Mit den Folgen der Corona-Pandemie hat auch das Jugendorchester Kronach zu kämpfen. "Dem Jugendorchester Kronach geht es hier wahrscheinlich wie jedem anderen Verein im ganzen Land", so 1. Vorsitzender Günter Soja. Und doch gibt es einige Besonderheiten bei dem Kulturträger, der sich besonders die Pflege der Jugendmusik als Ziel gesetzt hat.

Der Wegfall aller öffentlicher Auftritte und Veranstaltungen bedeutet, dass in diesem Jahr sämtliche Einnahmen des Vereins weggebrochen sind. Die laufenden Kosten wie zum Beispiel Miete, Heizung, Strom, Versicherungen müssen jedoch gedeckt werden.

Der neue Bus steht still

Das trifft den Verein besonders hart, da man Ende vergangenen Jahres einen Ersatz für den schrottreifen Vereinsbus anschaffen musste. Dieser wurde seit der Anschaffung nicht mehr bewegt und kostet weiter Steuer und Versicherung. Nach den wenigen Auftritten zur Faschingszeit wurde durch den ersten Lockdown die komplette Arbeit des Vereins auf Eis gelegt. Das geplante Probenwochenende zur Vorbereitung auf das traditionelle Jahreskonzert musste kurzfristig abgesagt werden.

Außerdem mussten die Probenräume in der Kulmbacher Straße (neben Volkshochschule) wegen der Corona-Pandemie und der damit erlassenen Infektionsschutzmaßnahmen bis auf weiteres gesperrt werden. Dies hatte zur Folge, dass nicht nur die diversen Orchesterproben ausfallen mussten, auch Einzelunterricht und Satzproben waren plötzlich nicht mehr möglich.

Nach einiger Zeit der Unsicherheit und des Hoffens auf bessere Zeiten haben dann die Ausbilder in Eigenregie den Musikunterricht, soweit möglich, auf Online-Unterricht umgestellt. Nach den ersten Lockerungen konnte zumindest wieder der Einzelunterricht aufgenommen werden. Die Größe der Probenräume erlaubte aber immer noch keine Gesamtproben.

Sämtliche öffentliche Auftritte wurden für 2020 abgesagt. Darunter auch das vom Jugendorchester organisierte Patenweinfest, welches seit vielen Jahren auch für die Bevölkerung der Stadt Kronach ein gern besuchtes soziokulturelles und bedeutendes gesellschaftliches Ereignis ist. Auch die seit langem geplante Orchesterfahrt zur englischen Partnerstadt von Wallenfels, Bingham, fiel der Corona- Pandemie zum Opfer. Zu Vertretern aus Bingham besteht eine gute kameradschaftliche Beziehung.

Hin und Her bei den Proben

Zum Glück spielte aber das Wetter einigermaßen mit und so konnten zumindest im Juli und September sechs Gesamtproben in freier Natur stattfinden. Mit Verschlechterung der Wetterlage und dem früheren Einsetzen der Dunkelheit musste wieder eine Lösung zur Fortführung der Proben gefunden werden.

Mit der Aula der Lucas-Cranach-Grundschule konnte schließlich eine Übergangslösung gefunden werden. Nachdem die Infektionszahlen aber auch im Landkreis Kronach weiter stiegen, mussten die Proben erneut ausgesetzt werden. Leider werden in diesem Jahr auch keine Proben mehr stattfinden können. Auch die vereinsinterne Nikolaus-/Adventsfeier, sowie die traditionellen Silvesterständchen können leider auch unter den Bedingungen nicht stattfinden.

Dies weckt natürlich die Befürchtung in der Vorstandschaft, dass Mitglieder oder Musiker durch den wiederholten Lockdown die Bindung an den Verein verlieren und ihre Mitgliedschaft kündigen, so Vorsitzender Soja. Vorerst verzeichnet der Verein aber nur die übliche Fluktuation, sagt er mit etwas Erleichterung.

Wahrscheinlich trug dazu auch ein Rundschreiben des Vereins im Frühjahr an alle Mitglieder bei, indem die Situation erläutert wurde mit Bitte um Verständnis. Je nach aktueller Lage wurden vom Verein entsprechende Hygienekonzepte für Einzel-/Gruppenunterricht und Gesamtproben erstellt und von allen Beteiligten mitgetragen.

Die Musiker verstehen die Maßnahmen und stehen auch dahinter. Die meisten haben Verwandte, die zu Risikogruppen gehören. "Wir haben unsere Aktiven auch nicht unter Druck gesetzt und die Teilnahme an den vom Gesetz erlaubten Musikproben nicht als Pflichtveranstaltung ausgewiesen", so Günter Soja. Trotzdem waren bei den wenigen Proben, die bisher möglich waren, erstaunlich viele Akteure anwesend. "Man merkte richtig, dass das gemeinsame Musizieren von vielen vermisst wurde." Man halte die Musiker stets auf dem Laufenden, zum Beispiel mit regelmäßigen Informationen des NBMB (Nordbayerischer Musikbund). Soja findet die Informationspolitik des NBMB sehr gut. Hier gebe es regelmäßige Informationen und Tipps. "Was allgemein vermisst wird, ist die Gemeinschaft - auch außermusikalisch", bedauert der Vorsitzende.

Verständnisvolle Eltern

Ein beispielhaftes Erfolgsmodell sind die Bläserklassen, die seit 13 Jahren in Zusammenarbeit mit der Lucas-Cranach- Schule Kronach angeboten werden. In der Corona-Krise gestaltet sich die Situation bei den Bläserklassen besonders schwierig. Das gemeinsame Musizieren ist essenziell und unverzichtbar für die Motivation. Trotzdem haben die Eltern Verständnis dafür, dass diese Form des Unterrichts im Frühjahr und auch aktuell nicht möglich war bzw. ist. Auch hier wurde und wird der Unterricht von den Lehrkräften online und im Einzelunterricht fortgeführt. Dies kann aber keine Dauerlösung sein.

"Wir alle hoffen, dass sich die aktuelle Situation bald wieder entspannen wird und ein gemeinsames Musizieren wieder möglich ist", sagt Vorsitzender Soja mit einem lauten Seufzer.

Das Jugendorchester Kronach

Gründung Das Jugendorchester Kronach wurde im Jahr 1969 als Verein zur Pflege der Jugendmusik gegründet. Der Verein besteht aus dem Jugendorchester, der Bläserjugend und den Kronacher Musikanten und ist ein bedeutender Kulturträger der Stadt Kronach. Im Jugendorchester spielen unter Leitung von Stefan Krauß 50 Instrumentalisten, davon 24 Aktive unter 18 Jahren. Im Jahr 2018 wurden zur Vorbereitung 32 Auftritte, 42 Proben sowie ein Probenwochenende in Rothmannsthal abgehalten.

Verein Der Verein Jungendorchester zählt 178 fördernde Mitglieder und 110 Familienmitglieder, also insgesamt 288 Mitglieder.

Bläserklassen Ein Erfolgsmodell sind die Bläserklassen in Zusammenarbeit mit der Lucas- Cranach-Schule Kronach. Im Schuljahr 2018/2019 nahmen 15 Kinder teil. Dadurch werden derzeit insgesamt 34 Kinder der dritten und vierten Klassen der Lucas- Cranach-Grundschule in musikalischer Ausbildung unterrichtet. Einzelunterricht erhielten 41 Kinder und Jugendliche aus dem Kids- und Jugendorchester. Weitere 21 Kinder erhielten Einzelunterricht für Gitarre und Schlagzeug.