"Wir werden in der Nach-Corona-Zeit nicht mehr zu einer Normalität wie in der Vor-Corona-Zeit zurückkehren. Nicht die Gesellschaft, nicht die Unternehmen und auch nicht die Schulen", zeigt sich Schulleiter Rudolf Schirmer sicher, dem die Teilnahme seiner Schule an "PerLen 4.0" ein großes Anliegen ist. Der Name "PerLen" setzt sich zusammen aus dem Begriff "Personalisiertes Lernen". 4.0 soll - ähnlich der Wandlung der Industrie - auf ein neues Zeitalter der Bildung hinweisen. Geboren wurde die Idee zu diesem Schulversuch bereits vor der Corona-Krise. Die aktuelle Situation hat den Start und die Umsetzung nur beschleunigt.

Ziel des Schulversuches ist die Entwicklung und Erprobung von digital gestützten, personalisierten Lehr-Lern-Arrangements, die stärker die unterschiedlichen Voraussetzungen der Auszubildenden - z. B. Bildungsniveau, Leistungsstand - berücksichtigen und gezielt auf die Herausforderungen der Wirtschaft 4.0 vorbereiten. "Dabei möchte man bewusst an das im Rahmen von ,Lernen zuhause' gewonnene Erfahrungswissen zum Distanzunterricht anknüpfen. Diese Kenntnisse sollen weiterentwickelt und für den schulischen Regelbetrieb systematisch nutzbar gemacht werden. Weiterhin sollen Unterstützungsangebote für das Kollegium zur Nutzung der digitalen Werkzeuge etabliert werden", verdeutlicht der Ansprechpartner an der Lorenz-Kaim-Schule, Studienrat Florian Neder.

Erreicht werden sollen diese Ziele durch die Öffnung der Unterrichtsstruktur durch Auslagerung einiger Lerninhalte in persönliche Selbstlernkurse, getreu dem Motto: "Unterricht unabhängig von Raum und Zeit".

Innerhalb der drei Schuljahre soll das personalisierte Lernen ermöglicht werden. Hierfür werden Lern- und Unterstützungsangebote ausgebaut wie beispielsweise die Verwendung des Konzeptes "flipped classroom”, worunter man die Möglichkeit des Zugriffs auf digitale Lerninhalte anhand von vorbereiteten Lernvideos, die Erweiterung der digitalen Infrastruktur und das Etablieren einer Organisationsstruktur für das Kollegium versteht. Auch Fortbildungen für das Kollegium sollen aus dem Team heraus entwickelt werden.

Die Weiterentwicklung der Förderangebote zur Differenzierung der Online-Unterrichtsinhalte wie auch von Angeboten für leistungsstarke Schüler stellen weitere Ziele des Projektes dar. Ein wichtiger Punkt zur Zielerfüllung ist die Vermittlung von Kompetenzen für die Arbeitswelt von morgen ("Future Skills") - wie eben die Kollaboration von Schülern unterschiedlicher Fachrichtungen (wie die unterschiedlichen Fachbereiche zeigen) und der Erwerb von fachlichen, überfachlichen sowie sozialen Kompetenzen.

Auch bei diesem Schulversuch sollen wie bisher die Ausbildungsbetriebe intensiv einbezogen werden. "In diesem Kontext fühlt sich die Berufsschule besonders geehrt, von Ausbildern für den ,Deutschen Schulpreis' vorgeschlagen worden zu sein", freut sich Rudolf Schirmer.

Der Schulversuch startet mit drei Schulklassen in den Ausbildungsrichtungen Mechatroniker klassisch und dual, Betriebselektroniker, Industriemechaniker sowie Assistenten für Hotel- und Tourismusmanagement. Für diese Klassen sollen digitale Lernangebote erstellt werden. Um dies zu realisieren, werden stifteingabefähige Arbeitsgeräte für Schüler auf Basis branchenüblicher Cloud-Systeme etabliert, die Prinzipien des "flipped classroom" vermitteln und die Erstellung und Sammlung von Lernvideos in Bibliotheken zu diesem Zweck anvisieren.

Um den Schülern das Personalisierte Lernen zu ermöglichen, werden innerhalb der Projektzeit weitere verschiedene Methoden ausprobiert. Auch Treffen mit den 14 Modellschulen in Bayern - online oder physisch, je nach aktueller Lage - finden statt, die einen Austausch untereinander und so Synergie-Effekte ermöglichen. Die Ergebnisse des Schulversuches werden dahingehend überprüft, inwieweit sie auf andere Schulen und Schularten übertragbar sein werden.

"Wir als Landkreis können stolz sein auf unsere Berufsschule mit ihrem Leiter Rudi Schirmer", würdigt Landrat Klaus Löffler. Dank ihm und seinem engagierten Team sei es gelungen, dieses zukunftsträchtige Projekt in den Landkreis Kronach zu ziehen. "Dies ist ein weiterer wertvoller Impuls für eine innovative Bildungslandschaft wie die unsere und zugleich ein Beleg dafür, dass wir als Landkreis auch dank unserer zahlreichen Partner vom bayerischen Kultusministerium mit dem Qualitätssiegel ,Digitale Bildungsregion' ausgezeichnet wurden.

Der Modellversuch

Träger des Modellversuches "PerLen 4.0" ist die Stiftung Bildungspakt Bayern in Kooperation mit dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw) unterstützt das Vorhaben als Hauptpartner, BMW als weiterer Partner.

Fachbereiche Die am Schulversuch beteiligten Lehrkräfte kommen aus den Bereichen Metalltechnik, Elektrotechnik, Wirtschaft & Verwaltung, den Berufsfachschulen Hotel- und Tourismus-Management sowie Kinder- und Sozialpflege. Dies zeigt, wie breit das Team aufgestellt ist und , dass eine Verzahnung der Fachbereiche stattfindet. Insgesamt sind 15 Personen dem Team zugeordnet.

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