Neugierig steigen die chinesischen Schüler aus dem Bus und scharen sich um den Tisch, der vor dem Brauer- und Büttnermuseum in Weißenbrunn aufgebaut ist. Von der goldenen bayerischen Regel "Hopfen und Malz, Gott erhalt's" haben die Schüler noch nichts gehört. Aber sie interessieren sich sehr fürs Bierbrauen und für die deutsche Lebensart.

Die Kinder auch China besuchen drei Tage lang Kronach und Umgebung und werden dabei vom Lions Club Kronach unter die Fittiche genommen, erklärt Ulrich Stempel, der Activity-Beauftragte der Kronacher Lions.
Auch Bürgermeister-Stellvertreter Michael Bohl und Lions-Mitglieder hießen die Chinesen willkommen.

Die koreanische Biersommeliere Jihee Lee ebenso. "Ich lebe seit sieben Jahren in Bayern, wollte etwas machen. Also habe ich mich entschieden, Biersommeliere zu werden", sagt Jihee Lee. "Das macht echt Spaß!", berichtet sie den Schülern.

"Das ist die erste Gruppe, insgesamt kommen im August drei Gruppen - noch eine mit 44 Personen, und eine weitere mit 28 Personen", erklärt Stempel. Der Kontakt mit den chinesischen Kindern entstand spontan. Damals haben sich die Lions Kronach mit der Erstellung von Audio Guides für Stadtführungen durch Kronach in deutscher, englischer und französischer Sprache beschäftigt. "Und bei der Pressekonferenz haben wir dann gesagt, wir machen auch eine chinesische Version"; erinnert sich Stempel noch genau an die Anfänge, wie alles ins Rollen kam.

Chinesische Nachwuchs-Journalisten

Man knüpfte Kontakte mit dem chinesischen Konsul, mit der Botschaft. Die chinesische Nachrichtenagentur berichtete über dieses Plus in Kronach. Und schließlich entstanden durch das Projekt Verbindungen zu einem chinesischen Reisebüro. Seitdem kommen immer wieder chinesische Delegationen.

"Das sind alles Schüler, die sich durch besondere Leistungen hervorgetan haben"; erklärt Betreuer Hang Zhou. Die Schüler, die jetzt in Deutschland zu Gast sind, sind zwischen neun und zwölf Jahre alt und alle schreiben für chinesische Schülerzeitungen. "Sie möchten studieren, wie das deutsche Leben so ist", sagt der Betreuer.

In Weißenbrunn schauten sie im Brauer- und Büttnermuseum eine Präsentation an, beschäftigten sich mit der Herstellung von Bier und zapften ein Fäßla Malzbier an. Heinz Krause, der Vorsiteznde des Fördervereins, erklärte alles, was der Nachwuchs wissen wollte.

Und auch Spiel und Spaß kamen nicht zu kurz. So mussten die Nachwuchs-Journalisten schätzen, wie viele Kronkorken in einem Glas sind. Qian Liang lag mit ihrer Schätzung in Höhe von 300 am Besten - und gewann ein T-Shirt. Es waren exakt 372 Kronkorken.

Die Schüler statten nicht nur dem Weißenbrunner Brauer- und Büttnermuseum einen Besuch ab, sie schauen sich auch Kronach an und knüpfen Kontakt mit anderen Schülern und mit Schülern von deutschen Schülerzeitungen.

Die Kinder machen einen Ausflug nach Tettau, besichtigten die Confiserie Lauenstein und lernten Porzellanmalerei in der Lukas-Cranach-Werkstatt kennen. Sie statteten auch der Festung und den Dr.-Schneider-Kunststoffwerken einen Besuch ab.

Begeisterung für die "Schweinebeine"

"Ich finde die Häuser so schön", schwärmt Liu In Yu, ein zehn Jahre altes Mädchen und lässt ihr Erstaunen und ihre Begeisterung über die Fachwerkhäuser übersetzen. "Die sind ganz anders als bei uns", sagt sie. Sie kann es nicht beschreiben.

Aber die chinesischen Schüler lassen sich auch vom bayerisch-fränkischen Essen begeistern. "Wir haben Schweinebeine gegessen", bringt es der Betreuer auf den Punkt und erzählt von einem Besuch im Hofbräuhaus in München. Was er eigentlich meint, sind bayerische Schweinshaxen, die alle im Hofbräuhaus verspeist haben. Aber das Wort Haxen ist für die Chinesischen einfach zu schwer auszusprechen.