Zugreisende am Kronacher Bahnhof haben drei Möglichkeiten ihre Fahrkarten zu kaufen: entweder am Ticketautomaten, im Internet oder am Schalter der DB-Agentur. "Der Verkaufsschalter ist für mich noch ganz, ganz wichtig", sagt eine Kundin, die gerade ihre Fahrkarte nach Bamberg gekauft hat. "Ich schätze den persönlichen Kontakt und kaufe regelmäßig hier am Schalter", sagt die Kronacherin. Doch die Verkaufsstelle hat mit vielen Problemen zu kämpfen.


Online-Tickets nehmen zu

Immer mehr Bahnfahrer kaufen ihre Tickets online. Laut Deutscher Bahn wächst der Online-Vertrieb in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Bereits 35 Prozent aller Fahrkarten werden im Internet gekauft (vergleiche Infobox).

Das merkt auch das Bahn-Touristik-Reisebüro (BTR), das den Verkaufsschalter in Kronach betreibt. "So eine kleine Agentur wie Kronach hat ihre Probleme die Kostendeckung zu erhalten", sagt Christian Gloël, der Inhaber von BTR. Er betreibt auch den Verkaufsschalter in Haßfurt. In Kronach beschäftigt er vier Mitarbeiter.


Provisionen wurden weniger

Die Deutsche Bahn habe ihm zum ersten Januar die Provision auf verkaufte Tickets um 10 Prozent gekürzt. Ein Sprecher der Deutschen Bahn bestätigte infranken.de: "Zum Jahreswechsel hat die Deutsche Bahn mit den Agenturbetreibern ein neues Provisionskonzept vereinbart, das aber für die meisten Agentur-Betreiber zu Verbesserungen geführt haben sollte."

Durch die Provisionskürzungen würden ihm rund 1000 Euro im Monat fehlen. "Dadurch sind wir jetzt faktisch im Minus, wenn wir Haßfurt nicht hätten. Dort stehen wir wesentlich besser da. Ohne Haßfurt könnte ich von heute auf morgen zu machen", sagt Gloël. Er verhandelt aktuell mit der Deutschen Bahn über höhere Ausgleichszahlungen wegen den Veränderungen.


Kein Rabatt mehr in Kronach

Aus wirtschaftlichen Gründen habe er vor kurzem einen individuellen Rabatt auf die Bayerntickets streichen müssen. Drei Jahre lang hatte er sich geweigert, zwei Euro Aufschlag zu verlangen, den die Deutsche Bahn auf Bayerntickets, die am Schalter gekauft werden, vorschreibt. "Die zwei Euro sind eine Strafe für den Kunden, die habe ich aus eigener Tasche draufgelegt", ärgert er sich. Das seien in den vergangenen drei Jahren insgesamt 20 000 Euro gewesen, den die Kronacher Bahnfahrer gespart hätten.

Eine davon war Carin Bülling, die sich über den plötzlichen Aufschlag wunderte. "Am Automaten müsste ich weniger bezahlen, sagte mir der Mitarbeiter", erinnert sich die Stadträtin. Doch sie habe in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit dem Ticketautomaten gemacht. Nach dem Gespräch mit dem BTR-Mitarbeiter, habe sie nun die Befürchtung, dass der Schalter irgendwann wegfällt. "Den Kundenservice sollten wir uns bewahren. Wir sind immerhin eine Kreisstadt", sagt Bülling.


Appell an Landrat und Stadt

Um als DB-Agentur weiter bestehen zu können, möchte Christian Gloël die Öffnungszeiten reduzieren. Die staatliche Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) schreibe ihm aber vor, mindestens 50 Stunden in der Woche geöffnet zu haben. Gloël fände 37 bis 40 Stunden wöchentlich angemessener.

Deswegen hat er vor vier Wochen in einem Schreiben an den Landrat und an den Bürgermeister appelliert. "Damit sie ihren nicht unerheblichen Einfluss bei der BEG geltend machen", erklärt er. Denn laut Gloël seien die Öffnungszeiten für die Region wirtschaftlich nicht zu leisten.

Auch die Fahrplanänderungen durch den ICE-Ausbau machen ihm Sorge, denn die Deutsche Bahn gehe auf die Neubaustrecke und kürze so das Angebot in Kronach. Der Reisebüro-Inhaber hat in Kronach noch einen Vertrag für drei Jahre, den er im Notfall kündigen kann.

"Ich bin viel zu sehr Eisenbahner, um die Segel zu streichen. Wenn wir dicht machen, muss die Bahn schauen, wen sie bekommt", bekräftigt Gloël.


Videozentrum als Alternative

Der Sprecher der Deutschen Bahn in München erklärt, dass in Kronach ein sogenanntes Video-Reisezentrum eine mögliche Alternative wäre. Dabei wird der Zugreisende über Bildschirm, Mikrofon und Lautsprecher mit einem Bahnmitarbeiter verbunden.

So ein Video-Reisezentrum gibt es zum Beispiel bereits in Neustadt bei Coburg. Die Bahnkundin in Kronach hält davon nichts: "Es ist der Umgang von Mensch zu Mensch, den ich schätze. Ich wäre traurig, wenn es keinen Schalter mehr gibt, da möchte ich nicht darauf verzichten."


Infobox: DB-Verkaufsstellen

Reisezentren DB Reisezentren werden von der Deutschen Bahn mit eigenen Mitarbeitern betrieben. Sie machen laut DB Vetrieb 17,3 Prozent der Einnahmen aus.

Automaten Kunden kaufen selbstständig ihre Tickets. Sie müssen Tarif und Verbindung eigenhändig auswählen. Rund jeder vierte Kunde kaufte 2016 am Automaten.

Agentur DB-Agenturen sind selbstständige Vertriebspartner der Bahn. 8,3 Prozent der Einnahmen kamen durch Agenturen zu Stande.