An alle Opfer des Dritten Reiches sollen Stolpersteine in Städten und Gemeinden erinnern. Am Donnerstag wurden vier in den Bürgersteig vor dem Anwesen Hauptstraße 25 in Mainstockheim eingelassen: zur Erinnerung an die Familie Schornstein, die in diesem Haus  lebte.
Als Vorsitzende des Kitzinger Fördervereins Alte Synagoge las Margret Löther aus der Familiengeschichte der Schornsteins, die bis zu ihrer Deportation nach Izbica (Polen) in Mainstockheim lebten. Gekommen waren am Donnerstag Charles und Avi Hexter, Ayelet Tsumi und Sara Kandler als Nachfahren der Familie.

Lang ansässig in Mainstockheim

Hermann Schornstein wurde 1894 in Bamberg geboren, die Eltern stammten aus Polen. 1920 heiratete der Kaufmann und Handlungsreisende in Mainstockheim Emilie Silber aus einer dort lang ansässigen und tief verwurzelten Familie. Er wurde nach der Pogromnacht vom 10. November 1938 verhaftet, kam nach Kitzingen ins Gefängnis und von dort in das Konzentrationslager nach Dachau. Am 20. Dezember 1938 wurde er wieder frei gelassen.
Seine Frau Emilie wurde 1886 in Mainstockheim geboren. Das Ehepaar hatte drei Kinder. Einzig die 1922 geborene Martha Schornstein konnte dem Nazi-Terror im Alter von 17 Jahren entkommen und in die USA emigrieren, wo sie Leo Hexter heiratete und mit ihm vier Kinder bekam: Charles, Herbert, Pauline und Judy Hexter. Martha Schornstein-Hexter lebt heute in New York und ist mittlerweile  93 Jahre alt.
Emilie Schornstein wurde wie ihr Mann Hermann ins Konzentrationslager Izbica deportiert. Sie kamen ebenso wenig zurück wie der 1923 geborene Sohn  Justin und dessen 1926 geborene Schwester Babette. Sie war 1939 von den Eltern vorsorglich zu Verwandten nach Antwerpen geschickt worden. Als deutsche Truppen Belgien 1940 besetzten, musste sie wieder zurück nach Mainstockheim.
Familie Hexter war bereits im vergangenen November auf der Rundreise zu den Wohnorten der Vorfahren, dazu gehören neben Mainstockheim auch Kleinlangheim, und zum jüdischen Friedhof Rödelsee. Auf ihre Initiative hin wurden die vier Stolpersteine gesetzt. Mit der Geschichte der  Familie  hat  sich  Elisabeth Böhrer aus Schweinfurt als Mitglied im Kitzinger Förderverein eingehend beschäftigt. In ihrem Vortrag merkte sie an, dass die Aufenthaltsorte der Familie und ihrer Mitglieder nicht eindeutig mehr feststellbar seien. Es sei ihr aber gelungen im Staatsarchiv in Würzburg Schriftstücke ausfindig zu machen, in der Justin Schornstein zuletzt als Schreinerlehrling bezeichnet und für den Wehrdienst wegen seiner jüdischen Herkunft als ungeeignet eingestuft wurde.