"Sagen sie einfach Frau Stamm, ohne Landtagspräsidentin", sagt Barbara Stamm in Richtung ihres Publikums. Die laut Umfragen beliebteste Politikerin Bayerns präsentierte sich auch in Küps so, wie man sie kennt: bodenständig, emotional, mitreißend und sehr direkt.


Stimmungsvolles Ambiente


Bei ihrem Gastbesuch im Landkreis nahm sie sich auch Zeit für ein "Kamingespräch" im stimmungsvollen Ambiente des Jagdsaals im Neuen Küpser Schloss. Danach "mischte" sie sich unter die Basis und ließ sich einen leckeren Multi-Kulti-Imbiss - zubereitet von Küpser Schülern aus verschiedenen Ländern - schmecken.

"Willkommen in Bayern? Integrationspolitik im Freistaat" - unter diesem Motto stand das "Kamingespräch". Der Kamin wurde zwar nicht angeschürt, da wären wohl auch einige Gäste im proppenvollen Jagdzimmer "geröstet" worden, aber zumindest beleuchtet.


"Das Thema beschäftigt die Menschen"


FU-Kreisvorsitzende Mathilde Hutzl freute sich über den guten Zuspruch. "Das Thema beschäftigt die Menschen", meinte sie. Medien berichteten von Flüchtlingsströmen, Kundgebungen und Demonstrationen oder menschenunwürdigen Bedingungen in Wohnheimen. Auch in Kronach sei der Aufschrei groß gewesen, als es hieß, dass Flüchtlinge in der Dreifachturnhalle untergebracht werden sollten. Hutzl zitierte Stamms Appell: "Wir dürfen niemals zulassen, dass Hass und Fremdenfeindlichkeit Einzug in Bayern halten. In der Flüchtlingsfrage stehen wir alle gemeinsam in der Verantwortung, unseren Beitrag zu leisten."

"Das Zitat hat mir viel Ärger eingebracht", gestand die CSU-Politikerin ein. Viele E-Mails, die sie erreichten, und auch Pegida-Kundgebungen sprächen eine andere Sprache. Man dürfe aber nicht alle Demonstranten in einen Topf werfen, sondern müsse die Ängste der Menschen ernst nehmen, die von Rechtsradikalen für ihre fremdenfeindlichen Zwecke missbraucht werden, sagte Stamm.


Bevölkerung muss mitmachen


Das Problem sei nicht neu. Bereits Mitte der 1990er Jahre habe es bedingt durch den Krieg im ehemaligen Jugoslawien eine starke Flüchtlingswelle gegeben. "Die Welt brennt, die Entwicklung wird nicht zurückgehen", zeigte sie sich sicher. Die Frage sei, "was wir in Bayern leisten können und in wieweit die Bevölkerung bereit ist mitzumachen". Dass Deutschland gerade auch aufgrund seiner Geschichte in der Verantwortung stehe, sei unbestritten.

Die Armutsbewältigung müsse aber zur gemeinsamen europäische Aufgabe werden und nicht nur die einzelner Länder. In Bayern lebten derzeit 2,35 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Der Anteil der Kinder in Kitas und Schulen werde immer größer. Hier müsse man Hilfe leisten. Die Schlüssel zur Integration seien die Sprache und die Bildungsgerechtigkeit.


Ein Drittel der Menschen lebt in absoluter Armut


Elmar Jonas vom Fachdienst für Migration und Integration berichtete aus der Praxis. Die Problematik in den Balkanstaaten resultiere seiner Meinung nach aus einer mangelnden Integration der Roma-Bevölkerung. Im Kosovo lebe ein Drittel der Menschen in absoluter Armut. Hinsichtlich der Flüchtlingsströme erlebe er eine Welle der Hilfsbereitschaft. "In den 25 Jahren, in denen ich in diesem Bereich tätig bin, habe ich noch nie einen dermaßen großen Zuspruch erlebt", freute er sich.

Durch die anschließende lebhafte Diskussion führte die Ortsvorsitzende der FU Küps, Ursula Eberle-Berlips. Der Weißenbrunner Bürgermeister Egon Herrmann (SPD) betonte, dass Sozialpolitik und Asylpolitik zusammen gehörten. Hinsichtlich der Unterbringung meinte er: "Je kleiner und überschaubarer, desto besser." Die Bereitschaft zur Hilfe sei da, man dürfe aber die Ehrenamtlichkeit nicht überstrapazieren. Städte bekämen ganze Krippengruppen und Schulklassen mit Flüchtlingen. Entsprechendes Personal werde aber nicht zur Verfügung gestellt.


"Wir reagieren nicht schnell genug"


"Wir reagieren nicht schnell genug" , pflichtete ihm Stamm bei. Beim Zoll entstünden 1600 neue Stellen, um die Einhaltung des Mindestlohns zu überprüfen. Ihrer Forderung nach einer Stellenmehrung, um Asylverfahren schneller über die Bühne bringen, werde dagegen nicht entsprochen. "Da bin ich so sauer", ärgerte sie sich.
Stockheims Bürgermeister Rainer Detsch (Freie Wähler) forderte mehr Transparenz. "Nur Transparenz baut Ängste ab. Was ich nicht kenne, macht mir Angst", sagte er. Dass Jugendliche bei uns eine Ausbildung machen dürften, sei Entwicklungspolitik in ihrer reinsten Form.

Die Küpser Schulleiterin Silvia Krüger meinte, dass es Flüchtlingsfamilien gebe, in denen kein Wort Deutsch gesprochen werde. Die Stunden für die Sprachförderung der Kinder reichten nicht aus. Stamm sah dies genauso. Leider brauche man in Deutschland für alles eine Zertifizierung. Die Regelungen seien starr. Man könnte das viel einfacher vor Ort erledigen, wenn man dies den Schulleitern überlasse und ihnen ein bestimmtes Budget dafür zur Verfügung stelle.

"Eigentlich müssten sich doch die Kommunen um die Asylanten reißen", meinte der 2. Bürgermeister von Küps, Bernd Rebhan (CSU), und sprach damit den demografischen Wandel an. Hier gebe es durchaus leuchtende Beispiele wie Ludwigsstadt, freute sich Elmar Jonas.

Ursula Eberle-Berlips fasste die Ergebnisse zusammen: "Flüchtlinge sind in Bayern willkommen, in der Handhabung gibt es jedoch noch viele Mängel."