München ist weit weg von Kronach. Ein guter Kontakt zwischen dem Bayerischen Justizministerium und den kleineren Amtsgerichten im Freistaat ist deshalb besonders wichtig. "Die Probleme vor Ort bekommt man deshalb oft nicht mit", sagt Ministerialdirektor Frank Arloth, der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz.

Nach dem Bayerischen Justizminister Winfried Bausback ist Arloth damit der Rangnächste in der bayerischen Justiz. Am Donnerstag hat er das Amtsgericht Kronach besucht und den Justizstandort Kronach genauer angesehen. Arloth besucht momentan alle 73 bayerischen Amtsgerichte. Mit dem Kronacher Justizgebäude als Nummer 34 hat Arloth fast die Hälfte geschafft. "Kronach ist ein hervorragend funktionierendes Amtsgericht", sagt Arloth. Der Amtschef des Bayerischen Justizministeriums erkundigte sich bei seinem Besuch über die Unterbringungssituation und die Arbeitsbedingungen der Angestellten. Außerdem führte er Gespräche mit der Behörden- und Geschäftsleitung sowie mit dem Personalrat.

Besonders zufrieden zeigte sich Arloth mit dem neu gestalteten Eingangsbereich, der mit einer neuen Sicherheitsschleuse sowie mit Barrierefreiheit punktet. Das Arbeitsklima im Kronacher Amtsgericht sei sehr gut. "Für ein kleines Gericht ist das am Wichtigsten", erklärt Arloth.


Personalsituation ist angespannt

Und das, obwohl die Personalsituation, wie in vielen Gerichten Bayerns, sehr angespannt ist. "Die Amtsgerichte haben nie über ausreichend Personal verfügt", sagt Arloth. Er erklärt dies vor allem mit neuen Aufgaben, die zu bewältigen sind.

Als Beispiel nennt er die Betreuungsverfahren. Früher hat man laut Arloth Personen eher entmündigt. Heutzutage gibt es dafür einen ganz anderen Ansatz: Die Betreuung durch einen Vormund ist in den Mittelpunkt gerückt. "Dadurch entsteht ein viel größeres Aufgabengebiet für die Richter", berichtet Arloth. Ebenso werde heutzutage öfter geerbt als es in der Vergangenheit der Fall war. Dadurch komme es zu mehr Verhandlungen. Die personellen Angelegenheiten stellen auch für Jürgen Fehn, Direktor des Kronacher Amtsgerichts, ein großes Anliegen dar. "Die Situation ist angespannt, aber wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Fehn.

Das Arbeitsklima sei trotzdem sehr gut. "Nur wenn man zufriedene Mitarbeiter im Haus hat, kann man die Arbeit bewältigen", erklärt Fehn. 41 Mitarbeit sind laut Fehn im Kronacher Amtsgericht beschäftigt, dazu kommen noch vier Gerichtsvollzieher. Über die Hälfte der Angestellten ist in Teilzeit tätig, wie Fehn berichtet. So wolle man die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. Das sei im Justizwesen nicht immer einfach. Lange Strafsitzungen und Haftvorführungen fordern eine zeitliche Flexibilität von den Mitarbeitern. "Davor ziehe ich den Hut", sagt Fehn.