Jeden Tag stehen sie an der Bushaltestelle. Immer zur selben Zeit. Bei Wind und Wetter. Ob sie gut aus dem Bett gekommen sind oder nicht. Und dann jeden Morgen dasselbe: Gewusel, Geschubse, Gedrängel. Kaum hat der Schulbus seine Reifen zum Stehen gebracht, wird es eng. Knalleng. Nicht nur beim Einsteigen, die Herausforderung wartet meist erst im Bus selbst. Die Sitzplätze sind nämlich gleich weg. Die, die nicht schnell genug sind, müssen stehen. Dicht an dicht. Schulranzen an Schulranzen.

Auch Janina (13) und Sarah (12) können davon ein Lied singen. Jeden Tag dasselbe - Janina fährt von der Siedlung aus in die Richard-Rother-Realschule, Sarah steigt in Mainbernheim ein. In ihren Bussen ist der Gang meist voll, manchmal können sie sich kaum noch bewegen - geht nicht einmal mehr die Tür zu. "Es ist viel Gedrängel, vor allem kleine Kinder werden geschubst", erzählt Sarah.
Besonders ältere Schüler würden sich jüngeren Mitschülern gegenüber oft provokant und arrogant verhalten. Schlimm sei es vor allem beim Einsteigen: "Wenn da einer hinfällt, laufen manche einfach über ihn drüber", sagt Janina. Aber auch im Bus sinkt die Verletzungsgefahr nicht: "Bei einer Vollbremsung ist es schon öfter vorgekommen, dass einer hinfällt", ergänzt Janina.

Unweigerlich kommt bei solchen Szenen die Frage auf, ob ein zweiter, zusätzlicher Bus oder zumindest größere Buskapazitäten nicht sinnvoll wären? Wenn nicht sogar dringend notwendig? Damit keiner mehr stehen muss. Und niemand überhaupt erst in die Gefahr kommt, verletzt zu werden. Sarah und Janina finden das jedenfalls. Eine etwas andere Sicht auf die Dinge hat ein Busunternehmer aus dem Landkreis, der namentlich nicht genannt werden möchte. Für ihn sind die Busse zwar "gut gefüllt", aber definitiv nicht überfüllt - oder gar überladen. "Die Schüler müssten nur ihren Schulranzen abnehmen und zwischen die Füße klemmen. Das kann man jeden Tag predigen, aber keiner macht's", sagt der Busunternehmer, der seit 40 Jahren Bus fährt. Viele Kinder, die stehen müssen, würden sich außerdem einfach nicht festhalten: "Die haben dann lieber ihr iPhone in der Hand."

Dass Kinder im Bus überhaupt stehen müssen, daran ist laut dem Busunternehmer vermutlich nichts zu ändern. Allein der Finanzierung wegen. "Eltern schreien, dass ihr Kind einen Sitzplatz braucht. Wir haben den Beförderungsanspruch, aber es gibt keinen Anspruch auf einen Sitzplatz", sagt er. Sobald jemand im Bus stehen muss, egal ob Kind oder Erwachsener, ist er ohnehin zu einer Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometer verpflichtet.

Ob ein Schulbus allerdings "nur" voll ist oder wirklich zu viele Schüler transportiert, das kommt auf die jeweilige Zulassungszahl an. Erst zu Schuljahresbeginn hat der Landkreis einen Sicherheitscheck vornehmen lassen. "Die Busse waren voll, aber nicht überfüllt. Erst sobald Schüler im Innenraum dicht gepresst an den Türen stehen, geht das nicht mehr. Bei einem technischen Defekt könnten sie herausstürzen", sagt Günter Rauh, Nahverkehrsbeauftragter des Landkreises Kitzingen. Kommen Beschwerden auf, tritt er sofort mit dem jeweiligen Busunternehmen in Kontakt.

Die Schülerzahl sei seit dem vergangenen Schuljahr konstant geblieben. Auf zwei Strecken musste dennoch jeweils ein zusätzlicher Entlastungsbus eingesetzt werden: Einmal zwischen dem Kitzinger Stadtkern und der Siedlung und zum anderem zwischen Rödelsee und Münsterschwarzach. Für die Strecke Kitzingen-Wiesentheid laufe derzeit zudem eine Ausschreibung. "Busgröße und Bus anzahl bestimmen wir und da achten wir schon drauf, dass die Kapazitäten passen."

Die Idealvorstellung: Jeder Schüler hat einen Sitzplatz. "Das ist aber einfach nicht finanzierbar", sagt Manfred Oppitz, Niederlassungsleiter in Würzburg. Ein Sicherheits- oder Verletzungsrisiko bestehe ihm zufolge aber durchaus, "wenn Kinder sich nicht richtig festhalten können oder bei Gestopfe."

Gabriele Krieglstein, Konrektorin der Grundschule Kitzingen-Siedlung ist mit der Bussituation an ihrer Schule dagegen sehr zufrieden. Mit dem Busunternehmen Zimmermann aus Kitzingen hat die Grundschule abgesprochen, dass jedes Kind einen Sitzplatz braucht. Und das gilt. "Da wird wirklich darauf geachtet", erklärt Krieglstein. Stöße gegen Stangen oder Sitzlehnen sind hier also von vornherein ausgeschlossen. Ganz anders als bei Janina und Sarah. Sie stehen auch heute wieder an der Bushaltestelle. Und stehen auch heute wieder im Bus.

Beschlüsse Jugendkreistag:
Auch der Jugendkreistag hat sich mit dem Thema Schulbus befasst. Heraus kamen folgende Anträge:

Informationsfluss Schulen sollten frühzeitig über Ausfälle oder Verspätungen informiert werden.

Sicherheitstag An den Schulen im Landkreis wird ein Verkehrssicherheitstag in der fünften und sechsten Klasse nahegelegt.

Sitzplätze Durch zusätzliche Buslinien oder größere Beförderungskapazitäten sollte jedem Schüler ein Sitzplatz zur Verfügung stehen.

Fahrpläne Der Jugendkreistag beantragt, dass sich der Landkreis Kitzingen beim ÖPNV für verbesserte Fahrpläne einsetzt, besonders bezüglich der Abfahrtszeiten (Großlangheim) und nicht angesteuerte Dörfer (Hoheim, Hohenfeld, Sickershausen).

Freundlichkeit Der Kreistag sollte sich um die Finanzierung von häufigeren Busverbindungen in größeren Bussen kümmern. Ebenso wurde an die Busfahrer appelliert, Schüler freundlicher zu behandeln.