Bei keiner anderen Krebsart bietet Früherkennung so große Heilungschancen wie bei Darmkrebs. Das war die Kernbotschaft aller Referenten beim Darmkrebstag am Samstag in der Helios Frankenwaldklinik. So stand die Aktion auch folgerichtig unter dem Motto "Vorsorge rettet Leben".

"Nehmen Sie die Möglichkeiten der Vorsorgeuntersuchung unbedingt wahr", lautete der eindringliche, ja geradezu leidenschaftliche Appell der drei referierenden Mediziner. Frank Rainer Schlund, Internist im Medizinischen Versorgungszentrum, betonte aber auch, dass man Darmkrebs durch richtige Ernährung und Lebensweise vorbeugen kann. Auch wenn keine spürbaren oder sichtbaren Symptome erkennbar seien, sollte man zur Vorsorgeuntersuchung, riet er. Die Krankenkassen übernähmen in der Regel die Kosten für präventive Untersuchungen.


Videokamera zum Schlucken


Eine Videokapsel in Größe einer Vitamintablette ist laut Schlund die neueste Früherkennungsmethode. Sie liefere Filmazfnahmen von der Oberfläche des Darms. Der Internist wies noch darauf hin, dass Darmkrebs eine stille Krankheit ist: "Wenn man typische Symptome wie Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen oder Blut oder Schleim im Stuhl bemerkt, kann die Krankheit möglicherweise schon fortgeschritten sein."

Martina Stauch, zugleich Vorsitzende des Vereins "Gemeinsam gegen Krebs", informierte über neue Therapien aus Sicht der Onkologie. Darmkrebs sei die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Jährlich würden über 75 000 Neuerkrankungen registriert. Zwar würden ständig Dutzende von Studien durchgeführt, die immer wieder auch neue Erkenntnisse und Therapieerfolge brächten, sehr wichtig bleibe aber stets die Früherkennung.


Vier Säulen der Therapie


Die Onkologin nannte vier klassische Säulen der Therapie. Neben der chirurgischen Methode, der Strahlentherapie und der Chemo, die mehr und mehr ihren Schrecken verliere, ging sie auf die molekulare Therapie ein. Mit letztere verbinde sich die Hoffnung, einerseits die Krebszellen wirkungsvoll aufhalten zu können und andererseits weniger Nebenwirkungen in Kauf nehmen zu müssen.

Mittlerweile, so die Referentin, sei die Krebsimmuntherapie eine weitere Option zur Behandlung von Erkrankungen. Sie hoffe, dass bald neue Medikamente mit teilweise sehr komplexen Wirkmechanismen verfügbar sein werden. Für Stauch sind jedoch die individuelle Information des Patienten und dessen eigener Therapieweg sehr wichtig. Der Betzroffene bestimme das Ziel, er sollte dabei auch mehrere Meinungen und Informationen einholen.

Chefarzt und Privatdozent Frank Fischer stellte schonende Operationsmethoden vor. Eine OP sei für viele Darmkrebspatienten die wichtigste Behandlungsmöglichkeit. "Nur wenn der Tumor vollständig entfernt werden kann, ist eine dauerhafte Heilung möglich", sagte er.


Schonendere Verfahren


Die Verfahren seien viel schonender geworden. Kleinere Geschwülste könnten heute endoskopisch entfernt werden. Für größere Tumore gebe es revolutionäre Entwicklungen wie die Laparoskopie. Dabei würden die Chirurgen den Bauch mit mehreren kleinen Schnitten öffnen, durch die Instrumente, Lichtquellen und eine Kamera eingeführt werden könnten. Der neueste Schrei ist laut Fischer das "Da Vinci-System", eine minimal- invasive Hochpräzisionstechnik via Roboter.

"Mit seiner Hilfe ist es möglich, dass ich von Sidney aus einen Patienteneingriff in Kronach vornehmen kann", formulierte es Fischer überspitzt mit Schmunzeln. Allerdings koste ein solches Gerät mehrere Millionen Euro.


Heftiger Widerspruch


Brisanter als erwartet war das Thema Patientenverfügungen. Rechtsanwalt Harald Aust empfahl, immer einen Mediziner zu Rate zu ziehen. Heftiger Widerspruch kam hier von Frank Fischer, er nannte eine Patientenverfügung "großen Quatsch" und machte deutlich ,wie schwierig es sei, lebenserhaltende Maßnahmen auf Wunsch des Patienten zu unterlassen.

Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein dankte dem Verein "Gemeinsam gegen Krebs" für die Initiative. Die Sportgruppe von "Gemeinsam gegen Krebs" fehlt bei keiner Veranstaltung. Sie zeigte meditative, spirituelle Bewegungen wie auch ein einfaches und wirkungsvolles Fitnessprogramm unter Leitung von Birgit Schmitt.