Wolfgang Beiergrößlein (Freie Wähler) will Bürgermeister in Kronach bleiben. Sven Schuster (SPD) möchte es werden. Doch das höchste Amt in der Kreisstadt ist nur die halbe Miete, denn kein Bürgermeister kann ohne Rückhalt im Stadtrat Weichen stellen. Daher versuchen alle Gruppierungen, ihre Kandidaten publik zu machen.

Oft belächelt, doch im Endeffekt eifrig genutzt werden im Pokern um die Wählergunst Plakate, Prospekte und Flyer, um die Namen der Bewerber der breiten Öffentlichkeit vertraut zu machen. Was die Handzettel dem potenziellen Wähler vermitteln, ist zum Teil sehr unterschiedlich. Wir haben den vier Gruppierungen des Stadtrats in die Karten geschaut und kritisch hinterfragt, wer die besten Trümpfe in der Hand hält und wo geblufft wird.
Die Übersicht bezieht sich natürlich nicht auf politische Inhalte oder persönliche Qualitäten der Kandidaten, sondern nur auf die subjektive Wirkung der Werbemittel beim Durchblättern.


CSU

Nicht kleckern, sondern klotzen lautet heuer anscheinend das Motto der Christsozialen. Auf 32 Seiten präsentieren sie ihre Kandidaten für den Kronacher Stadtrat. Schon die Titelseite verspricht: "Gemeinsam Kronach gestalten". Und nach dem Aufschlagen wird schnell klar, dieses Motto für die Cranach-Stadt soll auch Programm für die Bewerber sein. Bei der CSU dominiert nicht das Gesicht, sondern die Mannschaft.

Es gibt Infos zur Kreisstadt. Daneben stellen sich die Kandidaten sehr ausführlich vor: Ehrenämter, Hobbys, Vorbilder und ein Motto. Hinzu kommt die Perspektive: Warum will der jeweilige Kandidat in den Stadtrat? Ein starkes Blatt, das die CSU da in der Hand hält. Doch ein kleiner Schönheitsfehler hat sich eingeschlichen. Bereits auf Platz sechs herrscht gähnende Leere, wo andere zuvor erklärt haben, was ihre Wahlmotivation ist. Auf den Plätzen 15, 18 und 23 bleiben die Kandidaten ebenfalls "stumm".

Poker-Wertung: ein Flush


SPD

Vier gut gemachte Seiten können ähnlich viel aussagen wie ein Buch: Die SPD liefert in ihrem Flyer fast die gleichen Informationen über ihre Kandidaten, wie es die Christsozialen mit ihren Bewerbern in einem opulenten Prospekt tun. Nicht ganz so detailliert und ohne schmückendes Beiwerk, aber das Entscheidende ist auch bei den Sozialdemokraten da: Name, Alter, Beruf, Familienstand, woher kommen die Bewerber, welche politischen Rollen nehmen sie bereits ein.

Wichtig ist auch, dass einerseits die gemeinsamen Ziele der Mannschaft gezeigt werden und das Team sich sogar bildlich als solches präsentieren kann. Andererseits kommt jeder Bewerber selbst zu Wort und darf seine persönliche Marschrichtung erklären. Was weiter auffällt, ist, dass die SPD den Einstieg in ihre Wahlwerbung stark auf ihren Bürgermeisterkandidaten zuschneidet. Die ganze Titelseite ist Sven Schuster und seinem Slogan gewidmet. Ob ein relativ frisches Gesicht in der kommunalpolitischen Szene jedoch schon die erhoffte Zugkraft entwickeln kann oder man hier vielleicht doch eher auf die Präsentation einer starken (routinierten) Mannschaft hätte setzen sollen, wird der 16. März zeigen.

Poker-Wertung: ein Straight


Freie Wähler

Trotz der Trumpfkarte, welche die Freien Wähler mit dem amtierenden Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein in Händen halten, wird in diesem Prospekt schon auf Seite eins das "Mit uns" propagiert. In Porträts zeigen die Kandidaten stichpunktartig auf, wer sie privat sind. Nur der Fraktionsvorsitzende und das Stadtoberhaupt geben im Innen teil einen Rückblick.

Die politischen Ideen des Teams gibt es in dem Flyer sonst nur im Paket ("Wir machen uns stark für ..."). Das zeugt zwar von Einigkeit und zeigt konsenstaugliche Ziele auf, allerdings würde man gerne auch etwas Persönlicheres über die Kandidaten erfahren. Doch in dieser Hinsicht sind dem dreifach gefaltenen Flugblatt räumliche Grenzen gesetzt. Unter dem Strich bleibt eine sehr solide Pokerhand, die aber noch Entwicklungspotenzial hat.

Poker-Wertung: ein Königsdrilling


Frauenliste

Auch bei den Frauen soll ein Team für die nötigen Stiche sorgen. Diese Mannschaft wird - ähnlich wie bei den Freien Wählern - in Passfotogröße mit Platzierung auf der Liste vorgestellt. Beruf und Wohnort, mehr ist über die Kandidatinnen leider nicht zu erfahren.

Die Ziele der Gruppierung sind kurz und knapp zusammengefasst. Dabei steht das "uns" in den Aussagen klar im Vordergrund. Hierbei gilt für die Frauenliste offenbar: In der Kürze liegt die Würze.

Poker-Wertung: ein Damendrilling

Zumindest was die Sitzvergabe im Stadtrat angeht, hat die CSU also das beste (Flug-)Blatt in der Hand.
Doch beim Pokern gewinnt ja bekanntlich nicht zwingend die beste Karte, sondern meistens der cleverste Spieler. Also heißt es: Abwarten und schauen, ob beim Showdown noch jemand ein Ass im Ärmel hat.