"Wenn man der Corona-Krise etwas Positives abgewinnen möchte, dann ist es die Aufmerksamkeit, die den Pflegekräften zuteil wird", sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes. In Zeiten der Pandemie seien diese gefragter denn je und in der öffentlichen Wahrnehmung so etwas wie Helden.

So erfreulich diese Aufwertung auch sei, so traurig sei es, dass es hierfür erst einer Krise bedurft habe. Letztlich zeige die aktuelle Situation nur einen Ist-Zustand auf, der schon seit Jahren bekannt sei. Neben der immer schwieriger werdenden Nachwuchsgewinnung stelle auch das Halten von Beschäftigten in der Pflege eine große Herausforderung für die Arbeitgeber dar. Dafür habe der BRK-Kreisverband eine Reihe an Wertschätzungsmaßnahmen auf den Weg gebracht.

Ein wichtiges Element der Wertschätzungskultur ist - dessen ist sich Beierwaltes sicher - eine mit den Mitarbeitern möglichst individuell abgestimmte Dienstplangestaltung. Zu dieser Personalpolitik zähle auch das Betreuungsnetzwerk "Lebensqualität für Generationen". Durch professionelle Betreuungsstrukturen ermögliche das Projekt Berufstätigen die Verknüpfung von Beruf und Familie.

Ein weiterer Baustein sei das igb-Gesundheitsnetz ("Initiative Gesunder Betrieb"). Mit ihrer igb-Card könnten die Beschäftigten im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements kostenfreie oder vergünstigte Leistungen und Angebote verschiedener Einrichtungen zur Gesundheitsförderung in Anspruch nehmen. Aktuell kooperiere man hier mit über 1200 Partnern aus dem Gesundheitsbereich.

Digitaler Ampelindikator

"Ergänzend hierzu haben wir ein Wertschätzungssystem für unsere Mitarbeiter eingeführt: Mit dem Projekt ,igb-Wertschätzung plus‘ können diese für ihr besonderes Engagement, gerade auch beim Einspringen für Kollegen im Schichtdienst, Punkte sammeln", betont der Kreisgeschäftsführer. Per App könnten sie Belege einscannen, die sie aus ihren Punkteguthaben erstattet bekämen. Partner sei auch dabei die igb. "Wir möchten damit Anreize schaffen, dass sich noch mehr Mitarbeiter dazu bereiterklären, bei Bedarf außerhalb ihres Dienstplans für Kollegen einzuspringen", verdeutlicht Beierwaltes. Wichtig sei dabei, eine Überlastung des Beschäftigten zu vermeiden. Deshalb habe man - ebenfalls im Rahmen von "igb Wertschätzung plus" - den "Digitalen Ampelindikator in der Pflege" entwickelt. Dabei verfärbe sich die Ampelanzeige des Mitarbeiters, je nachdem wie oft er eingesprungen ist, grün, gelb oder rot. Der Ampelindikator gebe damit der Bereichsleitung eine Übersicht über den Belastungszustand des Mitarbeiters und diene als Hilfe für eine bessere Schichtenverteilung.

"Dieses Wertschätzungsprojekt läuft seit drei Jahren erfolgreich im Rettungsdienst. Seit Anfang dieses Jahres haben wir das Modell auch für den stationären Pflegebereich übernommen. 2021 werden wir es auf die ambulante Pflege und das gesamte Unternehmen ausbauen", kündigt Beierwaltes an. Gefördert und begleitet werde das Projekt mit einer Laufzeit von drei Jahren vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sowie von der AOK Gesundheitskasse. Bei einem nachweisbaren positiven Effekt soll das Modell eventuell auf alle BRK-Kreisverbände mit ihren rund 24 000 Beschäftigten ausgedehnt werden.

Neben den genannten Projekten baue das BRK seine Wertschätzungskultur durch viele weitere Bausteine aus, nicht zuletzt auch durch eine faire Entlohnung nach Tarif.

Einmalige Kampagne

Trotz des umkämpften Markts der Pflegekräfte hätten die fünf Wohlfahrtsverbände im Landkreis, BRK, Diakonie, Lebenshilfe, Caritasverband und ASB, die gemeinsame Personal-Marketing-Kampagne "Deine Heimat - Dein Pflegejob - Deine Berufung" gestartet. Dabei verhehle man nicht, dass Pflegeberufe schwer und belastend seien. Aber man wolle auch aufzeigen, wie viel Freude sie machten und wie erfüllend sie seien. Gemeinsam möchte man sich als attraktive Arbeitgeber präsentieren.