Filmdreh in der Oberen Stadt in Kronach: Hier werden Szenenbilder für den Hollywood-Streifen "Resistance" gedreht.

Die Obere Stadt hat endlich wieder einen Lebensmittelladen? "Das ist ja toll", freut sich der Kunde, hat dann allerdings doch einen kleinen Kritikpunkt. "Aber muss es denn unbedingt ein französischer sein?", fragt er hinterher - und blickt in amüsierte Augen.

Auch einige Stunden später muss Lydia Ring noch schmunzeln, als sie von der Situation erzählt. Denn einen neuen Arbeitsplatz muss sich die pharmazeutisch-technische Assistentin nicht suchen. Die einzigen Lebensmittel, die hier über die Ladentheke gehen, bleiben Nahrungsergänzungsmittel oder Bonbons. Die Stadt-Apotheke bleibt die Stadt-Apotheke. Über dem Eingang steht zwar seit Dienstag "Pharmacie" - was auf französisch aber auch nichts anderes als Apotheke heißt.

Ein französischer "Anstrich"

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Des Rätsels Lösung: Die Stadt-Apotheke am Bamberger Tor hat es nach Hollywood geschafft. Jedenfalls die Fassade. Rund um den Melchior-Otto-Platz werkeln schon seit einigen Tagen die Szenenbildner der internationalen Produktion "Resistance". Nachdem vergangene Woche vor und in der Festung Rosenberg gedreht wurde (wir berichteten), ist das Filmteam nun in die Obere Stadt umgezogen.

Ihrer Eigenschaft werden die Geschäfte dabei nicht beraubt. Während die Apotheke mittels angeklebter Schilder nur einen französischen "Anstrich" erhält, sieht es beim Ausstellungsraum von Lindner Porzellan neben dem Scharfen Eck nicht anders aus. Die Vasen dürfen bleiben, nur pinseln die Szenenbildner zusätzlich "Atelier de poterie" auf die Schaufensterscheibe - schon wird das Geschäft zur Töpferei. Zwei Meter weiter bringt ein Arbeiter ein Straßenschild an der Steinfassade an - und verdeckt damit den schon etwas verblassten Schriftzug "Melchior-Otto-Platz".

Ihr Basislager hat die Crew etwas weiter unten auf dem Marienplatz aufgeschlagen. Während im hinteren Bereich des Stadtgrabens die Rosenbergalm für die anstehende Adventszeit aufgebaut wird, bilden davor Wohnwagen und mobile Einrichtungen für Catering, Büro oder Sanitäranlagen ein eigenes kleines Filmdorf.

Zwischen diesem und dem Melchior-Otto-Platz pendeln am Morgen erst Szenenbildner und Lichtgestalter, gegen Nachmittag dann Darsteller. Einem Akteur über den Weg gelaufen ist Kronachs Hauptamtsleiter Stefan Wicklein noch nicht. "Aber einige Kronacher haben mir schon ihre Begegnungen mit den Schauspielern geschildert oder Fotos geschickt", erzählt er und zückt sein Smartphone - auf dessen Bildschirm ein Bekannter Arm in Arm mit dem Oscar-nominierten Hauptdarsteller Jesse Eisenberg in die Kamera strahlt.

Der Verlauf der Dreharbeiten, die noch bis Freitag andauern (siehe Infokasten), beeindruckt Wicklein: "Das läuft wirklich sehr professionell ab. Man merkt, dass die Teams schon an vielen Orten waren und vielleicht noch an viel komplizierteren als hier in Kronach."

Weniger Kunden

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Das könne man durchaus so sagen, bestätigt Simon Happ von der beim Dreh federführenden Produktionsfirma Pantaleon: "Es gibt Metropolen auf der Welt, die sich nicht gerade freuen, wenn die Filmleute kommen." Dem Team sei bewusst, dass es die Kronacher mit seinen Fuhrparks und Sperrungen nerve. "Aber wir sind wirklich sehr freundlich aufgenommen worden. Die Leute sind wahnsinnig nett und offen."

Direkte Auswirkungen haben die Dreharbeiten für die Anwohner, die auf einen Parkplatz in der Nähe ihrer Wohnung derzeit weitestgehend verzichten müssen. Und für die Geschäfte. "Es kommt schon weniger Kundschaft als normalerweise", erzählt Lydia Ring. Die Ärztin über der Apotheke habe ihre Praxis ebenso geschlossen wie einige Restaurants.

Wie klaglos all dies hingenommen werde, zolle ihm großen Respekt ab, betont Wicklein. "Alle sind sehr kooperativ und freuen sich mit uns, dass wir so ein großes Projekt nach Kronach bekommen haben." Die kurzzeitigen Entbehrungen seien es wert. Denn es sei eine große Chance für Kronach, wenn sich die Obere Stadt und die Festung Rosenberg in einem Kinofilm mit Starbesetzung präsentieren.

Von den beiden bekannten Hauptdarstellern ist allerdings nur Eisenberg angereist, Matthias Schweighöfer hat keinen Drehtag in der Kreisstadt. "Schade", sagt Ring. "Darauf, ihn zu sehen, hatte ich mich eigentlich gefreut."

Die Dreharbeiten werde sie aus der Apotheke heraus trotzdem gespannt verfolgen. Immerhin haben auch sie und ihre Kollegen etwas zum Film beigetragen: "Das Team hat uns gefragt, ob wir alte Gegenstände haben, mit denen wir das Schaufenster schmücken können."

So mussten die Accessoires der Filmleute nicht aus dem mitgebrachten Fundus gekramt werden. Im Schauraum der Stadt-Apotheke fanden sich neben Mörser und Pistill auch antike Keramikschalen oder eine alte Apothekerwaage. "Damit schmücken wir zu besonderen Anlässen wie dem historischen Stadtspektakel unsere Schaufenster", sagt Ring. Im kommenden Jahr ist das Apotheken-Equipment jetzt vielleicht sogar im Hintergrund der großen Leinwand zu sehen.

Hier wird es am Donnerstag und Freitag (25. und 26 Oktober) noch zu Straßensperrungen kommen

Damit die Anwohner trotz der Dreharbeiten in die Obere Stadt fahren können, gibt es während der Dreharbeiten sogenannte Intervallsperrungen. Einzelne Straßenzüge, die als Filmkulisse dienen, werden daher immer wieder für etwa 15 bis 20 Minuten gesperrt und anschließend wieder für den Verkehr freigegeben. Am Donnerstag wird von 8 bis 18 Uhr in der Lucas-Cranach-Straße sowie vom Melchior-Otto-Platz bis zum Bamberger Tor gedreht. Anschließend sollen bis 23 Uhr dann auch Aufnahmen im Abschnitt Strauer Straße/Strauer Torweg stattfinden. Die Stadt weist daher darauf hin, dass es nicht nur für den Autoverkehr, sondern auch für Fußgänger zu Einschränkungen kommen kann.

Noch bis zum Freitag um 8 Uhr sind die Parkplätze in der unteren Lucas-Cranach-Straße, der unteren Amtsgerichtsstraße sowie am Marktplatz vor dem Rathaus nicht nutzbar. Im Bereich des Melchior-Otto-Platzes gilt heute zudem noch den ganzen Tag über ein generelles Halteverbot. Auch die die Parkplätze entlang der Strauer Straße und am Strauer Torweg sind ab 15 Uhr für den Rest des Tages gesperrt. Zumindest teilweise genutzt werden kann der Parkplatz hinter dem Rathaus.