Frau Steiger, Herr Maget, welche Ehrenämter üben Sie selbst aus?
Franz Maget: Ich war zum Beispiel jahrelang ehrenamtlicher Vorsitzender der Münchner Arbeiterwohlfahrt und der Arbeiterwohlfahrt Bayern. Außerdem war ich in der Kirche ehrenamtlich engagiert und in verschiedenen Sportvereinen. Momentan bin ich noch Vizepräsident von 1860 München. Dazu kommen noch kleinere Tätigkeiten.
Christa Steiger: Über viele Jahre war ich stellvertretende Bezirksvorsitzende des Turnverbands und war vor meiner Zeit im Landtag auch Übungsleiterin im Turnverein Unterrodach. Derzeit bin ich Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Oberfranken. Auf Kreisebene bin ich in Kronach die Kreisvorsitzende des Arbeiter-Samariter-Bunds, der auch unter dem Dach des Paritätischen organisiert ist. Gerade bauen wir das zweite Pflegeheim in Rothenkirchen.
Im ehrenamtlichen Vorstand machen wir die strategische Planung und treffen zum Beispiel Entscheidungen wie: Bauen wir oder bauen wir nicht.

Lassen Ihre Terminkalender Ehrenämter überhaupt zu?
Steiger: Als Politiker haben wir es doch etwas einfacher, weil wir unsere Zeit mehr oder weniger einteilen können. Zwar haben wir unsere festen Sitzungstermine, aber man kann auch dazwischen etwas fürs Ehrenamt tun. Wer einen Arbeitsplatz hat, bei dem er beispielsweise von früh bis spät irgendwo an der Kasse sitzt, bei dem ist das nicht so. Ich beispielsweise habe einen Plan, wann ich beim Paritätischen Sitzungen habe. Beim Arbeiter-Samariter-Bund ist das durch den Bau derzeit häufig der Fall - circa alle 14 Tage, spätestens alle drei Wochen.
Maget: Wenn man ehrenamtlich engagiert ist, dann muss man eine Vorstandssitzung als Termin in den Kalender schreiben.

Wie muss die Politik das Ehrenamt Ihrer Meinung nach fördern?
Maget: Noch wichtiger als eine bessere Förderung ist der Abbau von Hürden. Manche übernehmen ungern ein Ehrenamt, weil sie Angst vor der Bürokratie haben. Weil viele Fragen des Finanzamts so kompliziert sind, dass sich niemand traut, die Kasse in einem Sportverein zu übernehmen. Viele haben Angst, dann schon mit einem Fuß im Gefängnis zu stehen. Das heißt, wir müssen zunächst die ehrenamtliche Tätigkeit wieder leichter machen für die Menschen. Das Zweite wäre eine Förderung wie eine Ehrenamtskarte, mit der man bestimmte Dinge, wie zum Beispiel Museumsbesuche, vergünstigt erhalten kann. Das kann die Kommune, aber auch der Freistaat machen.
Steiger: Ähnliches höre ich immer wieder von Schatzmeistern. Wenn irgendwas nicht passt, haftet nicht der Vorstand, sondern der Schatzmeister. Das ist schon eine Herausforderung, diese Sachen am Wochenende und am Abend zu erledigen - diese Hürden müssen abgebaut werden. Darüber hinaus haben wir immer dafür gekämpft, dass das Übungsleitergeld, das ja nur symbolischen Wert hat, erhöht worden ist. Und dass auch andere die Zuwendung bekommen, nicht nur die Übungsleiter in den Sportvereinen, sondern auch die Verantwortlichen für die Jugendarbeit in den Musikvereinen.

Gibt es ein Ehrenamt, dass Sie nach Ihrer Zeit im Landtag gerne ausüben möchten?
Steiger: Übungsleiterin zu sein, hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, da war ich praktisch jeden Abend in der Turnhalle. Als ich in den Landtag gewählt wurde, ging das zeitlich nicht mehr. Ich habe allerdings meinen Übungsleiterschein brav alle vier Jahre verlängert, weil ich weiß, dass ich ihn vielleicht wieder gebrauchen könnte.
Maget: Wir haben viele soziale Projekte in Armutsländern kennen gelernt. Das war für uns bislang ausgeschlossen, so etwas zu machen, weil man da viel mehr Zeit in anderen Ländern zubringen müsste. Das habe ich bisher nicht gemacht, könnte mir das aber vorstellen.

Das Gespräch führte Jan Koch.