Ein Rettungswagen hält in einer engen Straße am Fahrbahnrand. Die Rettungskräfte nehmen ihre Taschen und rennen Richtung Hauseingang. Oben in der Wohnung angekommen, tun sie alles, um ihrem Patienten das Leben zu retten. Plötzlich klopft es an der Wohnungstür. "Könntet ihr vielleicht euren Wagen unten wegfahren? Ich komme mit meinem Auto nicht vorbei", fragt ein Autofahrer die Helfer. Es klingt unglaublich. Doch Rettungsassistent Fabian Kristek hat das bei einem Einsatz in Kronach schon selbst erlebt: "Für mich ist das fehlender Respekt gegenüber dem Patienten und den Rettungskräften."

Ein Problem, mit dem Rettungskräfte, Feuerwehr und Polizei auch im Landkreis Kronach immer öfter zu kämpfen haben. "Manchen Verkehrsteilnehmern fehlt einfach der Respekt", sagt Kreisbrandmeister Martin Panzer. Das mache sich besonders bei Straßensperrungen bemerkbar. "Viele verstehen nicht, warum wir jetzt hier absperren und werden dann auch teilweise beleidigend", erzählt Panzer.

Ähnliches Bild auch bei den Rettungskräften vom BRK Kreisverband Kronach. "Verbal wird es manchmal schon sehr heftig", sagt Andreas Kristek, Wachleiter der Rettungswache Kronach. Oft handele es sich dabei um Patienten, die stark alkoholisiert sind oder andere Rauschmittel genommen haben.

"Die können dann einfach nicht mehr unterscheiden, ob ihnen jemand helfen will oder nicht. Zudem fühlen sie sich dadurch oft stark", meint der Wachleiter. "Oft kennen wir unsere Pappenheimer schon", ergänzt sein Sohn Fabian Kristek.


Die Hemmschwelle sinkt

"Die Hemmschwelle der Bürger gegenüber Ordnungskräften ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken", stellt Gerhard Anders, Pressesprecher der Polizeiinspektion in Kronach, fest. Auch Polizisten passiere es oft, dass sie beleidigt werden - manchmal weniger, manchmal massiver.

Doch wie geht man am besten mit solchen Beleidigungen um? "Bis zu einer gewissen Grenze ganz nach dem Motto: Ins eine Ohr rein, zum anderen wieder raus", sagt Fabian Kristek. "Wenn der Patient aber handgreiflich wird, zieht man sich zurück und holt die Polizei", erklärt er. Da müssten Rettungskräfte auf ihren Eigenschutz achten. "Mit Gegenständen wird zum Glück noch selten nach uns geworfen. In Großstädten kommt das sicher vermehrt vor", so der Andreas Kristek.


Man muss differenzieren

"Viele Kollegen ignorieren das aufgrund ihrer Berufserfahrung", meint Gerhard Anders. Man müsse aber immer differenzieren, aus welcher Situation heraus die Worte fallen. "Vergreift sich jemand aus Frust oder wegen zu viel Alkohol in der Wortwahl oder ist es ein Bürger, der allgemein etwas gegen die Polizei hat", erklärt Anders.
Doch nicht nur Ordnungskräfte haben in der heutigen Zeit immer häufiger mit Beleidigungen zu kämpfen.

Auch Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU) musste sich bei der Nationalpark-Diskussion in den letzten Wochen einiges anhören. "Wenn man in der Öffentlichkeit steht, muss man das ein Stück weit aushalten. Aber bei der Nationalpark-Debatte wurden mehrere rote Linien überschritten", meint Baumgärtner. Schon bei der Auftaktveranstaltung mit Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) fuhren die Gegner laut Baumgärtner harte Geschütze auf und demonstrierten mit Traktoren, Motorsägen und Särgen. "Da habe ich mich damals schon gefragt, wo das noch hinführen soll." Nun sei auf einer Veranstaltung des Vereins "Pro Frankenwald" geäußert worden, dass es gut wäre, wenn man den Abgeordneten erschießen würde.

Jürgen Baumgärtner ist geschockt. "Das sind Attacken gegen mich in noch nie dagewesener Aggressivität. Auch vor meinem privaten Umfeld haben diese nicht Halt gemacht." Es sei "der Wahnsinn", wie schnell man heutzutage verunglimpft werde - egal in welchem Bereich. "Früher war das anders, da musste man seinem Gegenüber noch in die Auge schauen. Wegen den sozialen Netzwerken ist das nun nicht mehr nötig."