"In der Heimat wohnen - selbstbestimmtes Leben im Koberhaus - hohe Lebensqualität auch im Alter." Wenn man die neuen Flyer sieht, die für das Projekt "In der Heimat wohnen" im "Koberhaus" werben, und man das ortsbildprägende Haus in der Ortsmitte von Steinwiesen kennt, wundert man sich zuerst einmal: War das nicht immer das Gerberhaus? Ein Name, der durch die früheren Bewohner, "die Gerber", geprägt wurde. Aber das Gebäude erfährt gerade sozusagen eine "Neuauferstehung", es wird eigentlich zum Allgemeingut.

Erworben und ausgebaut wurde und wird es von dem Unternehmer Rainer Kober. Und aus diesem Grund kam der Antrag einer bekannten und beliebten älteren Bürgerin, dieses Projekt von Gerberhaus in Koberhaus umzubenennen. Ihrer Meinung nach hat Rainer Kober schon so viel für den Ort getan, dass ihm diese Namensgebung zustehen würde. Und deshalb wird man in Zukunft "In der Heimat im Koberhaus wohnen".

"Ich freue mich sehr, dass dieses Gemeinschaftsprojekt Wirklichkeit wird, und danke allen Unterstützern recht herzlich", betont Rainer Kober immer wieder.

Die Gemeinschaftsinitiative von Rainer Kober, dem Markt Steinwiesen und dem Caritasverband für den Landkreis Kronach soll den Bürgern ermöglichen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu leben.

Neun Wohnungen sind in dem Gebäude entstanden; im Erdgeschoss befinden sich zwei kleine Wohnungen, im ersten Stock vier Wohnungen. Das großzügige Dachgeschoss beherbergt ebenfalls drei Wohnungen. Für den Dachgarten, der einen herrlichen Blick über die Dächer von Steinwiesen und den Flusslauf der Rodach bietet, hat Rainer Kober eine zusätzliche Wohnung geopfert, was sich aber wirklich gelohnt hat.

Alle Wohnungen barrierefrei

Die Wohnungen sind alle barrierefrei, auch barrierefrei erreichbar und mit 35 bis 65 Quadratmetern für jeden geeignet. Eine Küchenzeile, ein Bad, ein kleiner Abstellraum und ein Kellerraum vervollständigen die Wohnungen. Hochwertige Materialien, die im Frankenwald an erster Stelle stehen, werden hier verbaut, vornehmlich Holz- und Schieferoptik.

Als Highlight wird das nahe Gartengrundstück, der "Postgarten" bezeichnet, den der Investor ebenfalls erworben hat und zu einem Treffpunkt für Jung und Alt ausbauen will. "Da das Gerberhaus außer dem Dachgarten, kein Grün dabei hat, ist dies eine sehr gute Lösung", betont Kober.

Was die Nachfrage nach den Wohnungen betrifft, so stünden bereits viele Anfragen im Raum. Kober bemerkte, dass ungefähr die Hälfte aus Steinwiesen und dem Umfeld komme, aber die andere Hälfte sich aus Menschen zusammensetze, die - in ganz Deutschland verstreut - im Alter gerne wieder in die Heimat zurückkommen würden.

Und nun kommt das Quartiersmanagement der Caritas ins Spiel. Quartiersmanagerin Janet Januszewski wird hier in einem Büro vor Ort Ansprechpartnerin für jegliche Belange der Bewohner und der Bürger von Steinwiesen sein, was das Projekt "In der Heimat wohnen" betrifft.

Januszewski betont, dass vier der Wohnungen als geförderte Sozialwohnungen angeboten würden. Dadurch könne sich auch jemand eine barrierefreie Wohnung leisten, der sonst vielleicht keine Chance hätte. Im Gegensatz zu anderen Initiativen für betreutes Wohnen entstünden hier neben den Mietkosten keine generellen Betreuungspauschalen. Nur wer eine Betreuung, in welcher Form auch immer, benötigt, bekomme sie hier auf sich individuell zugeschnitten und zahle auch nur dafür.

Rainer Kober führte aus, dass die Zielsetzung, den Wohnraum in Steinwiesen attraktiver zu gestalten, mit dem Ausbau dieses Objektes in greifbare Nähe gerückt sei. Das ortsbildprägende Gebäude biete dafür beste Voraussetzungen.

Was "In der Heimat wohnen" eigentlich bedeutet, erklärte die Geschäftsführerin der Caritas, Cornelia Thron, die per Videoübertragung zugeschaltet wurde. Dieses Projekt werde in der Erzdiözese Bamberg seit zehn Jahren betrieben und in der Stadt Teuschnitz sogar noch länger. Man habe hier Wohnungen und Soziales zusammenbringen wollen. Sie dankte dem Markt Steinwiesen, dass er sich nach Ablauf der Fördermittel an den Kosten für das Quartiersmanagement beteiligt.

Janet Januszewski erklärte die vier Komponenten, die für dieses Projekt stehen: zu Hause leben, effizient vernetzen, jederzeit versorgt sein und eine lebendige Nachbarschaft.

Es könnten Stammtische entstehen und Selbsthilfegruppen oder andere soziale Kontakte aufgebaut werden. Im Erdgeschoss des Koberhauses hinter der großen Fensterfront gebe es einen Gemeinschaftsraum mit einer kleinen Küche, der als Treffpunkt für die Bewohner, aber auch für alle Bürger dienen werde. Hier könnten auch Geburtstagsfeiern der Bewohner, Veranstaltungen oder Sonstiges möglich gemacht werden.

Digitales Gesundheitsdorf

Beratung und Hilfe auch in Bezug auf das digitale Gesundheitsdorf, das als Versuchsprojekt in den drei Kommunen Steinwiesen, Nordhalben und Wallenfels mit sieben Haushalten anlaufen werde, gebe es ebenfalls in der Beratungsstelle im Koberhaus. Janet Januszewski steht hier mit Rat und Tat zur Seite. Die Beratung zu den Assistenzsystemen, den digitalen Hilfsmitteln, zur Finanzierung sowie zur Inbetriebnahme werden dann dort erfolgen. Die Technologien können somit vor Ort erprobt werden.

Laut Bürgermeister Gerhard Wunder ist das ganze Gebiet der digitalen Gesundheitsversorgung Neuland. Aber es diene gerade der Entlastung der Pflegenden, immer in Rückkopplung mit den Ärzten, wobei der Datenschutz in vollem Umfang gewährleistet sei.

Damit solch ein großes Projekt in Steinwiesen verwirklicht werden kann, müsse natürlich auch der Markt Steinwiesen mit an Bord sein, beteuerte Bürgermeister Gerhard Wunder. Es sei in den letzten Jahren viel geredet worden, aber es habe an der Umsetzung gefehlt. Gerade deshalb sei es eine Bereicherung, dass das Koberhaus zur Leerstandsbeseitigung und zur Belebung in der Stadtmitte beitrage. Durch die nahen Infrastrukturmöglichkeiten wie Einkaufen, Ärzte, Apotheke, Kirche usw. erhöhe sich die Lebensqualität. Die Visionen von Investor Rainer Kober für die Zukunft der Gemeinde Steinwiesen machten den Ort lebendig. Wunder: "Es ist nun mal so - der Frankenwäldler will was sehen, und genau das geschieht nun im Koberhaus." Die Bürger und Gremien würden sowohl dabei als auch beim Postgarten mit ins Boot genommen und rechtzeitig informiert, "damit sie diskutieren und umsetzen können".

Fertigstellung Ende März 2021

Die Arbeiten im neuen Koberhaus sollten eigentlich bereits dem Ende entgegengehen. Aber auch hier entstanden Verzögerungen durch die aktuelle Handwerkersituation. Deshalb wird die Fertigstellung auch erst für Ende März 2021 erwartet und nicht wie geplant zum Jahresende 2020.

Die Bauabschnitte der Installation sind schon komplett fertig, der Trockenbau ebenfalls. Nun entsteht die Verblendung des Daches und der Außenfassade. Zum Schluss folgen der Innenausbau und die Verlegung der Böden.