Hunderte Glasfläschchen mit verschiedenen Globuli stehen sortiert in Doris Haupts Schrank. "Ich suche für jeden individuell das richtige Mittel", sagt Haupt, die seit 1997 als Homöopathin in Kronach praktiziert. Im Interview mit dem Fränkischen Tag spricht die 62-Jährige über Allergien und darüber, wie der Einzelne bereits durch eine bewusste Ernährung die Symptome verbessern kann. Wie werden Allergien ausgelöst? Doris Haupt: Grundsätzlich gilt es zu bedenken, dass jede Entzündung im Körper mit einem Zuviel an Histamin zusammenhängt. Bei einer Histaminintoleranz fehlt Diaminoxidase, also das Enzym, das Histamin abbaut. Eine Allergie ist eine Art von Entzündung. Der Stoff, auf den ich allergisch bin, richtet sich gegen mich. Es kommt zu einer Reaktion auf etwas, das eigentlich ganz normal ist. Lässt sich der Histamingehalt im Körper reduzieren? Wenn man während eines allergischen Schubs darauf achtet, wenig Histamin aufzunehmen, können sich die Symptome verbessern. Generell gilt dabei die Faustregel, dass der Histamingehalt eines Lebensmittels umso höher ist, je älter das Lebensmittel ist. Beim Aufwärmen von Lebensmitteln steigt der Histamingehalt erheblich. Weizen hat übrigens wesentlich mehr Histamin als Dinkel und Rotwein ist das histaminhaltigste Getränk überhaupt. An welchem Punkt sollte ein Homöopathe aufgesucht werden? Natürlich ist es besser, in der allergiefreien Zeit zu kommen - also wenn keine Pollen fliegen. Wer rechtzeitig kommt, kann davon ausgehen, dass es in der kommenden Saison schon besser wird. In der zweiten Saison haben die Allergiker dann deutlich weniger Beschwerden. Wie läuft eine homöopathische Behandlung ab? Homöopathie ist individuell, es gibt quasi so viele Mittel, wie es Menschen gibt. Dabei spielt neben den körperlichen Symptomen auch der Charakter eine entscheidende Rolle. Die Pollenallergie wird durch das Verabreichen von Globuli behandelt - dabei soll Ähnliches mit Ähnlichem behandelt werden. Wenn wegen der Allergie beispielsweise die Augen tränen, wären Globuli mit dem Wirkstoff Alium Cepa, also Zwiebel, eine Möglichkeit. Die Dosierung wird individuell angepasst. Komplett geheilt werden können Allergien allerdings nicht. Haben die unterschiedlichen Bahandlungszeitpunkte dann einen Einfluss? Allergiker, die über Jahre hinweg Heuschnupfen haben, sollten eine Frühjahrs- oder Herbstkur machen. Wer erst im August Beschwerden wegen des Pollenflugs bekommt, kann noch im März mit der Einnahme von Globuli beginnen. Wer während eines Schubs anfängt, Globuli zu nehmen, muss damit rechnen, dass sich die Symptome eventuell kurzzeitig verschlimmern.

Insgesamt gesehen sind Allergien wie Züge. Ein Waggon geht ab und dafür kommt ein neuer dazu. Allergische Tendenzen äußern sich bei jedem anders, werden aber immer vom selben System ausgelöst. Wie wirken Globuli? Die Globuli signalisieren dem Körper, was nicht richtig funktioniert. Der Körper wendet dann Kraft auf, um wieder gesund zu werden und die Symptome verschwinden. Allergien kommen allerdings immer wieder. Wenn die Beschwerden weg sind, können sie trotz Globuli ein paar Jahre später wieder auftreten. Wer mit sich selbst in Einklang ist, hat generell weniger Allergien und Krankheiten. Die Fragen stellte Cindy Dötschel

Harte Zeiten für Allergiker

Der Frühling hat zumindest meteorologisch Einzug gehalten. Was viele Menschen freut, bereitet Allergikern Sorge. Denn nach und nach fliegen sie wieder, die Pollen. Und seit Jahren beobachten Forscher, dass sich der Pollenflug deutlich um mehrere Tage nach vorne verlagert.

Pollen ist dabei nicht gleich Pollen. Was die Aggressivität betrifft, gibt es durchaus Unterschiede. Bei den Laubbäumen etwa lösen häufig Birke, Hasel und Erle eine Allergie aus. Für die letzten beiden hat die Flugsaison jetzt schon begonnen. Die Birke ist vor allem für ihre Menge an Pollen berüchtigt, so dass sie bei vielen Betroffen als Hauptauslöser allergischer Reaktionen gilt.

Bei den Gräsern und Kräutern machen sich vor allem Rispengras, Beifuß, Brennnessel, Traubenkraut und Wegerich unbeliebt. Auch Getreidepollen wie Roggen oder Hafer können mitunter heftige Reaktionen hervorrufen.

Manche Allergieformen sind eher selten, wie etwa die mit Kiefernpollen. Wer davon betroffen ist, leidet aber umso heftiger, da die Kiefer in Deutschland weit verbreitet ist.

Körper schlägt falschen Alarm

Verursacher der Allergie ist der Pollen (Blütenstaub) windbestäubter Pflanzen. Während insektenbestäubte Pflanzen zur Blütezeit weniger Pollen produzieren, müssen windbestäubte Pflanzen viele Pollen freisetzen, um die Bestäubung zu sichern.

Dass der menschliche Körper dann so auf den Pollen reagiert, hat mit Proteinen (Eiweißen) zu tun, die darin vorkommen. Im Falle einer Allergie bildet das Immunsystem als Antwort auf die eigentlich harmlosen Proteine eine ganze Reihe von Antikörpern. Es schlägt also fälschlicherweise Alarm. Beschwerden entstehen dann vor allem dort, wo die Pollen-Allergene direkt auftreffen - an den Schleimhäuten von Nase, Augen und Mund. Die Folgen sind tränende und juckende Augen, Fließschnupfen, Niesattacken und Atemnot. Die Allergie kann auch zu Magen-Darm-Störungen, Müdigkeit und Kopfschmerzen führen. Ohne ausreichende Therapie erkranken zudem viele der Patienten an Asthma.

Erbliche Veranlagung

Eine entscheidende Rolle spielt die erbliche Veranlagung. Das Risiko an einer Pollenallergie zu erkranken, ist besonders groß, wenn Vater und Mutter unter allergischen Reaktionen leiden. Das Risiko der Kinder liegt dann bei 60 Prozent.

Achtung Kreuzallegie

Wer als Pollenallergiker beim Verzehr von Obst, Gemüse oder Nüssen ein Kribbeln im Mund, ein Kratzen im Hals oder ein pelziges Gefühl auf der Zunge spürt, leidet in der Regel unter einer Kreuzallergie. Das liegt daran, dass die Allergene mancher Pollen und Lebensmittel ähnlich sind und das Immunsystem sie nicht auseinanderhalten kann.

Welche Nahrungsmittel man nicht verträgt, hängt davon ab, auf welche Pollenarten man allergisch ist. Menschen, die auf Birkenpollen allergisch sind, können auch auf Kernobst, Steinobst oder Nüsse allergisch reagieren. Wer Probleme mit Beifuß hat, könnte eine Kreuzreaktion auf Sellerie, Karotten oder Fenchel und auf Gewürze wie Anis, Kümmel oder Petersilie entwickeln. Haselpollenallergikern sind oft überempfindlich gegenüber Hasel- und anderen Nüssen. zl

Fluginfo Wie hoch die Pollenbelastung ist, können Betroffene auf der Internetseite des Deutschen Wetterdienstes (DWD) unter www.dwd.de/pollenflug nachschauen.

12 Millionen

Menschen leiden in Deutschland an einer Pollenallergie. Das sind knapp 15 Prozent der Bevölkerung.