Eltern, deren Kinder einen erhöhten Förderbedarf haben, stehen häufig vor der Frage, ob ihr Sprössling besser in einer Förderschule aufgehoben ist oder nicht doch eine Regelschule besuchen kann. Eine unabhängige Anlaufstelle, die in solchen Fällen als Wegweiser dienen kann, fehlte bislang im Landkreis. Seit dem laufenden Schuljahr hat sich dies geändert. Wer Antworten auf solche Fragen sucht, kann sich an die unabhängige Beratungsstelle für Inklusion wenden, die in Küps beheimatet ist.

Wie Schulamtsdirektor Uwe Dörfer verdeutlichte, gibt es für Oberfranken zwar in Hof eine Schulberatungsstelle, die ist aber vom Schulort räumlich zu weit weg. Deshalb ist der Wunsch nach einer unabhängigen Beratungsstelle für Inklusion laut geworden. Und eben dieser Wunsch wurde nun erfüllt.

Gutes Netzwerk

"Eltern haben damit den Vorteil, nicht viele verschiedene Stellen anlaufen zu müssen, wenn es darum geht, ob ihr Kind eine Förderschule oder Regelschule besuchen soll", betont der Schulamtsdirektor und verweist auf das gute Netzwerk der Einrichtung. Küps sei deshalb als Standort ausgewählt worden, weil dort die Schulpsychologin des Schulamtes ihren Sitz hat.

Schulpsychologin und Beratungsrektorin Martina Schönberger sowie die beiden Studienrätinnen im Förderschuldienst, Nina Kolb und Nadine Hager, bilden das Team der Beratungsstelle. "Das sind Profis, die Eltern neutral und unabhängig beraten, welcher Weg fürs Kind am besten ist", betont Dörfer.

"Wichtig ist, dass wir unabhängig von den Schulen sind. Eltern erhalten bei uns eine neutrale Beratung - ergebnisoffen und individuell", erklärt Martina Schönberger, die auf die zahlreichen Kontakte beispielsweise zum Sozialpädiatrischen Zentrum in Coburg, zum Mobilen Sonderpädagogischen Dienst oder auch zum Jugendamt und zu Lehrkräften verweist. "Wir können in alle Richtungen Kontakte knüpfen", verspricht Schönberger, die mit ihrem Team nach einem Grundsatz handeln will: "Es ist wichtig, dass man schaut, was das Kind braucht - und nicht, was es hat."

"Eltern wissen oft nicht, wohin sie sich wenden können. Wir helfen, dass der Dschungel durchschaubarer wird", verdeutlicht Nina Kolb. Am Ende sollen schließlich die Eltern im Idealfall entscheiden können, welcher Weg für ihre Kinder am besten ist.

Und Nadine Hager ergänzt, dass die Beratungsstelle nicht nur von Eltern, sondern auch von Erziehern, Lehrern oder auch Mitglieder der Schulleitungen in Anspruch genommen werden könne - und das jederzeit kostenlos, vertraulich und neutral.

Profilschule

Wie Uwe Dörfer verdeutlicht, nehme die Inklusion, also die soziale Teilhabe, im Schulwesen eine immer größere Rolle ein. So sei mittlerweile jede Schule eine Inklusionsschule. Davon zu unterscheiden sind allerdings so genannte Profilschulen für Inklusion, von denen es zwei im Landkreis Kronach gibt: die Grundschule Teuschnitz und die Lucas-Cranach-Schule in Kronach. Sie zeichnen sich durch den Einsatz einer Förderschulkraft aus und unterrichten mindestens zehn Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Die Inklusion gibt laut Dörfer vor, dass die Eltern über den Lernort ihres Kindes entscheiden können. Aber: "Inklusion hat auch Grenzen. Eltern haben kein uneingeschränktes Recht, ihr Kind an einer Schule zu lassen." Wenn es andere in deren Rechten stark beeinträchtige, weil es verhaltensauffällig sei und in seiner eigenen Entwicklung nicht vorwärts komme, dann könne ein Kind einer Schule zugewiesen werden. In diesem Fall treffe das Schulamt die Entscheidung.

Insgesamt unterstrichen alle Beteiligten, dass es bei der sozialen Teilhabe in erster Linie darum gehe, Menschen nicht aus ihrem sozialen Umfeld zu reißen. Allerdings wurde in dem Pressegespräch auch deutlich, dass die Inklusion von der Gesellschaft insgesamt noch recht stiefmütterlich behandelt werde. "Da gibt es einen großen Nachholbedarf", betonte Dörfer.