Die Situation ist verfahren, sogar "sehr verfahren", wie Bürgermeister Jens Korn (CSU) feststellt. Er wird von uns mit einem Leserbrief von Werner Stumpf konfrontiert (siehe unten). Darin wirft der örtliche Beauftragte der Fischereirechts-Inhaberin den Flößern und somit letztlich auch der Stadt vor, die Wilde Rodach zugrunde zu richten - offenen Auges und mit widerrechtlichem Verhalten. Korn schüttelt den Kopf und ist enttäuscht.

"Das Angebot stand, sich jederzeit bei mir zu melden, wenn es Probleme gibt. Aber das tat er nicht", ärgert sich der Bürgermeister. Er habe den seit Jahren zwischen Stumpf, den Flößern und der Stadt tobenden Kampf um das Schauflößen auf der Wilden Rodach einvernehmlich und ohne weiteren Zwist lösen wollen. Doch mit diesem Vorhaben sei er gescheitert.


Anzeige statt Gespräch

Nun wurde der Bürgermeister von Stumpf angezeigt - "ohne vorher mit mir zu sprechen". Der Vorwurf: Es sei angestaut worden, obwohl der Pegelstand zu niedrig gewesen sei, und verschlossene Holzschieber an den Wehren hätten keinen ausreichenden Abfluss des Wassers zugelassen.

Korn sieht das anders. Zwar seien am besagten Wochenende nach der Floßfahrt die Schieber für den Wasserdurchlass nicht geöffnet worden, doch habe man den natürlichen Wasserzufluss über die Bretter entweichen lassen. Außerdem habe es sich nicht um ein Aufstauen gehandelt, sondern lediglich um ein Zurückhalten von bei der Fahrt nicht abgelaufenem Wasser. Während Stumpf schimpft, dass die Flößer den Fluss mit den Forellen darin zerstören, vermutet Korn andere Hintergründe für den Zoff. "Das Schlimme ist, dass es ihm nicht um die Sache geht." Schließlich sei weder Korn noch einer der Flößer daran interessiert, der Natur zu schaden, betont das Stadtoberhaupt. Darum halte man sich auch an den Wasserrechtsbescheid mit seinen Auflagen, der die Flößerei bei Wallenfels genau regele.

Die jahrelangen Angriffe Stumpfs gegen die Flößerei wertet Korn hingegen als den bloßen Versuch, die Attraktion zu zerstören. Dies hatte der Bürgermeister sogar im Amtlichen Mitteilungsblatt mit deutlichen Worten festgestellt, worauf Stumpf empört über einen schlechten Stil des Bürgermeisters wetterte. Korn seinerseits nimmt Stumpf den bloßen Kampf um die Natur nicht ab: "Es geht ihm nicht um die Fische, überhaupt nicht. Ich habe die Situation lange beobachtet. Das ist nur Mittel zum Zweck." Außerdem weist er darauf hin, dass die Stadt jährlich sogar 1200 Euro zahle, die mögliche Schäden am Fluss ausgleichen sollen; aus Korns Sicht steht diese Summe in keiner Relation zum überragenden Nutzen der Flößerei für Wallenfels und den gesamten Frankenwald.


Nur ein Warten auf Fehler

Auch der Zweite Vorsitzende der Flößergemeinschaft, Michael Müller, kann die Argumente Stumpfs nicht nachvollziehen, dass man die Natur für einen fragwürdigen touristischen Erfolg über die Klinge springen lasse. "Er wartet nur auf jeden kleinen Fehler", ärgert sich der Flößer über die seiner Aussage nach permanenten Störfeuer Stumpfs. Bei der jüngsten Fahrt seien rund 400 Gäste am Start gewesen, stellt er fest. Für die Stadt im Rodachtal sei das touristisch natürlich ein Gewinn. "Und es ist ja nicht nur die Floßfahrt, durch die Geld in Wallenfels bleibt", weist er auf die anschließenden Aktivitäten hin.

Wie Korn ist auch Müller überzeugt: "Es geht schon lange nicht mehr um die Fische." Früher habe man 30 und mehr Floßfahrten gehabt, dazu trockene Sommer, "und es war auch kein Massensterben im Fluss", hält er die Vorwürfe Stumpfs für an den Haaren herbeigezogen. Ebenso kann er die gegenüber unserer Zeitung aufgestellte Behauptung nicht nachvollziehen, der Erste Vorsitzende der Flößergemeinschaft habe Stumpf durch dessen offenes Autofenster ohrfeigen wollen, als dieser auf vermeintliche Fehler aufmerksam gemacht habe. Müller winkt hinter dem Rücken vorbei. So habe es sein Vorstandskollege gemacht, um Stumpf weiterzuwinken. Denn die Flößergemeinschaft sei ja nicht zuständig, sondern die Stadt. Und nach all dem Ärger in der Vergangenheit habe man kein großes Interesse, sich noch mit Stumpf abzugeben.


Aufstauen und Zurückhalten - ein kleiner, aber feiner Unterschied

Andi Nerger vom Landratsamt Kronach kennt die Problematik der Flößerei in Wallenfels. Heuer war er selbst schon vor Ort, um der Flößergemeinschaft Tipps zu geben, wie sie alle Auflagen erfüllen kann. Auf unsere Nachfrage bestätigt er Michael Müllers Aussage, dass inzwischen auch eine umfangreiche Dokumentationsarbeit mit dem Aufstauen verknüpft ist.

Aufstauen dürfe man für das Flößen, wenn der Pegel in Wallenfels mindestens 107 Zentimeter anzeige, erklärt er die Vorgaben des bis 2017 gültigen Wasserrechtsbescheids. Liege der Pegel niedriger, sei ein Aufstauen untersagt. Nerger weist allerdings auf einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen einem Stauen und einem Zurückhalten hin. Eine Staumaßnahme sei dann gegeben, wenn das Wasser sich am Staupunkt ansammelt. "Es muss also mehr werden", betont Nerger. Was seiner Auffassung nach allerdings nicht untersagt ist, ist ein Zurückhalten von Restwasser, das bei der Floßfahrt nicht abgeflossen ist.

Nerger zweifelt sogar am Sinn eines völligen Verzichts auf solche Rückhaltemaßnahmen nach der Floßfahrt. "Dann würde das Wasser komplett abfließen. Was würde dann aus den Fischen?", fragt er sich. Das Resultat wäre wohl weder im Interesse des Gewässers noch dem des Fischereiberechtigten.




Leserbrief von Werner Stumpf



Die Natur wird mit Füßen getreten

Wir brauchen die Natur und verschmutzen und zerstören sie. Tag für Tag. Auch bei uns. Mit Schutt und Schrott werden Bauernwege zugepflastert, rentable Vernichtungsautomaten, die kurzen "Prozess" machen, werden ohne Rücksicht auf Verluste in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt und ruinieren wertvolle Biotope in Wald und Flur. Profitgier kennt keine Grenzen!

Flüsse werden reguliert. Steilwände, in denen Eule und Eisvogel ihre Bruthöhlen bauen können, oder natürlich bewachsene Ufer, an denen viele Tiere Unterschlupf suchen, sind kaum noch vorhanden. Auch saubere und fischreiche Gewässer finden wir nur noch selten. Dazu kommen die kommerziellen Floßfahrten auf der Wilden Rodach. Was früher harte Arbeit und Broterwerb bedeutete, verkommt heute zur feuchten "Klamotte". Die Leute kommen, flößen, hauen sich die Kutte voll und verschwinden auf Nimmerwiederseh'n.


Fremdenverkehr spielt keine Rolle mehr

Einfallslosigkeit kennt keine Grenzen! Mit allen Mitteln versuchen so genannte Manager, den Fremdenverkehr anzukurbeln, und merken gar nicht, das bei uns eigentlich gar nichts mehr geht. Beim Ausfall einer Floßfahrt wegen Wassermangels beklagt man nur den finanziellen Verlust in der Gastronomie. Wenn die Fische im Rinnsal der Wilden Rodach jämmerlich zugrunde gehen, interessiert das keinen Menschen.

Sieben Stauwehre auf vier Kilometern vom Floßteich in Schnappenhammer bis zum Flößerhaus in Wallenfels verhindern die überlebensnotwendige Fischwanderung. Bei niedrigem Wasserstand schrammen die Kuppeln den Boden. Die gesamte Gewässerökologie wird dadurch negativ beeinträchtigt. Bei einem Pegel von 106 oder weniger Zentimetern darf laut Wasserrechtsbescheid nicht mehr gestaut werden. Dagegen wird über Jahre hinweg permanent verstoßen.

Die im Dornröschenschlaf schlummernde "Ruhe sanft"-Behörde in Kronach wacht erst dann auf, wenn es wieder einmal "brennt".

Und dem Flößerbürgermeister bleibt nichts anderes übrig, als den Flößern bei ihrem fragwürdigen Abenteuer auf der Wilden Rodach weiterhin Narrenfreiheit zu gewähren.