Der Wechsel an der Spitze des Wasserversorgers war im vergangenen Jahr unumgänglich, weil bekannt wurde, dass unter anderem für die Sanierung der maroden Leitungen ein Investitionsvolumen von 65 Millionen Euro benötigt wird. Zuvor war immer von 35 Millionen Euro die Rede.

Der CSU-Politiker Jürgen Baumgärtner hat sich den Herausforderungen gestellt. Er spricht über gesetzte Ziele und der Verantwortung gegenüber einer bezahlbaren Wasserversorgung für alle Bürger.

Sie blicken zurück auf ihre letzten Monate als Vorsitzender des Zweckverbands Wasserversorgung Frankenwaldgruppe (FWG). Was fällt Ihnen spontan dazu ein?
Jürgen Baumgärtner: Es gibt Dinge, die macht man im Leben nur einmal. Die Übernahme des Vorsitzes des Zweckverbands Wasserversorgung Frankenwaldgruppe (FWG) gehört definitiv dazu. Den Zweckverband zu leiten und zu sanieren ist eine große Aufgabe. Ich habe mich dieser Aufgabe gestellt, nachdem ich parteiübergreifend darum gebeten wurde und ich denke, dass man sich als verantwortlicher Politiker in der Region nicht wegducken sollte.

Mit welchen Aufgaben mussten Sie sich beschäftigen?
Die Aufgaben als Vorsitzender des Zweckverbands sind vielfältig. Sie beginnen bei der personalen Verantwortung, wie beispielsweise die Suche nach einem Geschäftsleiter, sie führen weiter über das Lesen, Auswerten und Beurteilen von Angeboten der Baufirmen und das Gestalten von Ingenieurverträgen. Auch der Dialog mit den Bürgern sowie das Moderieren und Zusammenführen innerhalb des Entscheidungsgremiums der FWG gehört dazu.

Ist der Job schwieriger, als Sie es sich vorgestellt haben?
Die Aufgabe ist in der Tat fordernder, als ich es für möglich gehalten habe. Ich bin aber dankbar, dass die Zusammenarbeit mit meiner Stellvertreterin Susanne Grebner ganz hervorragend ist. Die Stimmung und das gemeinsame Miteinander im Gremium sind herausragend konstruktiv. Dies ist die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft der FWG mit dem Ziel, den Zweckverband so zu übergeben, dass es nachhaltig für die nächste Generation ist. Es ist die Aufgabe meiner Generation für die zukünftige Generation zu sorgen. Ich bin sicher, dass wir diese Aufgabe gemeinsam erfolgreich meistern werden.

Wie ist der aktuelle Stand? Welche Maßnahmen werden durchgeführt?
Wir haben in verschiedenen Bereichen des Versorgungsnetzes des Zweckverbandes bereits mit Maßnahmen begonnen. Wir bauen zum Beispiel in Langenau und in Steinberg. Wir haben zudem bereits unzählige Verbesserungen unter anderem in Windheim durchgeführt. Es gibt jetzt eine Rohrbruchstatistik. Wir haben analysiert, in welchen Bereichen die Rohrbrüche am häufigsten sind. Mit Hilfe dieser Rohrbruchstatistik werden wir die weiteren notwendigen Sanierungen im Leitungsnetz sukzessive in den kommenden Jahren abarbeiten. Bei der Fernleitung haben wir das erste Maßnahmenpaket bereits europaweit ausgeschrieben, mit dem Ziel die sanierte Fernleitung im Jahr 2019 einzuweihen. In der Summe bleibt festzuhalten, dass sich das Schiff Frankenwaldgruppe mit langsamer Geschwindigkeit in Richtung ruhige See bewegt.

Ziehen Sie das Fazit, dass die jetzige Situation hätte vermieden werden können?
Es bringt nichts zurückzublicken oder Schuld zuzuweisen. Ich denke, die ehemals Verantwortlichen wollten auf ihre Art sicherlich nur das Beste für die Bürger. Ich denke aber auch, solche Situationen vermeidet man, wenn man bereit ist, den Menschen auch vermutlich unpopuläre Sachverhalte darzulegen, die Situation zu erklären und Lösungen aufzuzeigen. Solche Situationen vermeidet man weiterhin, wenn die Aufsicht führenden Behörden auch bereit sind, dann konsequent einzuschreiten, wenn es geboten ist.

Was sind Ihre Ziele bezüglich der Frankenwaldgruppe?
Meine Ziele beruhen auf den zwei Säulen Versorgung und Verwaltung. Bei der Versorgungssäule geht es darum, die Fernleitung bis Ende 2019 im vorgegebenen Kostenrahmen fertigzustellen, schrittweise die Wasserleitungen im Bereich der Rohrbruchschwerpunkte sowie alle Ortsnetze zu erneuern. Weiterhin arbeite ich daran, den Zweckverband organisatorisch so aufzustellen, dass er zukunftsfähig ist, das heißt die FWG soll perspektivisch auch wachsen. Verwaltungstechnisch muss die FWG als Härtefall anerkannt werden, um entsprechende Fördermittel zu erhalten. Als Ziel bleibt formuliert, dass der Wasserpreis mittelfristig im bayerischen Durchschnitt liegen muss. Wasser muss für alle bezahlbar bleiben.

Wann müssen die Leute mit ihren Bescheiden rechnen?
Ich gehe davon aus, dass wir im ersten Quartal 2017 die ersten Bescheide verschicken. Es bleibt bei der Aussage, dass circa 5000 Euro pro Haushalt für die Wasserversorgung in einer Generation aufzubringen sind.

Nach welchen Kriterien werden diese berechnet?
Die Bescheide werden nach Geschoss- und Grundstücksflächen berechnet. Das ist gängige Praxis, nicht nur im Landkreis, sondern in ganz Bayern.

Wie viele Stunden haben Sie ungefähr verbracht, um die Kommunalpolitiker von Ihrem Sanierungsweg zu überzeugen?
Mehr als ich am Anfang dachte, denn die Ziele und Maßnahmen waren vor meiner Wahl an die Spitze der FWG bekannt. Deswegen war ich sehr verwundert, dass es nach meiner Wahl zum Vorsitzenden diese teilweise langwierigen Diskussionen bedurfte. Ich habe in der Tat viele Stunden damit verbracht, Kommunalpolitiker davon zu überzeugen, dass es so wie es bisher war, nicht weitergehen kann. In den meisten Gremien ist mir das gelungen.

Wie viele Rohrbrüche waren es in diesem Jahr?
Wir haben mit dem Rohrbruch einer 200er Leitung im Ortsteil Steinberg in diesem Jahr den 32. Rohrbruch zu beklagen.

Sie haben einmal gesagt, dass das Wassergeld in diesem Jahr für die Reparaturen von Rohrbrüchen drauf geht?
Das lässt sich leicht berechnen. Die Reparatur eines Rohrbruchs ist im Verhältnis signifikant teurer als die Sanierung einer Wasserleitung. Bei 32 Rohrbrüchen mit durchschnittlichen Kosten in Höhe von 5000 Euro kann man rechnen, dass die Einnahmen durch die Wassergebühren für die Reparaturen aufgebraucht werden. Ich gehe aber davon aus, dass sich die Anzahl der Rohrbrüche im Zuge der Sanierung verringern wird, so dass die Frankenwaldgruppe perspektivisch wieder gesundet.

Was sehen Sie das als Lösung für die künftige Wasserversorgung?
Die Wasserversorgung der Zukunft wird sich hauptsächlich auf den Wasserlieferanten FWO stützen. Die Einheiten im Landkreis Kronach müssen aus Kostensicht größer gefasst werden. Das betrifft nicht nur die Frankenwaldgruppe. Ich strebe die Fusionierung mit anderen Zweckverbänden an. Die Wasserlieferungen durch die FWO sollen zukünftig auch durch eigene Quellen ergänzt werden.

Das Gespräch führte
Veronika Schadeck
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