Eine dicke Schicht aus Spinnweben hängt im Hausinneren vor dem Fenster. Konrad Ruppert blickt durch das milchige Glas. Draußen versuchen sechs Helfer mit Schaufeln und Eimern, eine Rinne um das alte Haus auszuheben - bei Sonnenschein.

"Endlich passt das Wetter und wir können weitermachen", erklärt Ruppert und fasst den alten Griff des Fensters an, um es zu öffnen. Die Spinnweben zerreißen und der Rahmen löst sich plötzlich aus der Verankerung. Ruppert reagiert kaum darauf. Ein defektes Fenster ist nicht die erste Überraschung dieser Art.

Markanter Punkt wird saniert

Seit vier Jahren arbeitet er zusammen mit Ehrenamtlichen und Fachleuten an dem alten, baufälligen Haus in der Kurve der Johann-Nikolaus-Zitter-Straße.
Es soll zum neuen Vereinshaus der Historischen Bürgerwehr Kronach werden.

"Es war ein Schandfleck", sagt Karl Peter Wittig, Vorsitzender des Vereins. Vorher war die Gruppierung in Räumen der Festung Rosenberg untergebracht. Im Zuge der Sanierung muss die Bürgerwehr ihre "Hauptwache" in die Innenstadt verlegen.

"Uns wäre natürlich die Festung oder ein Objekt in der Oberen Stadt lieber gewesen", sagt Wittig. Drei Häuser hatten sie sich angeschaut und sich schließlich für das ehemalige Seilerhaus in der unteren Stadt entschieden, das sie alleine nutzen werden. "Wir haben einen langfristigen Mietvertrag mit der Stadt." Am Neujahrstag vor vier Jahren unterzeichnete Karl Peter Wittig den Vertrag, und Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) überreichte ihm den Schlüssel - feierlich, wie es sich für die Bürgerwehr gehört.

Der Tatendrang der Bürgerwehr wurde schnell unterbrochen. Die Bauruine blieb. Die Arbeiten am Haus mussten eingestellt werden. Das alte Seilerhaus wurde unter Denkmalschutz gestellt. "Also mussten wir auch erst einmal ein Konzept ausarbeiten", erklärt Wittig. Nun ist alles geklärt, und es darf weiter gebaut werden.

Die Vereinsmitglieder wollen den Charakter des Hauses erhalten. Ein alter Herd und alte Toilettenspülkästen sollen eingebaut werden. Auch die Beleuchtung soll zum Haus passen. Zudem wird der Sandstein an der Hausfassade freigelegt. Bis zum Freischießen Mitte August soll es zumindest von außen fertig gestellt sein.

Im Inneren wird die Renovierung noch länger dauern. Zusammen mit ehrenamtlichen Helfern versucht Gründungsmitglied Konrad Ruppert, die groben Arbeiten zu erledigen. Sie rissen das Plumpsklo ab, klopften Putz von den Wänden. "Wir helfen alle zusammen." Doch bald müssen Fachleute ans Werk. Die Stromleitungen sind veraltet, ein kleines Bad soll entstehen sowie eine Küche. Im Erdgeschoss soll ein Versammlungsraum eingerichtet werden.

Platz für Uniformen und Fahnen

Die Kronacher Bürgerwehr lässt alte Traditionen wieder aufleben. Dafür braucht sie eine Menge Material. Uniformen, Fahnen und Kanonen sind in ihrem Besitz. Wittig freut sich, wenn dieser im Vereinshaus Platz findet. "Wir wollen der Stadt auch etwas zurückgeben" , sagt Wittig. In der Johann-Nikolaus-Zitter-Straße 7 wollen sich ein kleines Museum integrieren, das für die Öffentlichkeit zugänglich sein soll.

Durch das Haus hofft die Bürgerwehr, dass sie weitere Mitglieder gewinnen können. Auch in anderen Ländern wird die Tradition der Bürgerwehr in Vereinen weitergelebt. Die Wehren besuchen sich gegenseitig. Ruppert freut sich schon, wenn er die Freunde aus Ungarn im Haus begrüßen kann.

Frühestens in einem Jahr wird das Haus renoviert sein, schätzt Ruppert. Bis dahin wird auch das defekte Fenster repariert sein.

Was macht die Historische Bürgerwehr Kronach?


Verein Die Kronacher Bürgerwehr ist seit Beginn des Jahres ein eingetragener Verein. Die Gemeinschaft gibt es schon seit den 70-er Jahren.

Tradition Die Mitglieder wollen die Tradition des Wachens, Schützens und des Schießens wiederbeleben.

Historie Im Mittelalter musste sich die Stadt Kronach selbst verteidigen. Deshalb schloss sich sehr früh eine "Bürgerwehr" zusammen. Aus dem Spätmittelalter ist eine Bürgermeisterrechnung vorhanden, auf der die Stadtschützen aufgeführt sind. Ein Teil der Stadtschützen bewachte die Stadttore, die anderen begleiteten den Pfarrer während des Fronleichnamsfestes. Dabei trugen sie Harnisch (eine Rüstung). Zudem gab es die Landwehr und die Schützenkompanie. Das jährliche Freischießen kommt aus dieser Zeit. Während des Siebenjährigen Krieges wurde eine Bürgerliche Artillerie-Kompagnie gebildet.

Uniform Zur Uniformierung des Vereins wurde auf Vorbilder aus der Zeit um 1760 zurückgegriffen. Die grün-gelben Uniformen stellen die Schützen der fränkischen Kreistruppe dar, die blau-roten trugen die auf der Festung stationierten Artilleristen.