor, wenn es um die Verteilung von Zukunftschancen geht.
Es brauche Menschen die den Ausgleich von Benachteiligung anderer zu ihrer eigenen Sache machen, die für mehr Menschenwürde in ihrem Bereich einstehen. "Wir brauchen eine Neubesinnung auf das, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Wir brauchen Respekt vor den anderen, wenn deren Lebenskultur nicht mit unserer übereinstimmt."
"Rebell mit dem Helfer-Gen" sei Tom Sauer in einem Artikel im vergangenen Jahr bezeichnet worden, lobte Betriebsseelsorger Eckhard Schneider in der Laudatio. Tom Sauer, heilpädagogischer Förderlehrer, 30 Jahre bei der Lebenshilfe in Kronach und seit wenigen Wochen mit einer staatlichen Stelle über die Regierung von Oberfranken an seiner Wirkungsstätte beschäftigt, war fast sechs Legislaturperioden und damit ältester Betriebsrat mit Rückendeckung und Solidarität zur Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Seit der Gründung der Schulband "Kids vom Ring" ist er deren musikalischer Leiter. Grund genug für den Titel "Arbeiter der Gerechtigkeit", stellte Eckhard Schneider fest.
Musik und ihre Botschaft sind ein wesentlicher Teil seines Lebens. Tom Sauer liebt Musik und vor allem Lieder, die aufrütteln und leuchten. Beispielsweise auch bei Maikundgebungen. Er hatte eine sehr schöne und behütete Kindheit und sieht seinen Beruf als Berufung. Aufgewachsen ist er in einem evangelischen Pfarrershaus mit drei älteren Brüdern. Rebellion rege sich bei ihm dort, wo Ungerechtigkeit und Missstände herrschen. Arbeiten und Streiten für Recht und Gerechtigkeit prägen ihn. Zwischen 1992 und 1996 fuhr er 32 Hilfskonvois nach Bosnien-Herzegowina. Damals gründete er auch den Verein "Humanitäre Hilfe für Menschen in Not" mit der Friedenstaube als Symbol.
Jeder sollte mindestens ein Ehrenamt haben, appellierte Erzbischof Ludwig Schick. Das Engagement von Tom Sauer sei außerordentlich. Für Kirchenmenschen sei es wichtig, die Diakonie und Caritas hervorzuheben. "Wir dürfen dieses Standbein der Kirche - die Sorge für die Armen und Bedrängten, Diakonie und Caritas niemals vergessen und niemals weniger achten als Liturgie und anderes was zur Kirche gehört", appellierte Erzbischof Schick. Im Jahr der Reformation passe es herausragend, dass mit Tom Sauer ein evangelischer Christ diese Ehre erfährt.