Beim Duell zwischen Abtswind und Bayern Kitzingen treffen Michael und Andreas Herrmann aufeinander - als Rivalen in unterschiedlichen Mannschaften. Die drei Kilometer von ihrem Wohnort Greuth aus zum Spiel werden die beiden nicht gemeinsam fahren.
Vor den Toren des 160 Einwohner zählenden Dörfleins Greuth liegt er, der Bolzplatz im Casteller Ortsteil. Hier haben Michael und Andreas Herrmann unzählige Nachmittage verbracht, um ihrer Leidenschaft, dem Fußball, zu frönen. „Wir sind hier aufgewachsen, hier waren wir eigentlich so gut wie jeden Tag zum Bolzen“, sagt Michael, der mit 21 Jahren ältere der beiden Brüder.
Seit drei Jahren kickt er in Abtswind. Der jüngere, Andreas, wechselte im Vorjahr aus Wiesentheid in die Jugend der Kitzinger Bayern. Die ersten Wochen bei den Aktiven ließen sich für den 18-Jährigen gut an. Zweimal eingewechselt wurde er in den ersten beiden Partien. Dazu gelang ihm sein erstes Landesliga-Tor. So kann es weitergehen. Wenn der TSV Abtswind an diesem Samstag um 18 Uhr die Kitzinger Bayern erwartet, treffen die beiden aufeinander.
Zurück zu den Wurzeln, ins „Seestadion“ nach Greuth. Die Rasenfläche war zu der Zeit, als die Herrmanns schnell nach der Schule und den Hausaufgaben – da bestand die Mutter drauf – zum Bolzplatz eilten, in viel besserer Verfassung. „So hoch wie jetzt stand das Gras damals nie. Unser Vater hat ihn gleich wieder gemäht, wenn es nötig war. Die Kleinfeld-Tore haben wir damals beim Bürgermeister beantragt“, erinnert sich Michael.
Ein richtiges Spiel mit zwei Mannschaften bekamen die Herrmanns meist zusammen im kleinen Dorf. „Vier gegen vier waren wir eigentlich immer. Wir mussten halt bei jedem extra klingeln und die anderen zusammentrommeln“, sagt Michael. „Wer uns treffen wollte, ging am besten zum Sportplatz“, fügt Andi hinzu. Bisweilen wurden auch Spiele gegen Nachbarorte ausgemacht, gegen Rüdenhausen oder Abtswind.
Da liefen beide Herrmanns in der selben Mannschaft auf, beim Bolzen nicht. „Andi war der jüngere, er hat nie gerne mit mir zusammengespielt“, sagt Michael. Nicht selten wurde zu Hause im elterlichen Hof weiter gekickt, eins gegen eins, dafür war immer Platz. „Ein Tor war die Einfahrt, eins hinten an der Scheune“, weiß Andreas noch.
Heute stehen die Herrmanns in der Landesliga, in unterschiedlichen Klubs, in denen viel Konkurrenz im Kader herrscht. Er habe schon einige Zeit gebraucht, um den körperlichen Sprung zu schaffen, gibt Michael zu. „Das war schon eine Umstellung nach der Jugend, es ging alles viel schneller.“ Dass es sein jüngerer Bruder auf Anhieb gepackt hat, überrascht ihn nur bedingt. „Ich war mir sicher, dass er es bei den Bayern in den Kader der ersten Mannschaft schaffen würde. Dass er gleich einschlägt und trifft, hätte ich nicht gedacht“, sagt er.
Hungrig und talentiert sind beide. Auf dem Spielfeld ist Michael eher der defensivere, übernimmt in der Viererkette jede Aufgabe oder spielt auch auf der Sechs. „Die Position ist mir egal, Hauptsache, ich stehe auf dem Platz. Am liebsten ist es mir außen in der Kette“, sagt er. Andreas fühlt sich in der Zentrale am wohlsten, auf der Position hinter den Spitzen. Da hat er bei den Bayern einen Tolga Arayici vor sich. „Wenn ich ihn manchmal spielen sehe, denke ich mir schon, da willst du hin“, sagt er bewundernd über den Spielmacher.