Wer sich in diesen Tagen eine Currywurst bei Rainer Tröster holen will, muss sich durch einen Slalom an Hinweisen und Regeln kämpfen. Absperrbänder, Bodenmarkierungen in signalgelb und Schilder, die dem Kunden "Nur Essen to go!" und "Hier essen nicht erlaubt!" entgegenbrüllen. Der Betreiber des "Curry 79er" auf dem Expert-Parkplatz will nicht seine Kunden schikanieren. Er versucht umzusetzen, was die Regierung von ihm fordert.

Ein paar Stammkunden nutzen die kurze Regenpause, um sich ihre Mittagswurst zu besorgen, und Rainer Tröster erklärt dem Fränkischen Tag, mit welchen Scherereien er abseits von Umsatzeinbußen täglich ringt. "Wir wollen uns ja an die Spielregeln halten", beteuert der 41-Jährige an diesem grauen Novembertag. Das Problem sei, dass ihm niemand genau sagen kann, was er darf und was nicht. Dass Speisen sowie Getränke nicht mehr in den Gastronomiebetrieben vor Ort verzehrt werden dürfen, ist inzwischen bei Betreibern und Kunden angekommen. Die Frage, wie der Verkauf der Mahlzeiten laut Infektionsschutzmaßnahmenverordnung nun aber konkret ablaufen darf, verursacht bei Rainer Tröster und seinen Kollegen Stirnrunzeln.

Spätestens seit einem Kronacher Café ein Bußgeld von 5000 Euro droht, weil Kunden beim Warten auf ihr "Essen to go" ein Bier auf dem Außengelände getrunken haben (wir berichteten), herrscht bei den Betreibern, die noch geöffnet haben, Verunsicherung. In der Verordnung heißt es: "Der Betreiber eines Gastronomiebetriebs hat sicherzustellen, dass der Außenbereich seines Betriebs nicht geöffnet ist und durch seine Kunden auch nicht genutzt wird." Daraufhin hat Rainer Tröster die Stehtische entfernt und den Picknicktisch aus Holz mit Absperrband versehen. Eine klare Botschaft an die Gäste, sollte man meinen. Doch nicht jeder versteht sie, hin und wieder wird diskutiert. "Manche haben sich da trotzdem noch ran gestellt und ihre Wurst gegessen." Sollten sie dabei von der Polizei erwischt werden, wäre das die teuerste Currywurst der Welt. Also hat der Familienvater den Tisch zusätzlich mit schwarzer Folie umwickelt.

Nun ist Rainer Tröster auf der sicheren Seite, hofft er. Denn wo bei einem Imbisswagen, der auf einem privaten Parkplatz steht, der Außenbereich endet, das ist schwer zu sagen. "Ich rufe häufig beim Bürgertelefon des Landkreises an, um mich zu informieren, wie jetzt genau die Vorgaben sind." Er zuckt mit den Schultern. "Da kann man mir meistens auch nichts Genaues sagen. Jeden Tag ändert sich etwas und alles ist sehr undurchsichtig."

Zumindest bei einer Sache ist er sich sicher: In ihren eigenen Autos dürfen die Gäste ihre Currywurst auch auf dem Parkplatz essen. "Ja, auf einem Parkplatz darf im Auto gegessen werden", bestätigt das Bayerische Gesundheitsministerium auf Anfrage. Wie genau der Verzehr auf vier Rädern ablaufen darf, darüber kursieren nur Gerüchte. "Mir wurde gesagt, man muss das Fenster einen Spalt weit hinunterkurbeln muss", meint Rainer Tröster. Warum und wie weit genau, das weiß er allerdings auch nicht.

Food-Box: Nicht jeder hat Verständnis

Während sie in der Küche die Bestellungen zubereiten, müssen die Mitarbeiterinnen in der Food Box auf dem Parkplatz des Karst Hagebaumarktes immer ein Auge auf den Gästebereich haben. Auch wenn ihr Chef keine Kosten und Mühen gescheut hat, den Imbiss mit Hinweisschildern und Abstandsmarkierungen aufzurüsten, halten sich nicht alle Kunden an die Vorgaben.

"Neulich hat gerade das Telefon geklingelt, als ich gesehen habe, wie ein Gast hier im Innenraum angefangen hat, zu essen", erzählt Sabina Barth. Sofort hat sie das Gespräch beendet, um den Gast darauf hinzuweisen, dass er im Imbiss nicht essen darf. Nicht jeder hat für die Vorschriften Verständnis. "Manche Gäste haben auch schon gesagt, dass sie dann hier nicht mehr essen und sind wieder gegangen", berichtet Mitarbeiterin Christine Brünnecke. Andere verzehren ihre Speisen direkt vor der Tür. Die Mitarbeiter befürchten eine saftige Strafe, sollten sie das zu spät bemerken. "Dabei finden wir das doch auch nicht mehr lustig, dass wir unsere Gäste regelrecht vertreiben müssen."

Als Ablage werden Mülltonnen, Fässer oder Einkaufswägen genutzt. Nicht nur, dass die Mitarbeiter ständig den Außenbereich im Blick behalten müssen, damit die Kunden dem Imbiss beim Essen nicht zu nahe kommen. "Das ist eine Zumutung", empört sich Geschäftsführer Harald Beetz. "Wir müssen die Leute durch Luken füttern als wären sie Schweine." Dass die Gäste ihre Speisen im Auto verzehren dürfen, ist für den Geschäftsführer nur ein schwacher Trost. Viele Stammkunden sind Rentner. Die kämen nicht nur wegen des Speisenangebots, sondern um mal rauszukommen und sich ein wenig zu unterhalten. "Da setzt sich keiner von denen ins Auto, um dann mit Plastikbesteck sein Schnitzel zu essen." Vielmehr kämen die Stammgäste einfach nicht mehr.

Die Wut über den zweiten Lockdown ist bei dem Gastronom groß. "Zweieinhalb Wochen sind die Bars und Restaurants jetzt schon wieder zu. Die Infektionszahlen gehen aber trotzdem nicht runter." Für Harald Beetz ist das der Beweis dafür, dass die Gastronomie kein Infektionsherd ist - und die Maßnahmen der Regierung nichts gebracht haben.

Anstatt Bars und Restaurants zu schließen und Milliarden in Soforthilfen zu stecken, hält es der Gastronom für sinnvoller, wenn der Staat in medizinische FFP2-Masken investiert und jeden Bürger damit ausstattet. "Diese Masken bieten nachweislich Schutz vor dem Virus. Warum tragen wir sie dann nicht?" Selbst am österreichischen Modell - einem kompletten Lockdown für drei Wochen, um die Neuinfektionen in den Griff zu bekommen und anschließend alle Einrichtungen wieder öffnen zu können - findet Harald Beetz inzwischen Gefallen. Alles sei besser als das Auf und Ab der vergangenen Monate.

Mc Donald's geht lieber kein Risiko ein

Zwar hat die Regierung bislang noch nicht verboten, im eigenen Auto zu essen. Das Fast-Food-Unternehmen Mc Donalds will trotzdem kein Risiko eingehen und hat die Parkplätze seiner Filialen gesperrt, wie die Kunden in Marktrodach bereits bemerkt haben. Lediglich eine Handvoll Stellplätze direkt vor dem Eingang zum Restaurant sind für die möglichst kurz gehaltenen Besuche reserviert.

Dürfen die Gäste Pommes und Burger nun nicht mehr auf dem Parkplatz essen? "Aktuell gelten strenge Kontaktbeschränkung und ein Abstandsgebot. Deshalb ist es nicht erlaubt, sich längere Zeit auf unseren Parkplätzen aufzuhalten, um dort sein Essen zu verzehren", erklärt ein Mc Donalds's-Sprecher. Damit sollen gleichzeitig Ansammlungen vermieden werden. "Wir möchten damit den besten Schutz für unsere Gäste und Mitarbeiter gewährleisten." Das bedeutet: Kurz parken, um sich sein Essen zu holen, ist erlaubt. Seinen Big Mac aber anschließend im Auto auf dem Parkplatz zu essen, derzeit nicht.