Die kleinen schönen Dinge des Lebens zu sehen und sich an ihnen zu erfreuen - darum geht es im Lied "Genau underm Himml". Mit dem so wunderbaren Stück beschloss am Mittwochabend der Songkünstler Wolfgang Buck sein Programm wie auch die diesjährige Kronacher Open-Air-Saison - "genau underm Himml". In Worte gefasste Poesie, so schön, so wahr und so berührend, dass einem wohltuende Schauer über den Rücken laufen.

Es sind herrliche Texte, die der Bamberger Liedermacher und Geschichtenerzähler uns Franken auf den Leib geschrieben hat. Für ihn ist Fränkisch "die" Sprache. Anders könnte er bestimmte Dinge nicht so gezielt auf den Punkt bringen: gerade über die Franken, die in seinen Liedern eine so große Rolle spielen.


Die Macken der Franken

Der Mundart-Lyriker, der seit rund 30 Jahren auf der Bühne steht, kokettiert mit seiner fränkischen Herkunft. Detailliert schildert er die "kleinen" Eigenheiten und Macken seiner "Landsleute" - humorvoll, spitzzüngig, frech, aber immer auf sehr liebevolle Art und Weise. Man könnte sich wohl keinen besseren Botschafter vorstellen als den evangelischen Pfarrer und "notorischen" Clubanhänger, der Fans in ganz Deutschland hat. Für alle hat der 1958 geborene Sänger und Musiker gesungene Botschaften und Lebensweisen im Gepäck.

Dabei bringt er auch die Schattenseiten des Lebens, die er selbst nur zu gut kennt, ein - so in dem Lied "Alles hinterlässt Schburn", eines der beeindruckendsten Stücke seiner aktuellen, mittlerweile bereits 12. CD "Des Gwärch und des Meer".


Das "hausgemachte" Gehetze

Tiefgründig und lebensnah singt er in seinem gleichnamigen Soloprogramm vom - oftmals "hausgemachten" - Gehetze, Gerenne und Leistungsdruck ("Gwärch") unserer Zeit und bringt zugleich seine Sehnsucht nach "Meer" zum Ausdruck: Er besingt dabei Orte, an die man sich sehnt: das Meer, die wärmende Sonne, sanft dahinziehende Wolken, dahinplätschernde Flüsse. Es sind Texte, bei denen man ganz genau zuhören muss. Texte, die unser aktuelles Zeitgeschehen ebenso zum Thema machen, klar Stellung beziehen wie "Flüchtlingskinder"; aber auch scheinbar banale Alltagsdinge und Alltagsbeobachtungen. Hierzu zählt auch der Besuch beim Zahnarzt, wobei ihm Bohrer und Skalpell kaum etwas ausmachen, wohl aber dessen endloser Monolog, dem er mit Klammer und Watte im Mund nichts entgegen zu setzen hat: "Wenn's weh dud, sohngsis fei" über.

Wolfgang Buck, der im Landkreis Fürth aufgewachsen ist und in Erlau (Gemeinde Walsdorf) bei Bamberg lebt, ist Franke mit Leib und Seele und in seiner Schaffenskunst ungemein vielseitig. Er ist ebenso lyrischer Seelenstreichler wie witziger Stimmungsmacher, der die Dinge des Lebens ironisch und manchmal durchaus ein bisschen böse auf den Punkt bringt, all den Wichtigmachern und Sprücheklopfern den Kampf ansagt und den Leuten die Wahrheit kundtut - so wie bei "Wenni scho siech wi bleed der schaud" oder "Dohie wu er will". Es gibt wohl dabei kaum ein Thema, das Buck nicht in einem Lied verarbeiten könnte - laut oder leise, aber stets authentisch, ehrlich und echt!

Egal ob spaßig oder gefühlvoll: In allen seinen Songs, viele davon mit Ohrwurmcharakter, klingen Hoffnung und Optimismus mit. Bei alledem ist er ein toller Sänger und versierter Musiker mit einem varianten Gitarrenspiel mit Jazz-, Soul-, Blues- und Rockeinschlägen. Er liebt den Kontakt mit dem Publikum, sucht ihn auf Augenhöhe. Auch das ist sicherlich eine Liebeserklärung an seine Landsleute und fränkische Heimat, die in jedem Titel zum Ausdruck kommt: "Su kammers aushaldn" - eine einzige Hommage an das Leben und gegen die krankmachende Hektik unserer Zeit, und das alles, als Sahnehäubchen, in der schönsten "Sprache" der Welt: "Fränkisch!".


Hommage an den Schweinebraten

Abschließend noch ein gut gemeinter Tipp: Hungrig sollte man keines seiner Konzerte besuchen, denn die deftige fränkische Küche kommt immer wieder in den Liedern des Songpoeten vor, der scheinbar kein Kostverächter ist. Ein Lied über Schweinebraten mit Wirsing und Klößen wie "Des vom Schweinebrodn" zur Poesie werden zu lassen, ist schon echte Kunst. Eine kleine Kostprobe: "Schwarte und Kruste zersplittern zart auf meiner Zunge, Knoblauch und Kümmel treffen sich im Schweinehimmel".

Mit großem Beifall bedankten sich die Gäste beim in vielerlei Beziehung außergewöhnlichen Künstler für ein ebenso außergewöhnliches Konzert voller Poesie und lang nachwirkender Musik, die man mit nach Hause nimmt. Ein Glück, des Fränkischen mächtig zu sein. Es wäre schade um jedes Wort gewesen, das man nicht verstanden hätte.

Veranstalter Rainer Ludwig hatte die Gäste eingangs willkommen geheißen. Mit dem Open Air auf der Festung habe man Neues schaffen wollen; so sei die Idee geboren. Er dankte Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein, der sich auch unter den Besuchern befand, für dessen Unterstützung sowie der Sparkasse Kulmbach-Kronach als Sponsor. Er hoffte, das Open Air im kommenden Jahr fortführen zu können.