Hat ihr Freund sie nun geschlagen oder nicht? Zunächst sagte die Angeklagte ja, dann wieder nein und schließlich sprach sie von einem Schubsen und einer Ohrfeige.

Fakt ist, dass die arbeitslose Mutter dreier Kinder im September 2013 mit dem Mobiltelefon von ihrer Wohnung in Kronach über die Notrufnummer 110 bei der Einsatzzentrale in Bayreuth angerufen hatte. Da der Anruf schon nach drei Sekunden abgebrochen wurde, rief der den Anruf entgegennehmende Beamte die angezeigte Rufnummer zurück.

Bei dem Gespräch gab die aus dem Kosovo stammende Angeschuldigte an, sie sei von ihrem Freund geschlagen worden, jedoch nicht verletzt. Als Grund für den Abbruch des Gespräches gab sie an, ihr sei das Handy aus der Hand gerissen worden.

Daraufhin begaben sich zwei Polizeistreifen der Polizeiinspektion Kronach zur Wohnung der Angeschuldigten. Bei einer am Tatort durchgeführten Zeugenvernehmung schilderte sie einen Streit mit ihrem Lebensgefährten. Dabei habe er sie geschubst. Sie habe sich gewehrt. Anschließend, als sie auf dem Sofa gelegen habe, habe er sie mit dem Ellenbogen auf die Stirn gestoßen und sei ihr mit dem Fuß in den Bauch getreten.

"Dies taten sie", so Rechtsreferendar Kanat Akin in der Anklageschrift, "um gegen ihren Freund ein Ermittlungsverfahren herbeizuführen". Aufgrund ihrer Angaben wurde gegen ihren Freund dann auch ein Ermittlungsverfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung eingeleitet. Mittlerweile wurde dieses jedoch eingestellt.


Quatsch erzählt

Neben dem Missbrauch von Notrufen wurde sie auch der versuchten Strafvereitelung beschuldigt. So machte die Beschuldigte, nachdem sie bei ihrer ersten Zeugenvernehmung ihre Anschuldigungen bestätigt hatte, bei der zweiten Vernehmung rund drei Wochen später ganz andere Angaben - nämlich, dass ihr Lebensgefährte sie nicht angefasst und auch nicht geschlagen habe. Dadurch habe sie erreichen wollen, so der Rechtsreferendar, dass das Ermittlungsverfahren gegen ihren Freund wegen Körperverletzung mangels Tatnachweises eingestellt wird.

"Es tut mir leid, dass ich angerufen und Quatsch erzählt habe. Wir hatten Streit, er hat mir eine geschmiert und mich geschubst. Ich habe ihn dann rausgeschmissen. Dann habe ich meine Antidepressiva genommen und etwas getrunken. Ich war so wütend auf ihn, dass ich ausgerastet bin und die Polizei angerufen habe. Ich wollte ihm eins auswischen. Er hat mich nicht getreten", erklärte die Frau, die ohne Verteidiger erschienen war.

Später habe sie dann die Wahrheit gesagt, weil sie gewollt habe, dass man die Strafanzeige gegen ihren Freund einstellt. "Aber eine Rauferei hat doch stattgefunden und er hat Sie doch dabei geschlagen und geschubst", hakte der Richter nach. Außerdem sei es nicht das erste Mal, dass die Frau die Polizei gerufen habe.


Freund soll sie in Ruhe lassen

"Ich war einfach nur sauer und verzweifelt", räumte die Angeklagte ein und gab zu, auch bei der Hauptverhandlung gelogen zu haben. Damals hatte sie von Tritten und Schlägen gesprochen. Die Rücknahme ihrer Vorwürfe sei freiwillig und nicht, weil er sie dazu gedrängt habe.

Mit ihrem Freund sei sie noch zusammen, seitdem habe es keine derartigen Vorfälle mehr gegeben. Dennoch meinte sie: "Ich will, dass er geht und mich in Ruhe lässt."

Die Frau war bereits wegen genau der gleichen Straftaten - Strafvereitelung und Missbrauch von Notrufen - zweimal in den Jahren 2011 und 2012 vorbestraft worden. "Sie wussten doch, um was es geht. Sie kannten doch die Paragraphen", zeigte sich der Richter verständnislos.

In seinem Plädoyer sah der Rechtsreferendar die Anklagepunkte bestätigt. Trotz zweier einschlägiger Einträge und Verurteilungen habe sie nichts daraus gelernt. Er forderte eine Strafe von fünf Monaten auf Bewährung als Warnzeichen sowie die Zahlung von 600 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung oder das Ableisten von 100 Arbeitsstunden.

"Es tut mir leid. Das wird in Zukunft nicht mehr passieren. Ich muss selber versuchen, das alles in den Griff zu bekommen", beteuerte die Frau in ihrem Schlusswort. Der Richter beließ es bei drei Monaten auf Bewährung und einer Bewährungszeit von drei Jahren. Zudem muss sie 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.