Im Sommer lag Ernüchterung über Winterhausen: Sprung in die Kreisklasse knapp verpasst! Doch im alten Offensivgeist empfiehlt sich der Klub schon wieder für den Aufstieg.
Sie waren aufgebrochen zu einer ehrgeizigen Tour. Nicht weniger als den Gipfel wollte die Seilschaft des FC Winterhausen im Sommer bezwingen. Und mit einem Bein standen die mutigen Kletterer ja auch schon oben. Doch dann passierte etwas Seltsames – etwas, das sich selbst Expeditionsleiter Bernd Wenkheimer nicht erklären konnte. „Wir brachten keinen Fuß mehr vor den anderen.“ Die Folge: Sie mussten umkehren, zurück ins Basislager, und einen neuen Anlauf nehmen. Es blieben Frust und Ernüchterung und wohl auch manche Selbstzweifel.
„So kurz vor dem Ziel zu scheitern ist natürlich sehr enttäuschend“, sagt Wenkheimer über den missglückten Versuch der Winterhäuser, die Kreisklasse zu erreichen. Der Weg war bereitet, sie hatten zwei Chancen in der Relegation, vergaben die erste gegen Markt Einersheim und gerieten dann vielleicht etwas zu sehr unter Druck. „Jeder hat uns eingeredet: Das gegen Gollhofen schafft ihr locker“, erzählt Wenkheimer. Aber statt locker waren sie nur noch verkrampft, und so endete auch der zweite Anlauf in einem Fiasko: 1:6!
Danach schickte Wenkheimer seine gestrauchelten Helden erst mal für einige Wochen in Urlaub: Seele baumeln lassen, abschalten, wieder Mut und Kraft tanken für den Neuanfang, die Mühen der Ebene. Überraschend schnell ließen sie das Tal der Tristesse hinter sich. Ein, zwei Niederlagen zu Saisonbeginn, als Wenkheimer sechs, sieben Stammkräfte fehlten, danach machten sie sich auf zu einem neuen Höhenflug. Zwölf Siege am Stück stehen seit Ende August zu Buche, eine Serie, wie sie nicht einmal der punktgleiche ASV Ippesheim geschafft hat, der an diesem Sonntag zum Spitzenspiel bittet.
Das neue Erfolgsgeheimnis? Ist das alte. Die Winterhäuser machen ganz einfach dort weiter, wo sie vergangene Saison aufgehört hatten. Erobern die A-Klasse im Sturm. 78 Tore nach 15 Spielen – eine beispiellose Quote, wie sie keine andere Mannschaft der Liga besitzt. Beispiellos? Wer das behauptet, muss sich nur die Serien des Klubs in der A-Klasse ansehen. Selten blieb das Team unter hundert Toren. „Das ist einfach der Charakter dieser Mannschaft“, stellt Wenkheimer fest. Manche seiner Vorgänger sind daran verzweifelt, an der schier unbändigen Lust auf Spektakel, immer auf Angriff gebürstet, das kann einen rasend machen als Trainer.
„Natürlich wäre es mir lieber“, sagt Wenkheimer, „wir würden auch mal nur 1:0 gewinnen statt 7:2. Aber ich will der Mannschaft nicht verbieten, offensiv zu sein.“ Er würde sie ihrer Identität, ihrer Seele berauben, es wäre nicht mehr der FC Winterhausen, wie die Leute ihn kennen. Natürlich, das Gesamtgefüge muss robuster, stabiler werden. Aber die Crux ist: In der Defensive plagt den Verein ein Fachkräftemangel. „Wenn uns hinten jemand ausfällt“, sagt der Trainer, „ist das viel schlechter aufzufangen als in der Offensive.“
Die Abteilung Attacke ist deutlich breiter aufgestellt. Wehe, wenn Winterhausen Flügel wachsen. Wenn der Wirbelwind Fabian Mainberger (21 Tore), das Wetterleuchten Michael Morawietz und der Luftgeist Matthias Binder (je 16) anheben und abheben, dann kann das ein gewaltiges Spektakel sein. Dieses Triumvirat gehört zum Besten, was die Klasse zu bieten hat, auch wenn an der Spitze in Marcus Pfeiffer (26 Tore) ein Ippesheimer steht.
Binnen kürzester Frist hat sich der FC in seiner Klasse wiederum als Aufstiegsanwärter qualifiziert. Wenkheimer geht mit den Ansprüchen offen um, sagt: „Natürlich ist es unser Ziel, um den Aufstieg zu spielen.“ Was soll er auch sagen, nachdem seine Mannschaft ja in nahezu identischer Besetzung antritt, ohne Abgänge, verstärkt auf der einen oder anderen Position.
Zu Zeiten, da der Erfolg einiges überstrahlt, ist eine fußballerische Allianz mit dem Nachbarn aus Sommerhausen „kein Thema“, wie Wenkheimer sagt. Aus dem Nachwuchs komme in den nächsten Jahren zwar „nicht so viel“, doch solange beide Klubs über das Potenzial für eine eigenständige Mannschaft verfügten, brauche man sich über eine Kooperation keine Gedanken zu machen. Das hieße ja, auf das immergrüne Derby zwischen den Rivalen zu verzichten. Vielleicht gibt es das schon in der nächsten Saison wieder.