Es ist ein fast ein Weihnachtsgeschenk. Der Kronacher Bahnhof soll barrierefrei werden. Das gab Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch nach einem Spitzentreffen mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Bahnchef Rüdiger Grube in der Staatskanzlei bekannt.

Landrat Klaus Löffler (CSU) freut sich sehr, dass Kronach jetzt den Zuschlag bekommen hat. Der Ausbau zum barrierefreien Bahnhof sei eine notwendige und sinnvolle Aufwertung der gesamten Kreisstadt.
"Ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung", freut sich der Kronacher Bürgermeister, Wolfgang Beiergrößlein (FW). Die Nachricht passt hervorragend mit dem Vorhaben des Stadtrates zusammen, nämlich Kronach barrierefrei - bis zur Festung Rosenberg - zu machen.


Lob aus der Politik

Beiergrößlein spricht von Briefen, die seitens der Stadt und mitunter auch im Auftrag von Bürgern seit Jahren an die Deutsche Bahn gerichtet wurden. Jedem sei klar, dass es für behinderte Bürger mit Schwierigkeiten verbunden ist, einen Zug zu erreichen. Auch fehlten Schließfächer, in denen das Gepäck hinterlegt werden kann. "Wenn jetzt die Bahn das Projekt barrierefreier Bahnhof in Angriff nimmt, dann ist es gut!"

Auch für MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) ist es eine freudige Nachricht. Hatte er doch in seinem Wahlkampf den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs in seiner Agenda. Damals hatte er verkündet, dass die Planungen für die Umgestaltung des Bahnhofs Kronach in barrierefrei in seiner ersten Legislaturperiode starten werden
Behinderte, so Baumgärtner, sollen ebenso wie die gesunden Bürger möglichst uneingeschränkt und ohne Hindernisse am Leben teilhaben können. Es freue ihn daher sehr, dass in ein paar Jahren die Bürger mit körperlichen Einschränkungen sowie Fahrgäste mit Kinderwagen in Kronach wesentlich leichter in den Zug ein- und aussteigen können.

Auch im Hinblick auf die Teilverlagerung der Finanzhochschule von Herrsching nach Kronach und den damit verbundenen 200 Studenten, die nach Kronach kommen werden, sei die Entscheidung des Bayerischen Ministerrates sehr begrüßenswert. "Die Staatsregierung hat gute Arbeit geleistet."

Dass nun endlich Bewegung beim Thema barrierefreier Bahnhof in Kronach hineinkommt, ist auch für den Behindertenbeauftragten des Landkreises, Hermann Feuerpfeil (FW), eine freudige Nachricht. Er erinnert an Schreiben, die seitens des kommunalen Behindertenverbandes und auch mit dem VdK-Kreisverband an die Bahn verfasst wurden. In diesen sei immer darauf hingewiesen worden, mit welchen Barrieren es für Behinderte verbunden ist, einen Zug zu erreichen.

Und in der Tat, der barrierefreie Ausbau des Bahnhofes in Kronach wird seit langem gewünscht und gefordert. Im Januar 2015 beantragte schließlich die SPD-Kreistagsfraktion eine Fahrgastzählung am Bahnhof Kronach. Hintergrund war die Herstellung der Barrierefreiheit des Bahnhofs.


Erst Absage, jetzt Zusage

Nach Erhebungen des Regionalmanagements bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) betrug die Zahl der Reisenden aus dem Jahr 2012 werktags und an Schultagen 2000. Der ehemalige Landrat Oswald Marr (SPD) wandte sich darauf Ende Januar an den Verkehrsminister, Joachim Herrmann (CSU), mit der Bitte um die Aufnahme des Bahnhofs in das Bayernprojekt 2013 bis 2018 zum barrierefreien Um- und Ausbau von Bahnhöfen.

Im Juli 2015 teilte Joachim Herrmann mit, dass der barrierefreie Ausbau der Stationen der Deutschen Bahn AG ausschließlich dem Bund obliegt. Die Deutsche Bahn AG teilte mit, dass sie für Kronach keine Planungen vorgesehen hat. Zur Herstellung der Barrierefreiheit des Bahnhofes, so hieß es, müssten die Bahnsteige auf mindestens 55 Zentimeter über Schienenoberkante erhöht werden und zur Erschließung der Bahnsteige zwei Aufzüge in die Unterführung eingebaut werden. Hermann teilte damals weiterhin mit, dass der Bahnhof Kronach in ein Nachfolgeprogramm mit aufgenommen werden könnte. Hierzu sollten in Bayern alle Bahnhöfe mit über 1000 Reisenden pro Tag überprüft werden.

Nun wurde Kronach in das "Bayerische Aktionsprogramm für barrierefreie Stationsinfrastruktur 2021 (BABSI 21) mit aufgenommen. Die Finanzierung der Planungen für den Ausbau zum barrierefreien Bahnhof bis zur Baureife übernimmt zu 75 Prozent der Freistaat, den Rest bringt die DB AG mit Bundesmitteln ein.


Das Ausbauprogramm "Babsi 2021"

Umfang Das Ziel der Bayerischen Staatsregierung ist, dass in Bayern bis zum Jahr 2021 82 Prozent aller Zugreisenden barrierefrei ein- und aussteigen können. Bisher sind es 71 Prozent. Insgesamt investieren Bund, Bahn und der Freistaat von 2017 bis 2021 in ihrem Aktionsprogramm "Babsi 2021" 500 Millionen Euro in 115 barrierfreie Bahnhöfe. Der Freistaat Bayern beteiligt sich mit dem Ausbauprogramm Bayernpaket II, das rund 120 Millionen Euro umfasst.

Ausbau Barrierefrei ausgebaut werden die Bahnhöfe in Freilassing, Kaufering, Abensberg, Ansbach, Pleinfeld, Rottendorf, Donauwörth und Kempten. Von 2019 bis 2021 sollen neben Kronach auch die Bahnhöfe in Amberg, Pegnitz und der Hauptbahnhof Fürth zur Baureife gebracht werden.