Es hätte eigentlich alles viel schneller gehen sollen - so zumindest hätte es sich Josef Daum (CSU) gewünscht. Schon seit Längerem wusste der Bürgermeister Nordhalbens vom Bedarf an Kindertagesplätzen in seiner Gemeinde.

Der Marktgemeinderat entschied daraufhin, dass Nordhalben zehn Kita-Plätze braucht - auch wenn hierfür ein Anbau an den Kindergarten notwendig wird. Geplant war, dass der im Herbst 2013 fertig ist. Wichtig, denn das Förderprogramm der bayerischen Staatsregierung, die den Kita-Ausbau bezuschusst, lief ursprünglich 2013 aus.

Doch dann geriet das Projekt ins Stocken. Das Problem: die katholische Kirche. Die nämlich betreibt den Kindergarten nicht nur, stellt also das Personal, sondern ihr gehört auch das Gebäude. Für Reparaturen kam sie bislang alleine auf. All das, obwohl Kinderbetreuung eine Pflichtaufgabe einer jeden Gemeinde in Bayern ist.
Bislang also hat sich die katholische Kirche, wenn man so möchte, ehrenamtlich in Nordhalben engagiert.

In Zeiten sinkender Mitgliederzahlen muss allerdings auch die Institution Kirche auf ihre Finanzen achten. Den Kindergarten finanziell weiterhin alleine zu schulten, kam nicht mehr in Frage. Einem Anbau hätte die Kirche zu diesem Zeitpunkt nicht zugestimmt.

Erster Vorschlag: Ein Vertrag, der der Gemeinde auferlegt, sich um den Kindergarten kümmern zu müssen - unter der Federführung der Kirche. "Dann hätte uns die Kirche vorschreiben können, was wir erledigen müssen", bemängelt Daum. Für ihn kam diese Lösung nicht in Frage. Schließlich fehlt seiner Gemeinde das Geld. Und wie soll er sparen, wenn ihm die katholische Kirche vorschreiben könnte, teure Fenster zu verbauen?

Im Frühjahr 2014 rollen die Bagger

In den Folgemonaten wurde viel diskutiert. Und Daum hatte die Zeit im Blick. Was, wenn er nicht mehr rechtzeitig eine Förderantrag stellt? Die politische Lage kam ihm zu Hilfe; der Freistaat Bayern verlängerte das Förderprogramm bis zum 31. Dezember 2014. Kirche und die Marktgemeinde Nordhalben konnten in aller Ruhe nach einer Lösung suchen.

Seit gestern ist nun alles in trockenen Tüchern: Beide Parteien haben einen Erbbaurechtsertrag unterzeichnet. Damit hat die Marktgemeinde Nordhalben den Kindergarten für 45 Jahre übernommen. "Ab heute sind wir für das Gebäude verantwortlich", sagt Daum. Im Gegenzug hat die katholische Kirche vereinbart, dass sie beabsichtigt, den Betrieb weiterhin zu übernehmen.

"Der Anbau wird jetzt ausgeschrieben", erklärt Josef Daum. Baubeginn soll im Frühjahr, Einweihung im Herbst 2014 sein. Der Kita-Ausbau wird Nordhalben rund eine Viertelmillion Euro kosten. 215 000 Euro davon bezahlt der Freistaat Bayern. Die amtierende bayerische Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) teilte in einem

Schreiben mit, sie freue sich, "dass der Markt Nordhalben zehn neue Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren" anbieten könne. Mehr noch freut sich Bürgermeister Josef Daum: "Damit ist die Zwei gruppigkeit des Kindergartens gerettet und der Personalstand kann gehalten werden." Ohne die Unter-Dreijährigen sei dies in seiner Gemeinde nicht mehr möglich, betont Daum.