Mit der ukrainischen Übersetzerin Kornelia Schistka-Streck aus Schweinfurt, Albina Baumann von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (Volkach), Bürgermeister Heiko Bäuerlein (CSU) und dem nach Schweinfurt geflohenen russischen Oppositionellen Alexej Schwarz diskutierte die Paneuropa Jugend Unterfranken im Weingut Meusert in Fahr am Main über Einfluss und Ausmaß der Kreml-Propaganda in Deutschland. Folgender Bericht ist einer Pressemitteilung der Paneuropa Jugend entnommen.

Moderiert von Daniel Nagl (Kitzingen) wurde die Rolle staatlich gelenkter Medien beleuchtet und wie so genannte "Trolle" gegen Bezahlung Profile in Sozialen Medien mit Desinformation bespielen. Bürgermeister Bäuerlein berichtete, dass es ihn erschreckt habe, dass er selbst in der nicht-russischsprachigen Bevölkerung vereinzelt Menschen träfe, die glauben, Putin habe mit dem Angriff auf die Ukraine eine vermeintliche Bedrohung abwehren wollen.

Schulhofstreit mit Smartphone aufgezeichnet

Für die Landsmannschaft betonte Baumann, dass der Großteil der Deutschen aus Russland Putins Propaganda nicht glaube. "Aber von AfD bis Querdenker sind Gruppen unterwegs, die versuchen, uns zu beeinflussen." Manchmal gelänge dies, wie beim Autokorso in Würzburg.

Einfallstor der Beeinflussung sei, dass russischsprachigen Menschen eingeredet werde, sie würden in Deutschland diskriminiert. Jeder Schulhofstreit werde mit dem Smartphone aufgezeichnet und im Netz als Übergriff gegen "die Russen" dargestellt, schildert Baumann. Wer dieses Narrativ so wie der ehemalige Mitarbeiter der Nawalny-Stiftung, Alexej Schwarz, hinterfrage, erfahre auch in Deutschland Ablehnung. "Ich habe im Wohnheim gefragt, ,Wo wirst du denn diskriminiert?' Die Antwort war: ,Ich nicht. Aber sicher irgendwo ein anderer'", schilderte der junge Physiker, der auch während des Livestreams online und in Textnachrichten beleidigt wurde.

Verständigung muss im Kleinen wachsen

Es sei die beste Art, gruppenübergreifend zu sprechen, war sich Schistka-Streck sicher und brachte ihre 2014 aus dem Donbas nach Kiew geflohene gute Freundin Jana Mamont mit, eine russischsprachige Ukrainerin. Im Kleinen müsse die Verständigung jenseits nationaler Fragen wachsen, waren sich die Gesprächsteilnehmer und Ludmilla Eisenbraun, die vor der Besatzung durch die Wehrmacht in einem deutschen Dorf auf der Krim geboren wurde, einig.

Dazu brauche es aber klare Worte. "Ich frage Russen in meinem Umfeld ab und an, warum die Nato Russland bedrohe und ob sie wissen, dass sie in einem Nato-Staat leben, mitunter staatliche Hilfe von diesem erhalten und es junge Nato-Soldaten sind, die im Falle eines Krieges auch sie verteidigen. Da komme oft zurück "Wie – das hier ist NATO?"", schilderte Schistka-Streck die große Herausforderung gleichermaßen für Medien, Landsmannschaften und Politik.