Im Fall der acht Babyleichen von Wallenfels (Landkreis Kronach) wird bald die Anklageschrift fertig sein. Laut Auskunft der Coburger Staatsanwaltschaft soll diese bis Mitte März vorliegen.

Zunächst müsse allerdings noch auf eine Stellungnahme der Verteidiger der Mutter gewartet werden. Die Frau (45) sitzt seit Mitte November in U-Haft. Sie hatte gestanden, Säuglinge lebend geboren und umgebracht zu haben, und war am 13. November in einer Pension in Kronach festgenommen worden.

Nach den Obduktionen von Erlanger Rechtsmedizinern sollen sechs der acht Neugeborenen von ihrer Entwicklung her lebensfähig gewesen sein. Wie die Babys ums Leben kamen, ist auch nach dem Bericht aus der Rechtsmedizin nicht klar.

Alle Säuglinge stammten vom selben Vater - dem Ehemann der Kindsmutter. Das hätten DNA-Untersuchungen ergeben. Lange Zeit bestand auch gegen den Mann ein Tatverdacht, dass er die Schwangerschaften seiner Frau bemerkt haben müsse, die aber nie zu einer Geburt führten.

Laut Informationen dieser Zeitung sollen die Ermittlungen gegen den Kindsvater eingestellt werden. Hintergrund: Es würden Zeugenaussagen von Wallenfelser Bürgern existieren, aus denen hervorgehe, dass man der Frau ihre Schwangerschaften nicht angesehen habe.

Außerdem ergaben Untersuchungen der Tücher und Folien, in denen die toten Säuglinge eingewickelt waren, keinerlei Hinweise auf eine Beteiligung des Vaters - weder Fingerabdrücke noch DNA-Spuren seien darauf gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft wollte diese Spekulationen zunächst nicht bestätigen.

Fakt ist: Der Vater wohnt weiter zusammen mit drei schulpflichtigen Kindern in dem Haus, in dem die Leichen der Säuglinge in einem Abstellraum lagen.

Zu seinem möglichen Wissen von den mutmaßlichen Morden hat der gelernte Metzger lange geschwiegen. Bereits Ende Januar hatte die Sonderkommission "Schlossberg" ihre Ermittlungen in diesem Fall, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte, abgeschlossen.

Annähernd 40 Vernehmungen und umfangreiche Durchsuchungsmaßnahmen sowie die Auswertung der rund 100 gesicherten Spuren hatten die Kripo-Beamten durchgeführt. Dabei habe sich der dringende Tatverdacht gegen die Mutter der Babys wegen Mordes in einer Vielzahl von Fällen erhärtet.

Unklar bleibt das Motiv der mutmaßlichen Täterin: In ihren ersten Aussagen ohne einen Verteidiger an ihrer Seite soll sie darüber gesprochen haben, die Ermittler aber schweigen, was die Frau dabei erklärte. Ein psychiatrisches Gutachten der Beschuldigten wurde von Experten erstellt. Das wird eine wichtige Rolle spielen, inwieweit die Frau als schuldfähig gilt.